Das letzte Dessert - ein Eclair
aktualisiert am 26.01.2012 um 20:13:40Halle (sc). Das allerletzte Dessert war - ein Eclair mit französischer Vanillecreme. Das ist verbürgt. Genauso wie die Tatsache, dass die legendäre "Titanic" vor genau 100 Jahren auf ihrer Jungfernfahrt einen Eisberg rammte und viele Passagiere mit in den Tod riss, als sie unterging. Verbürgt ist auch, dass der Geschäftsmann Henry Sloper, die Millionärsgattin und Frauenrechtlerin Molly Brown, der 2. Offizier des Schiffes, Charles Lightoller und die Stummfilmdiva Dorothy Gibson nicht nur mitgeschippert sind, sondern das Unglück auch überlebt haben. An Bord war damals auch der Steward William Ward - der hat nicht überlebt und dessen Rolle hat nun in dem Stück "Geschmackvoll untergehen! Titanic - das letzte Gericht" die Funktion, für die notwendigen Shakespearischen Verwicklungen ("Liebesreigen") zu sorgen. Die verbürgten Biografien der vier anderen geben in dem Stück von Felix Benesch- reichlich Stoff für eine noble Gesellschaft, die unaufhaltsam ihrem Untergang entgegen geht...
Für das musikalische Schauspiel in der Inszenierung von Matthias Brenner hat Ludger Nowack die Lieder geschrieben - und als Pianist ist er ab 14. April (Premiere) mit an Bord der MS "Händel" II, die Kapitän Rohwolt extra für das Projekt angeschafft hat. Gastronom Torsten Erlen vom "Krug zum grünen Kranze" hat sich spontan für die kulinarische Versorgung bereit erklärt und sorgt mit dem schon erwähnten Eclair, Spargelsalat mit Champagner-Safran-Vinaigrette, frischem Obst und Käse, grünen Seealgen zu Lachs oder Hähnchen und Canapèes L'Admiral als Vorspeise dafür, dass auch wirklich das Feeling des verbürgten letzten Gerichts aufkommt.
Ganze vier Stunden schippern Publikum und Schauspiel-Crew dabei über die Saale - wobei Ufer links und rechts keine Rolle spielen sollen und dürfen. Denn es gilt: "Schauen Sie nach rechts - meilenweit nichts als Wasser. Schauen Sie nach links - meilenweit nichts als Wasser". Das Publikum darf selbstverständlich mitspeisen und mitspielen, wenn es mag. Muss es aber nicht, wie Brenner versicherte. Die schauspielernde und singende Truppe ist dabei natürlich stilecht in Jugendstil gewandet. Wenn sich das Publikum auch der Eleganz in der Kleidung befleißigt, würde das "Titanic"-Gefühl vollendet sein. Nur untergehen, das wird die MS "Händel" II am Ende - wenn das letzte Eclair verspeist ist - wohl kaum. Schließlich gibt es ja entlang des Flusslaufes der Saale keinen Eisberg, denn sie rammen könnte...