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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 27.12.2014 um 12:24:07

Schlaganfall: Das Risiko lässt sich senken

Experten antworten am Telefon auf zahlreiche Leserfragen.

Unvorhersehbar und mit voller Wucht reißt ein Schlaganfall jährlich 270.000 Menschen aus ihrem gewohnten Leben – allein in Deutschland.

Anhalt (red). Was nach unvermeidbarem Schicksalsschlag klingt, hat meist eine lange Vorgeschichte und ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen, die sich beeinflussen lassen. Wie wirken sich Ernährung, Bewegung und Lebensstil, aber auch Vorerkrankungen wie das Vorhofflimmern auf das Schlaganfallrisiko aus? Und wie lässt sich dieses Risiko senken? Dazu gaben die Experten am Lesertelefon individuellen Rat. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten in der Zusammenfassung.


Sind ältere Menschen häufiger von einem Schlaganfall betroffen als jüngere?

Dr. Christiane Jennen (Fachärztin für Allgemeinmedizin, Chirotherapie, Leiterin Schulungszentrum für Gerinnungs-Selbstmanagement, Bornheim / Rheinland): Die Zahl der Schlaganfälle steigt mit zunehmendem Lebensalter und erreicht ihre statistische Spitze zwischen 80 und 89 Jahren. Es gibt allerdings auch in jüngeren Jahren Schlaganfälle, zum Beispiel durch Gefäßveränderungen im Gehirn oder Gefäßverletzungen.


Ist das Schlaganfallrisiko auch erblich bedingt?

Dr. Christiane Jennen: Nur zum Teil. Die beiden häufigsten Ursachen für Schlaganfälle sind die Arteriosklerose, also die Gefäßverkalkung, und die Verschleppung von Blutgerinnseln aus dem Herzen, zumeist verursacht durch Vorhofflimmern. Die Arteriosklerose unterliegt verschiedenen Risikofaktoren, wie einem Diabetes mellitus oder einem Bluthochdruck, die erblich mitbedingt sein können.


Kann ich mein persönliches Schlaganfallrisiko testen?

Dr. Eberhard Jennen (Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Sektionsleiter Kardiologie, Oberarzt im Dreifaltigkeits-Krankenhaus Wesseling): Als einfachen Test kann man den so genannten PROCAM- Risiko-Score zu Rate ziehen, den Sie auch im Internet finden. Über das Alter, die Größe, das Gewicht, Krankheitsfragen zu Diabetes, Bluthochdruck und der Frage nach Zigarettenkonsum lässt sich das Risiko eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls als Prozentwert ermitteln. Für Patienten mit Vorhofflimmern kann man über zusätzliche Krankheiten das aktuelle Risiko mit dem so genannten CHA2DS2-VaSC-Score bestimmen.


Welche Laborwerte deuten noch auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hin?

Dr. Eberhard Jennen:
Gängige Laborwerte wie der Blutzucker, der HbA1c-Wert als Langzeitblutzucker-Wert, der Cholesterinwert und seine Untergruppen, das Homocystein, die Harnsäure und das Lipoprotein a weisen auf das Risiko arteriosklerotischer Krankheiten wie den Schlaganfall hin. Ein kürzlich neu entdeckter Laborwert ist das Fetuin A. Dieses von der Leber gebildete Eiweißmolekül scheint ebenfalls das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall anzuzeigen.


Worauf muss ich im Alter besonders achten, um mein Risiko zu senken?

Dr. Eberhard Jennen: Auch und gerade im Alter hilft ein gesunder Lebensstil, das individuelle Risiko gering zu halten. Körperliche Bewegung ist in jeder Altersgruppe möglich, immer in den Maßen, wie es für den Einzelnen möglich ist. Sie nutzt dem Herzen, der Lunge und dem Immunsystem. Zudem weisen unsere Daten auf einen prophylaktischen Effekt von Sport gegenüber der Entwicklung einer Demenz hin. Einer der Hauptrisikofaktoren ist ein erhöhter Blutdruck. Lassen Sie Ihren Blutdruck auch dann regelmäßig kontrollieren, wenn bei Ihnen kein Bluthochdruck bekannt ist. Liegt ein Bluthochdruck vor, sollte die Therapie auf einen Wert von höchstens 139/89mmHg bei Ruhemessungen abzielen. Und vor allem: Geben Sie jetzt das Rauchen auf, wenn Sie es bisher noch nicht getan haben.


Gibt es Warnsignale für einen Schlaganfall?

Dr. Eberhard Jennen: Nicht immer, doch bei 40 Prozent der Schlaganfälle kommt es zuvor zu einer so genannten TIA. Diese vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns gilt als erster, „kleiner“ Schlaganfall. Bemerkbar macht sie sich zum Beispiel als vorübergehende Sprechstörung: Der Betroffene findet die Worte nicht oder redet unverständliche Sätze. Sie tritt aber auch in Form einer einseitigen, kurzzeitigen Erblindung auf oder als plötzlicher Kraftverlust auf einer Seite. Die Lähmungszeichen bilden sich in diesem Fall schnell wieder zurück.


Manchmal „stolpert“ mein Herz und schlägt ohne Anstrengung sehr schnell – kann das Vorhofflimmern sein?

