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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 26.03.2018 um 13:27:23

Frauen und Männer des Glaubens - Torsten Fehrmann: Ein wichtiges Stück Lebensinhalt

Torsten Fehrmann bringt sich seit vielen Jahren aktiv in das Gemeindeleben der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Dessau ein. Torsten Fehrmann bringt sich seit vielen Jahren aktiv in das Gemeindeleben der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Dessau ein.
Foto: Thomas Ruttke Galerie (1 Bild)
Dessau (bh). Torsten Fehrmann (50 Jahre) ist seit 25 Jahren verheiratet und hat drei Töchter. Als studierter Bauingenieur arbeitet er im Bauordnungsamt des Landkreises Wittenberg. Seit etlichen Jahren engagiert sich Torsten Fehrmann als Lektor der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul in Dessau-Roßlau. Im Ministranten-Arbeitsteam wirkt er seit sechs Jahren mit. Weiterhin ist Fehrmann Mitglied im Vorstand der katholischen Kindertagesstätte „Maria Montessori“ Caritas e.V. In früheren Zeiten agierte er sich auch im Pfarrgemeinderat.


Aus welcher Motivation heraus bringen Sie sich für die Kirche Gottes ein?

Meiner Erfahrung nach lebt eine Gemeinde nur, wenn die Menschen, die da sind, sich mit ihren Talenten und Gaben einbringen. Wenn ich mitwirke, habe ich die Möglichkeit, Impulse und Ideen in Gang zu setzen, voranzutreiben und eventuell auch umzusetzen.


Sie wurden als Baby getauft und sind somit schon sehr lange dabei. Warum?

Mein Lebensumfeld war prägend von Anfang an. Ich hatte das Glück, dass ich immer ein Stück auf eine lebendige Gemeinde getroffen bin, in der ich auch Leute kennenlernte, mit denen ich mich wirklich verstand. Die Freunde, mit denen ich mich heute noch treffe, sind die aus meiner Kinder- und Jugendzeit. Wir treffen uns wenigstens einmal im Jahr zu einem regelmäßigen Termin.

Die Kirche bedeutet ein Stück Lebensinhalt. Ich brauche etwas, wo ich mich aufrichten und Kraft schöpfen kann. Dies hielt mich bzw. hält mich auch heute noch leichter bei der Stange.

Ich hatte Ansprechpartner in der Kinder- und Jugendzeit, die mir den Spaß an der ganzen Sache vermittelten. Die richtigen Bezugspersonen und Ansprechpartner zur passenden Zeit sind wegweisend für junge Leute.


Gibt es eine Lieblingsstelle in der Bibel? Warum?

Lukas 16: „... Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“Das Kindsein ist ein Stückchen mein Lebensmotto. Kinder sind unbeschwert. Als erwachsener Menschen sollte man sich weiterhin ein Stück Unbeschwertheit bewahren.


Was bedeutet Ihnen der Glaube konkret?

Der Glaube entwickelte sich mit der Zeit.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass unser Leben überhaupt einen Sinn hat, wenn nicht mehr dahintersteckt.
Ich bin kein Mensch, der die Bibel absolut wörtlich nimmt, Genesis u.a. Aber ich glaube schon, dass sich alles auf ein Ziel hin entwickelt hat. Zum Schluss war der Mensch da. Ich glaube auch, dass das Leben, welches wir auf Erden verbringen, nicht auf diese Welt begrenzt ist. Denn sonst, denke ich, ist die ganze Ethik sinnlos. Dann würde es wirklich nur darum gehen, dass der Stärkere überlebt. Ohne Gott ist die Moral sinnlos. Dann wäre der Sinn wirklich nur darauf begrenzt, sich das beste, angenehmste und schönste Leben zu verschaffen. Da bin ich ziemlich radikal an der Stelle.

 
Wie stellen Sie sich Gott vor?
 
Gott ist kein alter Mann für mich, kein lieber Opa. Für mich ist er unbeschreibbar.
 

Wie beginnen Sie Ihren Sonntagmorgen?
 
Wir schlafen etwas länger als in der Woche. Danach wird in Ruhe gefrühstückt. Anschließend ge­­hen wir in die Kirche. Gemütlichkeit gehört dazu. Wobei ich auch gern einmal Sonnabend in die Kirche gehe, da kann ich den Sonntag noch gemütlicher angehen. Das ist manchmal auch schön.
 

Welche Frage würden Sie Gott gern einmal stellen?
 
Keine konkrete Frage. Natürlich habe ich verschiedene Fragen, auch aus einer gewissen Unsicherheit heraus.
Wenn ich ihm gegenüberstehe, so glaube ich, dass ich dann Antworten auf meine Fragen erhalten werde.

 
Haben Sie in einer konkreten Situation Kraft aus dem Glauben geschöpft?
 
Ja, als mein Nierentumor diagnostiziert wurde. Da schöpfte ich Kraft. Mir geht es momentan gut. Was die Zukunft einem bringt, weiß keiner für sich.

