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Torsten Waschinski

Weniger Unfälle, aber mehr Tote auf den Straßen

aktualisiert am 22.02.2012 um 17:25:31

Sachsen-Anhalt (WS). Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat  in Magdeburg die Verkehrsunfallbilanz für das Jahr 2011 vorgestellt. Danach ereigneten sich auf Sachsen-Anhalts Straßen 76.330 Verkehrsunfälle, dass sind 7.565 (9 Prozent) weniger als noch im vergangen Jahr.

Einen Anstieg gab es jedoch bei der Anzahl der verunglückten Personen. So waren im vergangen Jahr 181 Getötete (2010: 157), 2.171 Schwerverletzte (2010: 2.106) und 8.400 Leichtverletzte (2010: 8.306) zu beklagen. Die Schwere der Unfälle und damit auch die Unfallfolgen haben somit in Sachsen-Anhalt zugenommen.

Stahlknecht: „Man muss sich verdeutlichen, dass wir im Land mehrere tausend Unfälle weniger als im vergangenen Jahr haben, trotzdem aber mehr Menschen verunglückt sind.“

Angesichts dieser negativen Entwicklung besteht für den Minister dringender Handlungsbedarf, denn laut Stahlknecht liegen die Ursachen dafür hauptsächlich im falschen Verhalten der Verkehrsteilnehmer begründet. So würden von der Polizei bereits seit längerem eine zunehmende Sorglosigkeit, zum Teil auch eine erhöhte Risikobereitschaft und Aggressionen bei den Verkehrsteilnehmern beobachtet.

Der Innenminister: „Im Jahr 2010 sind auf Sachsen-Anhalts Straßen 157 Menschen ums Leben gekommen. Im gleichen Jahr weist die Polizeiliche Kriminalstatistik 134 Straftaten gegen das Leben auf – inklusive Versuchshandlungen. Dennoch ist in der Bevölkerung die Angst, Opfer von Straftaten zu werden sehr viel höher, als Opfer im Straßenverkehr zu werden. Wir müssen das Bewusstsein für mögliche Folgen falschen Verhaltens im Straßenverkehr bei den Menschen schärfen.“

So nutzte der Minister den Anlass um neben der Bekanntgabe der Statistik auch die Eckpunkte einer neuen polizeilichen Fachstrategie für mehr Sicherheit im Straßenverkehr vorzustellen.

Unter anderem soll neben der Verstärkung polizeilicher Präventionsarbeit die Zusammenarbeit mit den anderen Ressorts, noch intensiver als bisher fortgeführt und die Arbeit der Träger von Verkehrssicherheitsbelangen weiter verzahnt werden. Laufende Präventionsprojekte werden auf Anpassungsbedarf untersucht, neue Projekte sollen entwickelt und initiiert werden.

Darüber hinaus soll im Rahmen der polizeilichen Verkehrsüberwachung künftig verstärkt auch außerhalb von Unfallhäufungsstellen und Unfallhäufungslinienlinien kontrolliert werden.

Aber auch bei der Analyse des Verkehrsunfallgeschehens soll die dafür zu untersuchende Datenmenge, etwa um differenzierte Informationen zu den Verkehrsströmen und -belastungen oder zum Streckengeschwindigkeitsniveau, erweitert werden.

Ausgewählte Inhalte aus der Verkehrsunfallbilanz 2011

Verkehrsunfallgeschehen auf Bundesautobahnen
Die Anzahl des Gesamtunfallgeschehens auf den Bundesautobahnen ist mit insgesamt 4.047 Verkehrsunfällen (1.185 weniger/ -22,65 Prozent) rückläufig. Dem steht ein Anstieg der Anzahl von der Verkehrsunfälle mit schwerem Personenschaden (d.h. ein Verkehrsunfall bei denen mindestens eine oder mehrere Person schwer verletzt oder getötet worden sind) von 146 Unfällen im Jahr 2010 auf 166 im Jahr 2011 gegenüber.
Besonders augenfällig ist dabei die Anzahl von acht Getöteten auf der BAB 2 und 14 Getöteten auf der BAB 14. Dass sind fünf Getötete auf der BAB 2 und zehn Getötete auf der BAB 14 mehr als im Jahr 2010. Auf der BAB 9 kamen drei Menschen ums Leben.
Im Hinblick auf eine Beteiligung von LKW ist mit insgesamt 1.674 Verkehrsunfällen auf den Autobahnabschnitten ein deutlicher Rückgang von minus 543 Unfällen (-24,5 Prozent) zu verzeichnen.

