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Kerstin Eschke Kerstin Eschke
aktualisiert am 01.03.2016 um 16:35:37

Hallenser und Geflüchtete laufen sonntags zusammen

Initiatoren und Teilnehmer der gemeinsamen Sportangebote: Mario Lesser, Baha Al dean Idris, Ludwig Schlereth, Dr. Penelope Willard und Jens Deutsch (v.l.n.r.). Initiatoren und Teilnehmer der gemeinsamen Sportangebote: Mario Lesser, Baha Al dean Idris, Ludwig Schlereth, Dr. Penelope Willard und Jens Deutsch (v.l.n.r.).
Foto: Kerstin Eschke
Halle (ke). Immer wieder sonntags 15 Uhr finden sich Menschen in den Franckeschen Stiftungen ein, die zusammen durch die Saalestadt joggen möchten. Vier oder zehn, vielleicht sogar zwanzig Kilometer - die Kraft der Läufer entscheidet über die Streckenlänge.
Unter ihnen ist Ludwig Schlereth. Der Notar hat die Laufgruppe „Laufen verbindet“ ins Leben gerufen. „In den Gesprächen mit meinen Mandanten hörte ich immer wieder Ängste und Befürchtungen vor der derzeitigen Flüchtlingssituation heraus“, erinnert sich der ambitionierte Läufer, „und ich merkte, dass die Integration Geflüchteter nur funktionieren kann, wenn auch die Bevölkerung bereit ist, Integration zuzulassen.“ So fragte er sich, wie man Ängste und Verunsicherung nehmen und wie man sich kennenlernen kann, trotz sprachlicher Hürden, trotz kultureller Unterschiede. Für einen leidenschaftlichen Läufer wie ihn ist es der Sport. Mit der Idee im Kopf eine internationale Laufgruppe zu gründen, ging er zum Flüchtlingstreffpunkt in die „Goldene Rose“. Ängstlich - wie er zugibt - vor dem Unbekannten und doch wollte er die jungen Syrer für seine Idee begeistern.
An einem Sonntagmorgen im Herbst des vorigen Jahres startete Schlereth das erste Mal mit gerade einmal fünf Läufern damals noch an der „Goldenen Rose“. Auch die darauffolgenden Male wurden es nicht mehr. Doch statt zu resignieren, suchte er nach den Ursachen der geringen Teilnahme.  Da Sonntagvormittag viele Geflüchtete zum Gottesdienst gehen, verlegte er die Startzeit auf den Nachmittag. Von da an stieg die Teilnehmerzahl. Mittlerweile startet die 20- bis 30-köpfige Laufgruppe, die sich aus Syrern, Afganen, Eritreern und Deutschen zusammensetzt, 15 Uhr, in den Franckeschen Stiftungen. Es geht in mäßiger Geschwindigkeit durch die Stadt, über die Peißnitz und wieder zurück. Schließlich soll noch  ausreichend Luft zum Reden bleiben. Die Laufgruppe zieht die Blicke auf sich. Manche Gesichter sind versteinert, manche Kommentare voll Ärger.
Die, die nach zehn Kilometern noch nicht genug haben und dazu zählt Bahan Al dean Idris, laufen weiter über die Rabeninsel und haben nach ihrer Ankunft 20 Kilometer in den Beinen. Der 29-jährige Syrer kam vor vier Monaten in Halle an. Ein wenig Deutsch hat er schon gelernt, um sich mit den Läufern aus Halle zu unterhalten. „Durch die Gespräche lernen wir uns kennen. Familie, Kultur, Werte und Regeln“, so Schlereth, „wir vermitteln Regeln wie Pünktlichkeit, niemand soll in der Kälte auf den anderen warten müssen. Und sie lernen unsere Werte wie Gleichberechtigung kennen. Bei uns ist es selbstverständlich, dass Frauen und Männer zusammen laufen.“  
Nach dem Lauf, können sich die Freizeitsportler  in den Räumlichkeiten der Stiftungen duschen und anschließend in der Tranquebar zusammen etwas trinken.  „Während der Gespräche lernten wir einen syrischen Schwimmlehrer kennen. Wir stellten ihn den Rettungsschwimmern der DLRG vor. Jetzt bringt er syrischen Kindern das Schwimmen bei“, erzählt Ludwig Schlereth, der schon seit vielen Jahren den Lions Benefizlauf organisiert.
Irgendwann sollte es keine Rolle mehr spielen ob Hallenser oder Syrer, Frauen oder Männer laufen. Irgendwann sind alle nur noch „Läufer und Läuferinnen“. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der nicht in Kilometern gemessen werden kann.

„Laufen verbindet“,
sonntags 15 Uhr

weitere Sport und Ballspielangebote in den Turnhallen der Franckeschen Stiftungen
sonntags 14 bis 16 Uhr

Treffpunkt Tranquebar (Franckesche Stiftungen)

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