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Wochenspiegel > Zeitz > Kolumne > Neues von Halles Lästerschwestern: Namenlos ... durch die Nacht ... >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 17.10.2014 um 19:56:57

Neues von Halles Lästerschwestern: Namenlos ... durch die Nacht ...

Susi & Susi Susi & Susi
Foto: Hallesches Fotoatelier
Versehentlich in einem Buchladen eingesperrt zu werden, wie jüngst in London einem amerkanischem Touristen geschehen - was hätten wir zu DDR-Zeiten darum gegeben, das uns das mal passiert! Fix erforscht, wo die Bückware lagerte und dann wäre es umgehend ans Schmökern gegangen. Bis die Putzfrau am Morgen (Wann wurde eigentlich in DDR-Buchhandlungen geputzt? Vor, nach oder während der Öffnungszeiten?) die Lesenacht beendet hätte, hätte es gegolten, jede Menge sonst schwer erreichbaren Lesestoffes wenigstens zu überfliegen. Und heute? Geht eine solche Nachricht vor allem deshalb per Twitter um die Welt, weil es zwei Stunden gedauert hat, ehe der Eingeschlossene von der Polizei aus seinem Lesegefängnis befreit wurde. Will man heutzutage jemandem zum Lesen zwingen, braucht man ihm nicht mal mehr ein Smartphone in die Hand zu drücken. Nennt ja eh jeder mindestens eines dieser Wischdinger sein eigen. Lesemuffel kommunizieren per Emoticons. Oder per Selfi. Oder posten die Rouladen, die sie gestern zu Mittag hatten. Da kann man prima den vegetarischen Auflauf zurück posten. Um dem Rindfleisch-Fan unter die Nase zu reiben, wie von gestern er ist, wenn er immer noch Fleisch konsumiert. Das pausenlose Bildchen-hin-und-her-Geschicke erinnert daran, wie wir einst Lesen gelernt haben. Mit einer Fibel mit schönen bunte Bildchen von Dingen des Alltags drin. Man müsste wirklich mal austesten, ob die Pic-Klick-Freaks überhaupt noch wissen, wie die Dinge heißen, die sie immerzu ablichten und versenden. Dass sie deren Namen auch noch korrekt zu schreiben vermögen, traut sich eh keiner mehr zu verlangen. Könnte ja ein nicht mehr zu heilendes Schultrauma auslösen. Wozu überhaupt noch schreiben? Wenn es doch Sprachsteuerung gibt. Lesen erübrigt sich damit natürlich auch von selbst. Welch ein Glück, dass wir von alledem damals noch nichts wussten - nachts beim heimlichen Lesen unter der Bettdecke mit der langsam verglimmenden Taschenlampe. Susi & Susi

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