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Wochenspiegel > Bernburg > Politik > Außer Dienst: Was macht eigentlich - Horst Tischer, früherer Landrat des Kreises Bitterfeld? >
Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 05.04.2017 um 07:05:02

Außer Dienst: Was macht eigentlich - Horst Tischer, früherer Landrat des Kreises Bitterfeld?

Horst Tischer, Landrat a. D., fährt gerne mit dem Fahrrad durch und um Bitterfeld, am liebsten um die Goitzsche. Ein Stopp an der Blauen Bank gehört dazu. Horst Tischer, Landrat a. D., fährt gerne mit dem Fahrrad durch und um Bitterfeld, am liebsten um die Goitzsche. Ein Stopp an der Blauen Bank gehört dazu.
Foto: Thomas Schmidt Galerie (1 Bild)
Außer Dienst: Jedoch ist Landrat a. D. Horst Tischer nicht beschäftigungslos. Der SPD-Mitbegründer im ehemaligen Landkreis Bitterfeld ist mit Leidenschaft Kommunalpolitiker.

Bitterfeld (ts).
Elf Jahre lang hat Landrat a. D. Horst Tischer Politik im damaligen Landkreis Bitterfeld mitgestaltet und auch mitgeprägt. Von 1990 bis 1994 agierte er als Stellvertretender des damaligen CDU-Landrates Reinhard Thiel, zu jener Zeit, als der Landrat noch von den Mitgliedern des Kreistages bestimmt und gewählt wurde. Das erschien vielen Politikern in der damaligen Bundesrepublik und auch in Sachsen-Anhalt als nicht repräsentativ. In dieser Gründerzeit war es noch üblich, dass ein gewähltes Gremium, auch mit wenigen Volksvertretern wie der Kreistag, seinen Chef der Landkreisverwaltung selber zu wählen. Denn wer im Gremium das Kreistages Mehrheiten organisieren konnte, brachte seinen Kandidaten damit durch.

Das änderte sich im Jahre 1994, erstmals nach der Wende wird der politische Wille zum Wählerwillen aller Einwohner des damaligen Landkreises Bitterfeld. Auch SPD-Mitglied Horst Tischer war für diese Direktwahl der Bürgerinnen und Bürger sowie für die Verlängerung der Wahlperiode von vier auf sieben Jahre. Nach der Wende war es noch üblich, einen Landrat oder einen Bürgermeister für vier Jahre ins Amt zu wählen. Horst Tischer, der vom ersten Landrat, dem damaligen Landkreischef Reinhard Thiel in die Verwaltung geholt wurde, kandidiert 1994 nach Bitten seiner SPD-Genossen im Kreis gegen Thiel. Eine Wahl, die wohl in die Geschichte eingeht. Beide kommen in die Stichwahl. Während nach der Auszählung im ersten Wahlgang Reinhard Thiel noch mit komfortablem Abstand vorne liegt, dreht sich das Blatt 14 Tage später und Tischer gewinnt mit 94 Stimmen Vorsprung, das sind ca. 0,25 % der Wahlberechtigten und wird somit zum neuen Landrat gewählt.

Der SPD-Politiker ist am Ziel seiner politischen Wirkungsstätte angekommen und möchte diese sofort politisch mit eigenen Ideen gestalten. Seine Amtszeit ist die erste, die dann über sieben Jahre geht. Im Jahre 2001 tritt Tischer gegen seinen Nachfolger, den damaligen CDU-Landtagsabgeordneten Uwe Schulze an. Auch hier kommt es zur Stichwahl und dieses Mal ist Horst Tischer unterlegen. Trotz Angebot möchte er allerdings nicht unter seinem Nachfolger arbeiten und geht in den Ruhestand. Doch dieser Ruhestand wird ganz schnell zum Unruhestand. Daher gründet er mit weiteren Mitstreitern 2001 den Förderverein Goitzsche e.V. als Nachfolger für den Expo2000 Co-Standort in der Region in und um Bitterfeld.

Dieser Verein existiert heute noch. 1994 wurde die Chemieregion um Bitterfeld und Wolfen zum Co-Standort der Expo2000 ernannt. Viele Projekte würde es wahrscheinlich sonst nicht geben. So unter anderem den Pegelturm, die Wasserfront, den Bitterfelder Bogen oder die Goitzsche Landschaftskunstwerke. Weiterhin engagiert sich der Vorruheständler im Vorstand des Fördervereins Evangelische Stadtkirche, die perspektivisch zum Gemeindezentrum umgestaltet werden soll. Bereits seit Ende der siebziger Jahre singt er im Bach-Chor und auch politisch ist der Kommunalpolitiker weiterhin aktiv. Seit 2002 ist Horst Tischer im Stadt- und Ortschaftsrat von Bitterfeld, später dann Bitterfeld-Wolfen tätig. Weiter arbeitet er im Haupt- und Finanzausschuss und ist zuständig für die Thronicke Stiftung.

