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Wochenspiegel > Zeitz > Kolumne > Neues von Halles Lästerschwestern: Alarmierende Flaschenpost >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 23.03.2019 um 20:43:26

Neues von Halles Lästerschwestern: Alarmierende Flaschenpost

Susi & Susi Susi & Susi
Foto: Hallesches Fotoatelier
„Du Flasche!" hat man in unserer Kindheit allenthalben gesagt, wenn eine sonstige Großklappe nicht die Kletterstange hoch kam oder mal wieder eine andere Großtat angekündigt hatte, die dann aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen auszubleiben pflegte. Was sich Kinder in Kita und Schule in solchen Situationen heutzutage so alles an den Kopf werfen, wollen wir hier lieber nicht referieren. Wir möchten bloß davor warnen, den Begriff „Flasche" mit allzu vielen negativen Be-deutungen aufzuladen. Denn Flaschen sind gerade absolute Mangelware und daher im Wert unheimlich gestiegen. Also Weinflaschen, um genau zu sein. Jawoll, auch in bundesdeutschen Landen haben die Winzer im vergangenen Herbst derart viel Rebensaft in ihre Fässer schütten können, dass jetzt beim Umfüllen weder Flaschenproduzenten noch -Händler auch nur ansatzweise mit Produktion und Auslieferung hinterherkommen. Das soll in ganz Europa so sein, ist den Experten des Deutschen Weininstitutes zu Ohren gekommen. Wer damit etwas anfangen kann: Ein-Liter-Schlegelflaschen in Massongrün sind derzeit in etwa so schwer zu kriegen wie die Kronjuwelen der Windsors. Und auch bei Weißglas für Rosé- oder Perlweine sieht es ordentlich mau aus. Ein Grund dafür ist eigentlich auch ein erfreulicher. Denn die Glashütten kommen mit dem Flaschenproduzieren auch deshalb kaum hinterher, weil viele Getränkekonzerne momentan gerade eine ökologische Rolle rückwärts weg von PET-Kunststoff- wieder hin zu Glasflaschen vollziehen. Da kommt was auf die Kräftigen unter uns zu. Die Muckibuden-Stunden werden also wieder vermehrt deshalb nötig, um die schwereren Glasflaschen und Getränkekisten vom Auto in den Keller oder in den Wohnungsflur wuchten zu können. Obwohl Leichtglas ja längst erfunden ist. So schlecht ist es nicht, dass jetzt der Rebensaft länger im Fass reifen muss, ehe er in die wertvolle Flasche darf. Flasht er uns halt ein wenig später beim genussvollen Trinken. Dann aber richtig. Susi & Susi

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