Hauptunfallursachen
In der Rangliste der Hauptunfallursachen stellt das „Wenden/ Rückwärtsfahren“ mit einer Vielzahl von Parkplatzunfällen landesweite nach wie vor die Hauptunfallursache Nr. 1 dar, gefolgt von „zu geringem Abstand“ und „Wildunfällen“.
Bei den Verkehrsunfällen mit schwerem Personenschaden stehen als Hauptunfallursachen allerdings wie in den Vorjahren die überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit mit 27,9 Prozent (hier bei Verkehrsunfällen mit Getöteten sogar mit fast 50 Prozent), Vorfahrtsverletzungen mit 16,7 Prozent und Alkohol mit ca. 9 Prozent nach wie vor im Vordergrund.

Besondere Zielgruppen

Kinder
Mit insgesamt 835 Kindern verunglückten 38 Kinder mehr (4,8 Prozent). Besonders tragisch: Zwei Kinder kamen als Mitfahrer im PKW und ein Kind als Fußgänger, hier nach dem Aussteigen aus dem PKW auf der Autobahn, ums Leben.
Am häufigsten verunglückten die Kinder als Mitfahrer im PKW (39,6 Prozent aller verunglückten Kinder), als Fahrradfahrer (33,6 Prozent) und als Fußgänger (21,7 Prozent). Vor diesem Hintergrund wird die Polizei neben ihren Anstrengungen zur Erhöhung der Sicherheit auf den Schulwegen die schulische Verkehrserziehung als einen wichtigen Schwerpunkt ihrer Präventionsarbeit weiter aktiv unterstützen und hier neben der Unterstützung bei den Fahrradprüfungen in den 4. Klassen und der Durchführung von Verkehrssicherheitstagen und -projekten auch auf die Fortführung des landesweiten Mal- und Zeichenwettbewerbes/ Verkehrssicherheitskalender in seinem zwanzigsten Jahr setzen.

Jugendliche
Mit insgesamt 397 Jugendlichen verunglückten gegenüber dem Vorjahr (388 Jugendliche) neun Jugendliche mehr, was einem Anstieg um 2,3 Prozent entspricht. Dabei wurden fünf Jugendliche getötet und 78 schwerverletzt.
Am häufigsten verunglückten die Jugendlichen als Fahrradfahrer (25,7 Prozent), als Mitfahrer im PKW (24,7 Prozent) und als motorisierte Zweiradfahrer (16,9 Prozent).
Im Rahmen des „Begleiteten Fahrens mit 17“ wurden 38 Verkehrsunfälle (Teilnehmer sowohl aus Sachsen-Anhalt, als auch anderen Bundesländern) registriert, bei denen insgesamt drei Personen schwer und neun Personen leicht verletzt wurden. Davon verursachten die Jugendlichen insgesamt 21 Verkehrsunfälle.

18 bis unter 25-Jährige
Insgesamt wurden gegenüber 2010 mit 2.268 Verunglückten im Vorjahr mit 2.056 Angehörigen dieser Altersgruppe 212 Personen weniger festgestellt, was einem erneuten Rückgang von 9,3 Prozent entspricht. Dennoch starben wiederum 30 junge Leute und weitere 402 wurden schwer verletzt. Über 50 Prozent der Verunglückten in dieser Altersgruppe kamen dabei als Fahrer eines PKW zu Schaden. Damit ist bei dieser Zielgruppe (bei einem Bevölkerungsanteil von 7,8 Prozent) mit einem Anteil von 16,6 Prozent der Getöteten und 18,5 Prozent der Schwerverletzten noch immer das mit Abstand höchste Unfallrisiko im Straßenverkehr festzustellen. Ein besonders tragisches Beispiel ereignete sich am 22. Mai nahe Aschersleben (Salzlandkreis), als ein unter Drogeneinfluss stehender 22jähriger PKW-Fahrer durch seine riskante Fahrweise den landesweit folgenschwersten Verkehrsunfall des Jahres 2011 mit insgesamt vier Getöteten und weiteren sechs zum Teil schwer Verletzten verursachte.
Im längerfristigen Vergleich zeichnet sich allerdings eine positive Entwicklung ab, was mit Sicherheit nicht zuletzt auch auf die vielfältigen präventiven Aktivitäten in dieser Zielgruppe zurückzuführen ist.