Dr. Eberhard Jennen: Beides können Symptome von Vorhofflimmern sein, übrigens die häufigste Herzrhythmusstörung überhaupt. Allerdings können Herzstolpern und Herzrasen auch auf andere Herzrhythmusstörungen hinweisen. Beim Vorhofflimmern wirkt der Herzrhythmus meist völlig chaotisch, ohne erkennbare Regelmäßigkeit oder einen Grundrhythmus. Lassen Sie unbedingt von einem Kardiologen klären, ob es sich bei Ihnen um ein Vorhofflimmern handelt.


Wie wird Vorhofflimmern behandelt?

Dr. Eberhard Jennen: Neben anderen Maßnahmen werden sehr häufig Gerinnungshemmer, oft in Form von sogenannten Vitamin-K-Antagonisten, verschrieben. Diese Tabletten müssen dann ein Leben lang eingenommen werden. Sie bewirken, dass das Blut langsamer gerinnt und so das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln sinkt. Doch der Blutgerinnungswert, der so genannte INR-Wert – früher Quick-Wert genannt – kann schwanken. Deshalb überprüft ihn der Arzt regelmäßig und passt bei Bedarf die Tabletten-Dosis an. Als Alternative kann der Patient diese Kontrolle mithilfe eines mobilen Messgerätes zu Hause oder unterwegs selbst übernehmen und dann bei Bedarf die Dosierung des Gerinnungshemmers eigenständig anpassen. Man spricht dann vom Gerinnungs-Selbstmanagement.


Ich nehme Vitamin-K-Antagonisten ein und lasse meinen Gerinnungswert bisher bei meinem Arzt kontrollieren. Was muss ich machen, um meinen Wert selbst kontrollieren zu können?

Dr. Christiane Jennen: Über die Möglichkeit der Selbstkontrolle sollten Sie als erstes mit Ihrem Arzt sprechen. Er informiert Sie über alle medizinischen Fragen und kann Sie dann an eine in Ihrer Nähe gelegene Schulungseinrichtung verweisen. Dort lernen Sie oder Ihre Angehörigen alles zum Thema Blutgerinnung und das Gerinnungs-Selbstmanagement. Außerdem sollten Sie mit Ihrer Krankenkasse über die Möglichkeiten der Kostenübernahme des Gerätes, der Teststreifen und der Schulung sprechen.


Welche Vorteile hat es, die Gerinnungswerte selbst zu messen?

Dr. Christiane Jennen: Zunächst werden Sie als Patient unabhängiger, weil Sie weniger oft zum Arzt müssen und den Gerinnungswert unabhängig von Zeit und Ort bestimmen können. Vor allem aber erlangen Sie eine größere Sicherheit, weil die Werte engmaschig gemessen werden können. Sie bemerken kleine Veränderungen schneller und können das Risiko für mögliche Komplikationen verringern. Denn eine zu geringe Dosierung des Gerinnungshemmers kann das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen, während bei zu hoher Dosierung das Risiko einer Blutung in innere Organe steigen kann. Zudem schont das Gerinnungs-Selbstmanagement die Venen, weil das Blut aus der Fingerkuppe und nicht aus der Vene entnommen wird.


Wie oft soll man die Werte beim Gerinnungs-Selbstmanagement überprüfen?

Dr. Eberhard Jennen: Um zeitnah auf Veränderungen des Gerinnungswertes reagieren zu können, wird eine wöchentliche Messung empfohlen.


Kann ich die Dosis des Gerinnungshemmers problemlos selbst anpassen?

Dr. Christiane Jennen: Ja, denn die Schulung im Vorfeld bereitet Sie umfassend vor: Sie oder Ihre Angehörigen erlernen hier theoretisches und praktisches Wissen zum Thema Blutgerinnung und Blutstillung, INR-Wert, individueller therapeutischer Bereich, gerinnungshemmende Therapie und das Gerinnungs-Selbstmanagement. Sie üben intensiv den Umgang mit dem Messgerät, die selbstständige Messung Ihrer Werte und die bedarfsgerechte Dosisanpassung des Gerinnungshemmers.


Wer trägt die Kosten für das Messgerät?

Dr. Christiane Jennen: Sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen erstatten in der Regel die Kosten für Gerät und Teststreifen sowie die Schulung. Voraussetzung dafür ist, dass Sie lebenslang Gerinnungshemmer in Form von Vitamin-K-Antagonisten einnehmen müssen, dass Ihr Arzt für Sie das Gerinnungs-Selbstmanagement befürwortet und dass Sie erfolgreich an einer Schulung teilgenommen haben.



Gut informieren – Risiko senken

Schlaganfall Risiko-Test
In zehn Schritten führt der Test zu einem Ergebnis, das durch Tipps zur Prävention ergänzt wird.
www.onmeda.de

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Die 1993 gegründete Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Schlaganfälle zu verhindern und zur Verbesserung der Versorgung von Schlaganfall-Patienten beizutragen. Dazu hat sie auf ihrer Internetseite ein breites Spektrum an Informationen zusammengetragen.
www.schlaganfall-hilfe.de

Gerinnungs-Selbstmanagement
Das Unternehmen Roche Diagnostics bietet auf einer eigenen Website Wissenswertes zum Thema Gerinnungs-Selbstmanagement an, unter anderem eine Suchfunktion für Schulungszentren, in denen Betroffene und deren Angehörige den Umgang mit Messgeräten und die richtige Dosierung von Vitamin-K-Antagonisten lernen können.
www.ein-pieks-genuegt.de

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