Er ist als Vorsitzender im Zweckverband Technologiepark Mitteldeutschland und im Umlenkungsausschuss aktiv.  Zudem hat der Hobbygärtner noch ein großes Grundstück mit einem dementsprechend großen Garten. Der möchte auch versorgt und bestellt werden, eine Aufgabe, der sich Horst Tischer gerne widmet. Dann sind da ja noch seine beiden Kinder und die fünf Enkelkinder, vor kurzem ist ein Urenkelchen dazugekommen. Die brauchen auch ihre Fürsorge. Auf die Frage, warum er sich dieser Unmenge an Aufgaben widmet und zutraut, antwortet der Pensionär überlegt und gelassen. "Ich möchte geistig rege und körperlich fit bleiben, als Kommunalpolitiker und mit all meinen Funktionen kenne ich zum Beispiel beide Seiten, die Amtsseite und die Seite im Kommunalparlament, es macht mir einfach Spaß mit zu gestalten und etwas Neues entstehen zu sehen."

Auf die Frage ob Horst Tischer heute wieder antreten würde, zögert er etwas und versucht eine diplomatische Antwort zu geben. Unter den heutigen Bedingungen würde er nicht noch einmal antreten wollen. Der SPD-Mitgründer im Landkreis Bitterfeld und Mitorganisator der Demonstrationen zum Ende der DDR Zeit hin, habe mit der Kreisgebietsreform und der Zugehörigkeit zu Köthen sowie zum Teil zu Anhalt nichts am Hut. Für den Landrat a. D. stand die Option eher in Richtung Wittenberg zu fusionieren, ähnlich wie bei den Evangelischen Kirchenkreisen. In seiner Amtszeit gab es schon Überlegungen, einen Großkreis Dessau zu gründen, dazu steht er heute noch. Alle umliegenden damaligen Landkreise und ihre Landräte unterstützten dieses Vorhaben, einzig und allein Dessau selber wollte diesen Schritt nicht und den Stadtstatus als kreisfreie Stadt behalten. Dieser Großkreis mit damals 500.000 Einwohnern wäre ein wirtschaftlich starker Standort gewesen. Allerdings würde er unter den damaligen Bedingungen von 1994, appliziert auf die heutige Zeit, schon noch mal mitgestalten und das Eine oder Andere anders angehen.

Wir fragen, ob sich Horst Tischer noch für die Politik auf seinem alten Gebiet interessiert? (Lacht) das erübrigt sich bei der Vielzahl an politischen Kommunalämtern und Themen, auch wenn sich die Themen angepasst und teilweise geändert haben. Auf die Frage wie zufrieden Horst Tischer mit seinem Nachfolger ist, möchte er keine direkte Antwort geben. Uwe Schulze hat die schwierige Kreisgebietsreform gestemmt und ich werde nicht mit meiner Meinung auf eine Konfrontation gehen. Zudem haben sich die Zeiten und auch die Voraussetzungen geändert, es ist schwieriger und härter geworden. Vor allem wenn man Beschlüsse durchbringen möchte. Auf die Frage, was aus der heutigen Sicht seine wichtigste Entscheidung in seiner Amtszeit war, kommt die Antwort prompt. Die Entscheidung über die Zusammenführung der Krankenhäuser und die Flutung der Goitzsche sowie die Teilnahme an der Expo2000 und natürlich die Gründung der EWG (Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Bitterfeld-Wolfen mbH) mit zum Beispiel den Ansiedlungen wie die von Bayer und Q-Cells waren wichtige Meilensteine seiner Amtszeit.

Doch auch die Investitionen in die Bildungsbereiche wie Gymnasien, Sekundarschulen und andere Schulen sowie die Sanierung von über 100 km Straßen im Landkreis sind in die Entscheidungsbefugnis seiner Amtszeit gefallen. Ein weiterer Meilenstein war die Organisation des Chemieparks und die Gründung der BQP (Bitterfelder Qualifizierungs- und Projektierungsgesellschaft mbH) als Auffanggesellschaft für die Menschen aus den Betrieben die geschlossen wurden. Die Liquidation ist aus seiner Sicht keine Pleite wie es oftmals angesehen wird und es gibt zum Glück nur noch wenige Menschen, die nicht in Lohn und Brot stehen und solch eine Auffanggesellschaft benötigen.

Der Wochenspiegel fragt Horst Tischer, was war aus der heutigen Sicht seine größte Fehlerentscheidung in seiner Amtszeit? Auch diese Antwort kommt wohl überlegt jedoch ohne lange nachzudenken. Aus seiner und der heutigen Sicht war die Fusion zwischen Bitterfeld und Wolfen sowie den Umlandgemeinden nicht der richtige Weg. Der Landrat a. D. unterstreicht jedoch, dass er diesen Prozess seinerzeit mit unterstützt und mit seinen Möglichkeiten geebnet hat. Man merkt heute noch, dass das zusammenwachsen schwierig ist, Stadtrat und Bevölkerung tun sich schwer. Die Gründe der Fusionierung waren eher aus wirtschaftlicher Sicht zu sehen, wie zum Beispiel die Neustrukturierung des gesamten Chemieparks.

Die abschließende Frage, welches Erlebnis aus seiner Amtszeit Horst Tischet ewig in Erinnerung bleiben wird, lässt ihn warmherzig schmunzeln. Der Flutungsbeginn der Goitzsche und die Entscheidung zum Co-Standort der Expo2000 sind seine schönsten Erinnerungen. Jetzt widmet sich der 77-Jährige auch gern mal den Hobbys, wie z. B. dem Fahrrad fahren und das am liebsten um die Goitzsche.

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