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Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 02.03.2016 um 07:07:50

100 Prozent Frau - Miriam Thielsch aus Salsitz steht voll im Leben

Miriam Thielsch fühlt sich rundum wohl. Miriam Thielsch fühlt sich rundum wohl.
Foto: M. Herrmann Galerie (1 Bild)
Die Frau mit den drei Geburtstagen wünscht sich mehr Akzeptanz in der Welt.

Salsitz (mh).
„Jetzt bin ich endlich ich”, sagt Miriam Thielsch, lehnt sich zurück und schlägt die Beine übereinander. Die sympathische Frau mit den blauen Augen ist Inhaberin von Haustechnik Thielsch. Vor zwölf Jahren hat sie das Unternehmen in Mannsdorf gegründet, seit mehreren Jahren befindet es sich in Salsitz. Die Firma ist gewachsen und hat sich um einen großen Bad-, Fliesen- und Natursteincenter erweitert. Acht Mitarbeiter ziehen an einem Strang.

Kundengespräche, Disposition und Baustellenbesuche gehören für Miriam Thielsch zum täglichen Geschäft. „Ich bin glücklich. Die Arbeit macht mir Spaß“, fasst sie zusammen. Auch wenn die Muskelkraft der 38-Jährigen nachgelassen hat, packt sie immer noch gern zu. „Das muss ich aber gar nicht mehr so oft”, lacht sie. „Die Fahrer, die die Bestellungen bringen, helfen mir natürlich gern mit den schweren Lasten.“ Vor drei Jahren sah das noch anders aus. Damals war es Herr Thielsch, der die Lieferungen entgegen nahm. Die Fachkompetenz und die Vorliebe für schrille Brillen hat Miriam Thielsch nie verloren sondern als Frau noch erweitert. Anzug und Krawatte hingegen landeten in der Altkleidersammlung. Bereits während ihrer Kindheit wusste die Geschäftsfrau, dass sie andere Interessen hatte als ihre männlichen Spielkameraden. „Mit den Jungs wollte ich nicht raufen und bei den Mädchen fühlte ich mich nicht dazugehörend“, erinnert sich Miriam Thielsch. Ständig versuchte sie, in das Raster zu passen. Große Freude herrschte bei den Eltern als ihr Kind heiratete und aus der Ehe zwei Kinder entstanden. „Welche Frau wünscht sich keine Kinder?“, begründet Miriam Thielsch ihre Entscheidung und schaut voller Zuneigung auf das Foto ihrer acht- und neun Jahre alten Kinder. Dennoch konnte der liebende Familienvater so nicht weiter leben. Für Miriam Thielsch stand fest, dass sich etwas ändern musste. Der erste Schritt: das Outing. Für ihre Mitarbeiter war die bevorstehende Veränderung in den Papieren kein Problem. Von ihrer Familie bekam Miriam Thielsch keine Unterstützung. Der Kontakt brach ab.

„Ich bin glücklich!”
Das Schönste wurde Miriam Thielsch 2013 zuteil als sie ihre jetzige Lebensgefährtin kennenlernte. Für sie stellte es eine neue Lebensqualität dar. Fünf Operationen später lacht Miriam Thielsch aus ihren immer noch blauen Augen und könnte nicht glücklicher sein: „Viele können sich das Leid, im falschen Körper geboren zu sein, nicht vorstellen. Für mich ist die Umwandlung so befreiend, dass ich den 26. August 2013 zu meinem zweiten Geburtstag ernannt habe. Den ersten Blick in den Spiegel werde ich nie vergessen.” Sie ließ ihre Haare wachsen und färbte sich pinkfarbene Strähnchen. „Wenn ich noch einmal Einfluss auf meine Berufswahl hätte, würde ich eine Lehre als Friseurin anfangen“, gibt Miriam Thielsch zu. Doch das wird ein Traum bleiben. „Ich habe Verantwortung meinen Angestellten und meinen Kunden gegenüber.“ Außerdem soll der Betrieb wachsen um die Kaufqualität in unserer Region zu stärken, von Umsatz in Gera und Leipzig haben wir vor Ort nichts.

Doch einen großen Wunsch hegt sie: „Ich habe das Leben in Amsterdam kennen gelernt. Eine farbenreiche Kultur lebt dort friedlich beisammen, alle Menschen akzeptieren sich. Ich wünsche mir, dass auch die Deutschen dahin kommen. Egal ob groß oder klein, weiß oder schwarz, hetero- oder transsexuell - es sollte nur der Mensch zählen. Es gibt so viele bunte Geschichten auf der Welt.” Am Anfang herrschte zwar ein regelrechter Hype um die blonde Frau. Aber jetzt ist die Anfangseuphorie verflogen und alles ist wieder normal. Manche eher männlichen Verhaltensweisen kann sie auch heute noch nicht ablegen. So geht Miriam Thielsch gern grazil voraus und hält den Herrschaften die Tür auf. Dabei kann sie ein Schmunzeln nicht verbergen.

Die Geschäftsfrau liebt ihr Leben, ihr Unternehmen und ihre Heimat. Aus ihrer Sicht hat die Stadt Zeitz ein großes Potential. „Wir haben eine gute Infrastruktur, Interessantes in der kulturellen Richtung und Menschen, die etwas erreichen möchten. Wir müssen nur zusammenhalten. Dann können wir die Elsterstadt und ihr Umland stark machen.”

Voller Vorfreude schaut Miriam Thielsch einem weiteren OP-Termin entgegen. Sie nennt diesen Tag bereits jetzt ihren dritten Geburtstag. Es steht eine Stimm-OP in Südkorea an. Mit dieser Operation erhofft sie sich auch am Telefon unmissverständlich als Frau Thielsch angesprochen zu werden. Voller Zuversicht schaut sie sich Ergebnisse bei einem Internetkanal an. „Die Frauen wirken nach erfolgreicher OP viel weiblicher. Ihre Ausstrahlung hat sich ins Positive gewandelt.“ Das einzige Manko: vier Wochen Schweigepflicht.

Wir wünschen ihr alles Gute für ihren weiteren Weg und stoßen mit einem Gläschen Sekt an.

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