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Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 09.07.2019 um 13:22:12

Wo der Hase die Ohren hat

Die dreijährige Ameli erklärt Frank-Walter Steinmeier und Karamba Diaby, wo der Hase, den sie gerade ausmalt, die Ohren hat.         Die dreijährige Ameli erklärt Frank-Walter Steinmeier und Karamba Diaby, wo der Hase, den sie gerade ausmalt, die Ohren hat.
Foto: S. Christmann
Halle (sc). Er hatte ihn eingeladen. Er sollte sich selbst (noch einmal) ein Bild machen. Davon, wie in Halle selbstverständlich multikulturell gelebt wird. Aber der Autor des SPIEGEL-Beitrags Gordon Repinski, der in der vergangenen Woche mit der Attributierung von Halle als Nazihochburg einen medialen Entrüstungssturm entfacht hatte, kommt nicht. So führt Karamba Diaby, aussichtsreicher SPD-Kandidat bei den kommenden Bundestagswahlen als erster Deutscher schwarzafrikanischer Herkunft, den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Frank-Walter Steinmeier am gestrigen Dienstag allein durch die Kita „Weltenbummler“. Erklärt ihm, dass hier 21 Nationalitäten gemeinsam unter einem Dach leben. Dass hier Kinder aller sozialen Schichten vom Krippen- bis zum Vorschulalter betreut werden - von Erziehern, die aus aller Herren Länder stammen. Dass alle Eltern den gleichen Betreuungssatz zahlen. Holy mit dem unausprechlichen langen Nachnamen aus Madagaskar begrüßt Diaby auf Französisch. Für die Knirpse in ihrer „Sonnenland“-Gruppe ein vertrauter Klang.  Sie lernen diese (Fremd-)Sprache nicht durch Unterricht, sondern dadurch, dass Holy sie mit ihnen „lebt“. So hat die dreijährige Ameli ganz nebenbei mitbekommen, dass der Hase, den sie gerade ausmalt, auf Französisch „lapin“ heißt. Viel  wichtiger aber ist für sie im Augenblick, dass ein Hase ziemlich lange Ohren hat. Und sie zeigt Diaby und Steinmeier, wo die genau am Kopf sitzen.
Karamba Diaby - gebürtiger Senegalese und promovierter Chemiker - erlebt in der Kita „Weltenbummler“ die Früchte seiner Arbeit. Von 2004 bis 2011 hat er im Auftrag der Jugendwerkstatt „Frohe Zukunft“ Projekte geleitet, in denen es um die Qualifizierung von Migranten ging. Unzählige Lehrer und Erzieher hat er in Seminaren für das interkulturelle Leben in und um Halle „fit“ gemacht. Auch Holy und ihre Kolleginnen aus den anderen Ländern, die heute in der Kita „Weltenbummler“ mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass rassistische und fremdenfeindliche Ansichten bei „ihren“ Kindern möglichst keinen Nährboden finden. Auch deshalb sei es ihm, so erklärte er gegenüber dem WOCHENSPIEGEL, nie in den Sinn gekommen, dass der SPIEGEL-Beitrag in die „Nazi-Hochburg“-Richtung hätte gehen können. Zwar hätte die danach entfachte Debatte auch ihr Gutes: indem sie ihm und den Hallensen jetzt die Möglichkeit gegeben habe, vielen ihre Heimatstadt als geschichtsträchtigen Kultur- und Wissenschaftsstandort nahebringen zu können. Aber die Sache habe ihn auch gelehrt, nun sehr viel kritischer umzugehen mit Journalisten-Anfragen. Dem SPIEGEL-Autor hätte er gestern zu gern noch einmal - mit Hilfe der dreijährigen Ameli - persönlich  gezeigt, wo genau der Hase  (in Halle) seine Ohren hat. Aber selbst dem gedruckten SPIEGEL waren die empörten Reaktionen aus Halle in der  aktuellen Ausgabe keine einzige Leserbrief-Zeile wert.

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