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Wochenspiegel > Zeitz > Das Leben des Hans Grünewald >
Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 25.07.2019 um 11:50:13

Das Leben des Hans Grünewald

Hans Grünewald im Jahr 1929. Hans Grünewald im Jahr 1929. Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Im Jahr 2013 wurde die PHILA-Bibliothek in Zeitz nach ihm benannt. Doch wer war Hans Grünewald? Autor Jens Aaron Guttstein aus Kayna hat recherchiert.

Hans Grünewald wurde am 4. November 1908 in Stettin als Sohn von Albert und Marie Elisabeth Grünewald, geborene  Otto, geboren. Seine Eltern führten unter den Nazis eine sogenannte „privilegierte Mischehe“. Der Sohn Hans wurde getauft und evangelisch konfirmiert.

Von 1915 bis 1923 besucht Hans das Friedrich Wilhelm-Realgymnasium Stettin und von 1923 bis 1925 die Städtische Handelslehranstalt Stettin, wo er den Abschluss mit dem Reifezeugnis erlangt. Von 1925 bis 1927 erlernt er den Beruf eines Einzelhandelskaufmanns im Geschäft von Ferdinand Bornstein in Stettin. Um drei Monate kann er seinen Berufsabschluss wegen der Erkrankung seines Vaters vorziehen, in dessen Herrenkleidergeschäft er eintreten musste. Aufgrund der Wirtschaftskrise scheidet er Ende des Jahres 1930 aus finanziellen Gründen aus dem elterlichen Unternehmen aus. In der Zeit von 1931 bis 1932 war Hans Grünewald arbeitslos. 1933 wagt er den Schritt in die Selbstständigkeit als Handelsvertreter der grafischen und papierverarbeitenden Industrie. 1938 gibt der Vater das wegen Invalidität als Folge einer schweren Diabeteserkrankung mit Erblindung und Beinamputation auf. Im Februar 1940 wird Hans zur Musterung gerufen und für den Wehrdienst eingezogen. Bereits im Mai 1940 erfolgt seine Entlassung gemäß der „Verfügung zur Behandlung jüdischer Mischlinge in der Wehrmacht“. Zwangsweise gibt er seine Selbstständigkeit auf und nimmt eine Angestelltentätigkeit in der Stettiner Hafenverwaltung bis Januar 1944 auf. Wegen der Nürnberger Rassengesetze der Nationalsozialisten blieb Hans Grünewald eine dauerhafte Verbindung mit seiner Stettiner Jugendliebe versagt.

Im Januar 1942 wird der Vater Albert Grünewald auf dem jüdischen Friedhof in Stettin beigesetzt. Er hatte mehrere Geschwister. Einem kleinen Teil der Familie gelang die Auswanderung nach Palästina und in die USA. Alle übrigen Verwandten wurden zum Teil mit Umweg über Litzmannstadt- nach Theresienstadt gebracht, wo sich ihre Spur verliert. Anfangs konnten noch Kurznachrichten über das DRK ins Ausland gesandt werden.

Im Januar 1944 wird die Familie in ihrer Stettiner Wohnung ausgebombt. Vom Februar 1944 bis zum März 1945 ist Hans Grünewald Leiter einer Abteilung im Zweigwerk Jeseritz der Gerätewerk Pommern GmbH. Im April 1944 wird er durch seine Stellung im Betrieb „UK“ - unabkömmlich - geschrieben. Im März 1945 erfolgt seine Entlassung aus dem Betrieb als Folge der Kriegsentwicklung und der Übersiedlung nach Zeitz auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter. Im Mai 1948 wird die Ehe mit der Witwe Hedwig Keil, 1920 als List in Schönberg geboren, geschlossen. Im Mai 1949 verstirbt die Mutter von Hans. Im März 1950 erblickt die Tochter Heidrun in Zeitz das Licht der Welt.

Beruflich ist Hans in Zeitz zunächst weiter als Handelsvertreter mit einem geringfügigen Einkommen tätig. Ab 1961 bis 1977 folgt eine Teilzeitstelle als Archivar im VEB Kraftverkehr Zeitz. Im Januar stirbt seine Ehefrau nach einer langen schweren Krankheit.

In seiner Freizeit engagierte sich Hans Grünewald ehrenamtlich in der organisierten Philatelie, die er in Zeitz mitgeprägt hat und zu internationaler Bekanntheit führte. Er war der Initiator der ersten Zusammenkunft der Zeitzer Briefmarkenfreunde nach Kriegsende im Oktober 1947. Außerdem war er Vorsitzender und Ehrenvorsitzender des The Jewish Cemetery in Stettin. (jetzt „Verein für Briefmarkenkunde Zeitz von 1880 e.V.“) und leistete Forschungsarbeit zur Zeitzer und Stettiner Postgeschichte. Er hat zahlreiche Arbeiten publiziert und war national wie international erfolgreich auf Ausstellungen vertreten.

Hans Grünewald verstarb am 12. September 1991 nach langer Krankheit in Zeitz. Sein Grabmal befand sich auf dem Michaelisfriedhof in Zeitz. Es existiert nicht mehr. Die „Mitteldeutsche PHILA-Bibliothek Zeitz“ trägt seit September 2013 seinen Namen.

Wir danken Jens Aaron Guttstein für seine Recherchen. Die Fotos stammen aus dem Besitz von Heidrun Gründewald.

 

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