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Wochenspiegel > Bitterfeld-Wolfen > Der Blick zurück - Einblicke in die Vergangenheit >
Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 26.04.2017 um 13:19:21

Der Blick zurück - Einblicke in die Vergangenheit

Redakteur Thomas Schmidt und Redakteur im (Un)ruhestand Ehrenfried Keil, der sagt über sich: „Ich wollte immer Anwalt der Leser sein“. Redakteur Thomas Schmidt und Redakteur im (Un)ruhestand Ehrenfried Keil, der sagt über sich: „Ich wollte immer Anwalt der Leser sein“.
Foto: Christian Pötzsch
Demnächst gibt es eine lose Serie mit der Zeit vor der Wende in der Region um Bitterfeld-Wolfen. Ehrenfried Keil sagt über sich: „Ich wollte immer Anwalt der Leser sein“.

Bitterfeld-Wolfen (ts/js)
. Der Wochenspiegel blickt mit Ehrenfried Keil in einer losen Folge auf die Zeit vor der Wende in der Region Bitterfeld-Wolfen zurück. Los geht es mit einer Geschichte über die Lebensmittel in der Chemieregion. Heute stellen wir Ehrenfried Keil vor. Der vor seinem Unruhstand als Lokalredakteur in leitender und vor allem schreibender Funktion im Anhaltinischen tätig war. In Bitterfeld, bei der „Freiheit“, jetzt „Mitteldeutsche Zeitung“ und zudem war er im Chemiekombinat Bitterfeld (CKB) für die Betriebszeitung in schreibender Funktion unterwegs. Ehrenfried Keil verbrachte seine Schulzeit in Thüringen und hegte schon früh den Wunsch, Journalist zu werden.

Die praktische Pflichtzeit vor der erhofften Delegierung zum Studium absolvierte er in Bitterfeld. Dass Ehrenfried Keil und ein paar angehende Mit-Studenten im August 1961 nach Westberlin reisen wollten, sollte böse Folgen haben. Erstens kam der Mauerbau dazwischen und zweitens kostete die jungen Leute dieses Vorhaben den Studienplatz.

Auf Umwegen zum Redakteur

Die Aufforderung, sich zur Verteidigung der Heimat für längere Zeit zum Militärdienst zu verpflichten – die Wehrpflicht wurde erst ein halbes Jahr später eingeführt – schlugen sie in den Wind. Der Autor dieser Zeilen verpflichtete sich, wohl wissend, dass er nach überstandener Kinderlähmung nicht genommen werden würde. Keil ging in die Produktion, absolvierte ein Fernstudium der Journalistik, arbeitete bei einer Betriebszeitung, wurde später zur Lokalredaktion der „Freiheit“ geholt, wo er 31 Jahre blieb. Mit dem Schritt in den Ruhestand zog es Ehrenfried Keil und seine Ehefrau nach Eberswalde, um in der Nähe der Tochter und ihrer Familie zu sein. „Sicher spielten die beiden Enkel dabei keine unerhebliche Rolle“, schmunzelt Ehrenfried Keil.

Arrangiert, aber nicht angepasst

Auf den ersten Blick gibt es da wohl kaum einen Unterschied. Doch trotz der zentral gelenkten und gleichgeschalteten Presse gab es damals nicht wenige Journalisten, die den Begriff „Berufsehre“ sehr wörtlich nahmen. Ehrenfried Keil steht dazu, dass er sich arrangiert hatte. „In gewisser Weise ist es doch auch heute noch so“, meint er. „Ich habe mich aber nicht angepasst, habe denen, die sich für die herrschende Klasse ausgaben, nicht zum Munde geredet.

Mein journalistischer Anspruch war es immer, Anwalt der Leser zu sein.“ Ehrenfried Keil behauptet heute nicht, wie es so viele nach der Wende getan haben, ein Widerständler gewesen zu sein. „Meine Berufsehre aber, die war und ist mir immer heilig gewesen.“ Und das ist ihm gar nicht immer gut bekommen. So schrieb er einst eine Glosse, in der damaligen Zeit eine ziemlich gewagte Angelegenheit, sei denn, man glossierte den Klassenfeind. Er machte sich aber zum Beispiel über auch damals schon vorkommende Unzulänglichkeiten bei der Bahn lustig. Das Ergebnis: Vorladung zur Aussprache beim Bahnchef.

Zum Abschied ein Buch

Nicht, dass man ihm im Jahre 2000 ein Buch geschenkt hätte, als er in den Vorruhestand ging. „Ich habe selbst eins gemacht, zusammen mit meinem langjähren Fotografenkollegen Siegfried Kunze“, erinnert sich Ehrenfried Keil. „Es war sozusagen eine Hommage an Bitterfeld, ein Bildband ohne viel Text.“ Und das kam so: Beim Räumen des Schreibtisches – ohnehin schon keine freudige Angelegenheit – fielen ihm unendlich viele Fotos in die Hände, die in seinem langen Redakteurdasein eine Bedeutung hatten. Jedes einzelne für sich. Es fiel Ehrenfried Keil nicht leicht, sich davon zu trennen. „Jedes Foto war ein wenig Herzblut von Siegfried Kunze und von mir.“ Das Buch hat den Titel „Bitterfeld – Als die Schornsteine noch rauchten“.

„Das kann man ruhig doppelsinnig sehen“, meint Ehrenfried Keil. „Wir haben die Fotos nicht werten wollen, sie sprechen für sich. Die rauchenden Schornsteine haben natürlich die Bitterfelder Umwelt reichlich mit Schadstoffen gesegnet. Andererseits bedeuten rauchende Schornsteine aber auch Arbeit und Brot für die Menschen.“

…dann sind sie plötzlich weg

Überhaupt sind es die Menschen, die Ehrenfried Keil immer am Herzen gelegen haben. Als Redakteur in Bitterfeld, wie auch in Eberswalde, wo er seit 2005 lebt. Denn für ihn ist der Journalistenberuf nicht einfach ein Job, den man zu einem bestimmten Zeitpunkt an den Nagel hängt.

Er hat sich in Eberswalde den „Geschichte(n)schreibern“ angeschlossen. Das ist eine Gruppe von Leuten, die einfach für die Nachwelt etwas aufschreiben wollen. „Und so sehe ich die Sache mit unserer gemeinsamen Serie ‚Der Blick zurück‘ auch.

Ehrenfried Keil ist ein unruhiger Geist. Einer, der ein gutes Auge und den richtigen „Riecher“ hat. Ein Journalist eben. Wenn auch im Un(ruhe)stand. Die Leserinnen und Leser vom „Wochenspiegel“ können sich auf spannenden Geschichten aus einer anderen, vergangenen Zeit freuen und zurück erinnern.
 

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