über 65-Jährige
Insgesamt verunglückten im Vorjahr 1.419 Personen der Altersgruppe der über 65-Jährigen. Im Vergleich zum Jahr 2010 mit 1.295 Verunglückten entspricht das einem Anstieg um insgesamt 124 Verunglückten (9,6 Prozent). Bezogen auf ihre Verkehrsbeteiligung waren von den Verunglückten im Jahr 2011 insgesamt 493 (34,7 Prozent) mit dem Fahrrad und 359 (25,3 Prozent) als Fahrer eines PKW unterwegs. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass bei zehn der insgesamt 14 Verkehrsunfälle mit getöteten Fahrradfahrern Angehörige dieser Altersgruppe ums Leben kamen. Bei acht dieser Unfälle war ihr Verhalten unfallursächlich (z.B. Abbiegen ohne Beachtung des Straßenverkehrs, plötzlicher Wechsel der Straßenseite bzw. Nichtbeachtung des Ampelzeichens "Rot")
Insgesamt wurden bei Verkehrsunfällen 2011 in dieser Altersgruppe 45 Personen getötet (13 mehr) und 379 schwer verletzt (41 mehr), was bei einem Bevölkerungsanteil von 24,2 Prozent einen Anteil von 24,9 Prozent bei den Getöteten und 17,5 Prozent bei den Schwerverletzten entspricht.

Motorisierte Zweiradfahrer
Die bundes- und europaweit als problematisch erkannte Zielgruppe der motorisierten Zweiradfahrer stellt für Sachsen-Anhalt zwar keinen landesweiten Schwerpunkt dar, gleichwohl gibt es regionale Probleme, wie z.B. den Harz mit seiner für Motorradfahrer attraktiven kurvigen Streckenführung. So wurde insgesamt bei Verkehrsunfällen unter Beteiligung motorisierter Zweiräder im Vorjahr mit 1.042 gegenüber 1.001 im Jahr 2010 landesweit ein Anstieg um 41 Unfällen (4,1 Prozent) verzeichnet. Um regional erkannten kritischen Entwicklungen zu begegnen, ist zum Beispiel auch in diesem Jahr gemeinsam mit den Bundesländern Niedersachsen und Thüringen die Fortführung der länderübergreifenden Verkehrssicherheitsaktion „Sicher durch den Harz“ vorgesehen.

Fahrradfahrer
Hinsichtlich der Zielgruppe „Fahrradfahrer“ ist mit 3.217 polizeilich erfassten Verkehrsunfällen (2011) gegenüber 2.816 Unfällen (2010) ein landesweiter Anstieg um 401 Unfällen (14,2 Prozent) festzustellen. Vor dem Hintergrund einer hier nach wie vor angenommenen sehr hohen Dunkelziffer und der strategischen Fokussierung der Verkehrsüberwachung auf die Verhinderung schwerer Verkehrsunfälle wird die Zielgruppe der Fahrradfahrer altersübergreifend insbesondere in den städtischen Ballungsgebieten weiter einen Schwerpunkt der polizeilichen Verkehrsüberwachung darstellen.

Leserkommentare:

"...kann mich dem Vorredner...-schreiber, nur anschließen! "
Steffen M., Raguhn

"Also ich denke es war ein Fehler den Führerschein mit 17 einzuführen, denn nur weil die Jugendlichen 1 Jahr lang manchmal mit der Begleitperson fahren konnten, haben Sie nicht die nötige Praxis für den Straßenverkehr den diese junge Fahrer denken zu haben und überschätzen sich mit Geschwindigkeiten usw.. Noch kommt hinzu, dass diese Fahrer somit 1Jahr der Probezeit schon weg haben und spätestens ab dem 2. Jahr des Führerscheins bewusst Fahrverstöße begehen "um cool zu sein" und auch somit die Unfallquote steigt."
Sonnenschein


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