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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 08.03.2016 um 13:36:52

Handwerker-Serie: Meister schmiedet das Eisen

Meister seines Faches: Schmiedemeister Ernst Brettschneider aus Gnetsch in seiner alten Wirkungsstätte. Meister seines Faches: Schmiedemeister Ernst Brettschneider aus Gnetsch in seiner alten Wirkungsstätte.
Foto: Sebastian Köhler Galerie (1 Bild)
Der Wochenspiegel begibt sich auf handwerkliche Pfade zu den Altmeistern. In diesem Teil dreht sich alles um einen Schmiedemeister.

Gnetsch (TW).
Er braucht nicht nur Kraft in den Armen, sondern er muss diese auch bändigen können. Immerhin schlägt ein Schmiedemeister nicht einfach nur auf heißes Eisen ein, sondern formt daraus mit sehr viel Geschick mitunter wahre Kunstwerke. Ernst Brettscheider weiß, worauf es in diesem Handwerk ankommt. Von der Pike auf hat er es gelernt. Seine Meisterprüfung legte er am 25. April 1953 ab. Inzwischen wurde er mit dem Diamantenen Meisterbrief geehrt, den es für stolze 60 Jahre gibt.

Am 8. März 2016 begeht Ernst Brettschneider seinen 87. Geburtstag. Körperliche Zipperlein plagen ihn und infolge eines Unfalls kann er schlecht hören. Aber alles in allem ist er geistig auf der Höhe und sogar seinen alten Schmiedehammer kann er noch schlagkräftig in die Hand nehmen.

Die Schmiede, in der Ernst Brettschneider sein Berufsleben verbrachte, steht gleich neben seinem Häuschen. Er muss nur wenige Türen öffnen und schon steht er mitten in seiner Welt. An der Wand hängen noch viele Zangen, der Amboss steht neben Werkbank und Arbeitstisch und der Hammer ist zum Greifen nah.

Das Schmiedefeuer ist aber längst erloschen. Ein Raum, der voller Nostalgie und Erinnerungen steckt.

Eine museale Magie durchflutet die alte Werkstätte. Sicher auch deshalb, weil der Beruf des Schmiedes so nicht mehr existiert, wie er nur noch in Gedanken und klischeehaften Vorstellungen weiterlebt. Heute nennt es sich Metallbauer und Schmiedearbeiten sind - wenn überhaupt - nur ein Bruchteil davon.

Was viele Betrachter jetzt als Museum bewerten würden, war tatsächlich über Jahrzehnte der Arbeitsplatz von Ernst Brettscheider. Hier hat er geschwitzt und sich viele Schwielen an den Händen geholt.

Die Zeit nach dem Krieg und die Anfänge der DDR prägten den Handwerksmeister besonders. Im Hufbeschlag von Pferden und im Wagenbau verdingten sich die Brettschneiders damals ihr Ein- und Auskommen. Der kleine Ernst half seinem Vater, bei dem er auch sein Handwerk drei Jahre lang lernte.

Weil durch die Wirren des Krieges etliche Pferde verletzt und behindert gewesen sind, arbeitete der Schmied eng mit dem Tierarzt zusammen. Schließlich mussten die wenigen Tiere, die überlebten, für das alltägliche Leben (vor allem auf dem Feld und in der Landwirtschaft) wieder einigermaßen einsatzfähig sein. Nicht selten litten die Pferde an Hufkrebs, was ihre Leistungskraft stark beeinträchtigte. Es mussten spezielle Hufeisen angefertigt werden.

Später, als die Aufträge mit den Pferden zurückgingen, haben sich die Brettschneiders umgestellt auf Hängerbau.

Nach und nach entwickelte sich die PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) Metall, in der auch die Gnetscher Schmiede eingetreten sind.

Als sich die Landwirtschaft umstellte, hatten die Brettscheiders viel mit Anhängern zu tun, was Reparaturen und den Neubau betraf. Der Kundenkreis war weit gestreut und reichte sogar bis hinter Dresden.

Heiser geworden ist Ernst Brettschneider bei seiner Arbeit übrigens nie. Wie er verrät, sei es ein Trugschluss zu glauben, dass in einer Schmiede viel geschrien wird. Vielmehr gibt der Hammer den Takt an: Einer schlägt vor und der andere weiß dann, wohin sein Hammer treffen muss. Auch sei ihm nie ein Hammer auf den Fuß gefallen.

Ob der Beruf des Schmiedes heute noch den berühmten goldenen Boden hat, darüber denkt Ernst Brettschneider lange nach. Auf jeden Fall hat sich der Beruf gewandelt, ebenso die Anforderungen daran. Im Bereich der Kunstschmiede mag heute durchaus noch das alte handwerkliche Geschick gefragt sein, ansonsten ist es mehr Metallbau, Schweißen und Konstruktion.

Wehmütig blickt der Diamantene Handwerksmeister jedoch nicht zurück. Gern spricht er über die alten Zeiten und freut sich über den gemeinsamen Lebensabend mit seiner Ruth. Mit ihr feierte er im Übrigen am 23. Dezember vorigen Jahres die Eiserne Hochzeit, was 65 Ehejahre bedeutet.

 
 
 




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