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Wochenspiegel > Zeitz > Super Sonntag fragt nach: Brauchen wir alte Bibos? >
Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 22.03.2019 um 12:48:09

Super Sonntag fragt nach: Brauchen wir alte Bibos?

Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bestände der Zeitzer Stiftsbibliothek gehören zu den ältesten und bedeutendsten Büchersammlungen in Sachsen-Anhalt. Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bestände der Zeitzer Stiftsbibliothek gehören zu den ältesten und bedeutendsten Büchersammlungen in Sachsen-Anhalt.
Foto: Archiv Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Internetsurfen geht schnell, dennoch sind laut unseren Experten alte Bibliotheken unverzichtbar.
BLK (red).
Dr. phil. Michael Knoche ist ehemaliger Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar und hat sich mit der Frage „Wozu brauchen wir alte Bibliotheken?“ auseinandergesetzt: „Ihre frühere Monopolstellung als Quelle des Wissens haben Bibliotheken verloren. Aber sie bleiben unverzichtbar in ihrer Funktion als neutrale, verlässliche und kostenfrei zugängliche Orte, an denen man sich über den Stand des Wissens umfassend unterrichten kann. Alte Bibliotheken stehen darüber hinaus vor der Herausforderung, die kulturgeschichtlich wertvollen Objekte in ihrem Bestand für nachfolgende Generationen zu sichern. Die Bibliotheksbestände werden in ihrer Materialität auch als Forschungsgegenstände weiter gebraucht.“

Kristin Otto, Museumsleiterin der Stadt Zeitz und Vorsitzende des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt, haben wir auch mit der Frage „Wozu brauchen wir alte Bibliotheken?“ konfroniert:

„Wir brauchen alte Bibliotheken, weil Bücher ein bedeutender Wissensschatz und ein kostbares Kulturgut sind, das es für kommende Generationen zu erhalten gilt. Bücher bewahren das Wissen und die Vorstellungen einer Epoche, sind Zeugnisse handwerklicher oder industrieller Buchfertigung und immer Ergebnis künstlerischen Gestaltungswillens. Bücher bereichern unser Leben auf vielfältige Weise - in Bibliotheken werden sie sachkundig gepflegt und bewahrt.“

Wir haben Dr. phil. Michael Knoche und Kristin Otto Fragen gestellt.

Super Sonntag: Sind mit dem Aufstieg des Internets Bibliotheken überflüssig geworden? Wie ist Ihre Meinung?
Dr. phil. Michael Knoche: Internet und Bibliothek sind kein Gegensatz. Wenn man schnell Auskunft über bestimmte Fakten braucht, ist das Internet das geeignete Medium. Aber vieles gibt es gar nicht digital.
Kristin Otto: Nein, ich denke Bibliotheken sind nicht überflüssig geworden und werden es auch in absehbarer Zeit nicht.

Super Sonntag: Warum bleiben Bibliotheken in Ihren Augen unverzichtbar?
Dr. phil. Michael Knoche: Bibliotheken haben dafür zu sorgen, dass das Wissen umfassend, neutral, verlässlich und weitgehend kostenfrei zugänglich bleibt, auch langfristig.
Kristin Otto: Sie sind ein Gedächtnis unserer Gesellschaft: so, wie Museen die Kulturgüter einer Gesellschaft bewahren, konservieren Bibliotheken das Wissen, den Glauben, die Vorstellungen und Utopien einer jeweiligen Kultur.

Super Sonntag: Papier oder Daten in einer Cloud – was wird die Zeiten Ihrer Meinung nach überdauern?
Dr. phil. Michael Knoche: Die gedruckten Medien garantieren die langfristige Überlieferung vorläufig noch besser als die digitalen. Papier lässt sich im Zweifel kostengünstiger und einfacher restaurieren, als bits and bytes haltbar zu machen. Aber Bibliotheken kümmern sich um die Haltbarkeit beider Medienformen: der analogen wie der digitalen Publikationen.
Kristin Otto: Dass Papyrus, Papier und Pergament viele Jahrhunderte überdauern können, haben sie bereits unter Beweis gestellt - für digitale Daten steht dieser Nachweis noch aus.

Super Sonntag: Was macht Sie beim Aufschlagen eines Buches glücklich?
Dr. phil. Michael Knoche: Es kommt auf das Buch an. Manchmal ärgere ich mich auch furchtbar, wenn ich etwas lesen soll, was voller Hass und Häme geschrieben und gedruckt wurde. Aber wenn ich etwa die Weimarer Luther-Bibel aufschlage, die nun über bald 500 Jahre alle Kriegs-, Revolutions-, Umbruchzeiten und Unglücksfälle unversehrt überstanden hat und deren Bilder frisch wie am ersten Tag wirken, dann überkommt mich doch ein Gefühl des Respekts vor der Großtat unserer Vorfahren. Und ich denke: Wir stehen in der Verantwortung, einen solchen Schatz auch für die kommenden Generationen zu bewahren.
Kristin Otto: Ich liebe den Geruch von Büchern, alten wie druckfrischen; ich spüre gern ihr Gewicht in meinen Händen, das Leder oder Leinen des Einbandes und die Qualität des Papieres. Fotos, Illustrationen und selbst der Satz der Buchstaben und Absätze gehören für mich zum Leseerlebnis dazu. Bücher sind so viel mehr als ihr reiner Informationsgehalt.









 

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