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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 25.02.2016 um 07:29:08

Stolpersteine halten die Erinnerung wach

Sabine Falkensteiner, Andreas Gelies, Karin Weinmann und Johanna Bartl (v. l. n. r.) starten den Aufruf zur Putzaktion. Vor der Roßlauer Bibliothek in der Hauptstraße befinden sich ebenfalls vier „Stolpersteine“, die an das Schicksal der ehemaligen Bewohner erinnern. Sabine Falkensteiner, Andreas Gelies, Karin Weinmann und Johanna Bartl (v. l. n. r.) starten den Aufruf zur Putzaktion. Vor der Roßlauer Bibliothek in der Hauptstraße befinden sich ebenfalls vier „Stolpersteine“, die an das Schicksal der ehemaligen Bewohner erinnern.
Foto: Anke Katte
Dessau-Roßlau (ak). In der Ludwig-Lipmann-Bibliothek in Roßlau wurde am 15. Februar der Startschuss für die diesjährige Putzaktion für die inzwischen rund 90 Stolpersteine, die in der Doppelstadt an die Schicksale von während der NS-Zeit verschleppten und ermordeten Bürgern der Stadt erinnern.

Im Vorfeld des Jahrestages der Bombardierung der Stadt Dessau am 7. März, der regelmäßig von rechten Kameradschaften für ihre Propagandazwecke genutzt wird, soll mit der Aktion ein Zeichen gegen Rassismus und politische Willkür gesetzt werden, so die Akteure. Sabine Falkensteiner, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt: „Im vorigen Jahr stieß der Aufruf auf sehr positive Resonanz. Wir haben für alle Steine Putzpaten gefunden. Ne­­ben Anwohnern waren es auch Schulklassen, die zu Lappen und Elsterglanz griffen, um die in Gehwegen eingelassenen Messingtafeln wieder auf Hochglanz zu bringen und eine Blume zu Gedenken an die Opfer abzulegen.“

Für die Aktion können sich Interessierte ab sofort anmelden. Die Anmeldemaske und eine Liste mit sämtlichen „Stolpersteinen“ findet man auf der Internetseite www.dessau-rosslau.de.

Auch vor der Bibliothek in Roßlau geben vier Stolpersteine Zeugnis für die früheren Bewohner: Die jüdische Familie Fried betrieb das einstige Kaufhaus in der Hauptstraße 11, ihren Spuren verlieren sich 1942 im Warschauer Ghetto.

Der Terror des Nazi-Regimes traf nicht nur Juden, Sinti und Roma. Auch vor der eigenen deutschen Bevölkerung ma­­chte das mörderische System nicht halt. Anlass konnte Homosexualität oder eine psychische Erkrankung sein. Auch aus politischen oder religiösen Gründen wurden Dessauerinnen und Dessauer verhaftet und umgebracht.

So erging es unter anderem Friedrich Mentzel aus der Brunnenstraße. Er war Ingenieur in den Junkers-Flugzeugwerken. Aufgrund seiner offenen Kritik am NS-Regime wurde er inhaftiert. Nach seiner Entlassung 1944 zog er nach Süddeutschland, um in einem Zweigwerk zu arbeiten. „Im April 1945 kehrte er zu seiner Familie nach Dessau-Ziebigk zurück.

Am Abend nach seiner Ankunft drangen bewaffnete Männer des Volksturms und des Werwolfs in sein Haus ein, zerrten ihn auf die Straße und wollten ihn erhängen. Da Friedrich Mentzel Widerstand leistete, schlug und trat man ihn zu Tode. Dies geschah am 20. April 1945, in der Nacht vor dem Einmarsch der Amerikaner. Ein Gedenkstein an der Ecke Saalestraße/Schulstraße erinnert an diesen Mord.“

Nachzulesen sind dieses und viele weitere dramatische Schicksale in der Broschüre „Stolpersteine für Dessau-Roßlau“, herausgegeben von der Werkstatt für Gedenkkultur in Dessau-Roßlau. „Wir planen in diesem Jahr noch zwei weitere Publikationen zum Thema“, kündigte Johanna Bartl vom K.I.E.Z. e. V. an. Dabei wird es sich um „Gedenkwege“ entlang der Stolpersteine in Dessau-Nord und in Dessau-Mitte handeln. Bis Ende 2016 werden die Informationen und die neuesten Ergebnisse der umfangreichen Archivarbeit auch digital zugänglich sein.

Wer mehr über die Opfer, die während der Nazi-Herrschaft verschleppt und umgebracht wurden und über die Arbeit des Vereins Gedenkkultur er­­fahren möchte, hat dazu am 12. und 19. März Gelegenheit. Dann starten jeweils zwischen 17 und 22 Uhr an der Johanniskirche Rundgänge entlang der in Dessau-Nord verlegten „Stolpersteine“.

 
 
 




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