 
Gibt es bestimmte Gebetszeiten in Ihrem Alltag?
 
Also, ich bete regelmäßig abends vor dem Einschlafen. Ansonsten eher spontan, anlassbezogen sozusagen.

 
Hat er Ihnen schon einmal geantwortet?

 
Ja.

 
Wie?
 
Gott redete mit mir, richtig im Gespräch. Dies war im Krankenhaus. Dort kam ich völlig zur Ruhe, und ich fing komplett neu an zu denken. Es war ein tolles Gefühl.

 
Viele Menschen fragen sich, wie kann Gott Unheil und Katastrophen zulassen? Wie sehen Sie es?
 
Wir leben in einer Welt, die ihre Gesetzmäßigkeiten hat; Physik, Biologie, Chemie. Die Gesetzmäßigkeiten sind zwar als Schöpfung von Gott ge­­schaffen, aber letztendlich glaube ich auch, dass ganze viele Dinge, die geschehen, Fehler des Menschen sind.

Ich kann natürlich auch fragen: „Warum verhungern so viele Kinder in Afrika?“ Doch ich sollte lieber überlegen: „Was können wir unternehmen, damit sie nicht verhungern?“ Das ist für mich viel entscheidender.

Oder, warum sterben so viele Menschen durch Kriege? Die erschießt nicht Gott. Auch die vielen Krankheiten, welche so mancher erleiden muss, sind meines Erachtens durch lebensfeindliche Bedingungen ausgebrochen, welche wir Menschen zu verantworten haben. Natürlich sind Schicksalsschläge wie eine Totgeburt zum Beispiel nicht erklärbar. Oder wenn Kinder und Jugendliche ertrinken, da ist die Frage berechtigt. Aber wie gesagt, wenn uns nachher alles offenbar wird, so glaube ich, dann wird man den letzten Sinn selber verstehen dürfen. Das heißt nicht, dass ich die Trauer oder die Wut teilweise von Betroffenen nicht verstehen kann.

 
Die Trauer ist ja auch berechtigt.

Natürlich. Ja. Es ist auch berechtigt, dass man Angst haben darf.

 
Wie sieht die Arbeit für den Glauben aus? Hat die Tätigkeit etwas mit dem Glauben zu tun? Ihre verschiedenen Ämter werden aus dem Glauben heraus praktiziert.
 
Natürlich, gerade bei den Ministranten ist es schon so, dass wir ein Stück weit Glaubensinhalte vermitteln möchten. Das Verständnis für die Liturgie und den gesamten Messablauf ist wichtig, bevor die Kinder am Altar dienen, d. h. dem Priester während der heiligen Messe mithelfen können.

Es hilft auf jeden Fall ein Stückchen, die Kinder in der Gemeinde zusammenzubringen und zu halten. Wir wollen ihnen zeigen, dass nicht jeder für sich allein glaubt. Sie merken, dass wir dort Leute treffen, die ebenso mitmachen und mit denen sie einiges unternehmen können.
 

Leben Sie immer nach den Geboten Gottes oder nehmen Sie sich da einen Spielraum?
 
Ich versuche es. Es ist die Grundlage einer auf gegenseitigem Respekt basierende Gesellschaft. Ich versuche es. Dass es mir nicht immer gelingt, das weiß ich. Da kann ich auch nur hoffen, dass es mir irgendwann einmal verziehen wird.
 
Die Gebote sind ein Stück Ethik. Sie spiegeln sich in den Menschenrechten wieder.
 
Natürlich. Letztendlich waren kurioserweise auch die Pioniergebote von der Ausrichtung her ähnlich. Der Respekt innerhalb der Gesellschaft basiert auf diesen Werten, wie man sie auch immer formulieren mag.

 
Wie reagiert das Umfeld auf Ihre Tätigkeiten? Haben sich die Reaktionen verändert über die Jahre?
 
Ja, ich werde älter. Ich sehe selbst die Dinge anders. Ich werde ruhiger. Die Lebenserfahrung spielt dabei eine Rolle. Sicherlich ändert sich die Umsetzung des eigenen Engagements, oder wie ich es konkret ausführe. Demzufolge verändern sich auch die Reaktionen und die Mitwirkung der anderen. Das ist definitiv.

 
Aus welchem Aspekt heraus haben sich die Tätigkeiten geändert? Sie sind Lektor, Sie sind im Ministranten-Arbeitsteam und waren im Pfarrgemeinderat.
 
Der Pfarrgemeinderat ist ja ein Wahlamt. Natürlich ist bei einer Tätigkeit im kreativen Bereich, in der man nicht nur die Aufgabe einfach ausführt, sondern ein Stück führen, etwas zeigen und durchsetzen will, sicher irgendwann der Punkt erreicht, an dem man sich sagen muss: „Jetzt muss ich es in andere Hände abgeben.“ Weil man dann auch während des eigenen Tuns merkt, dass man damit nicht mehr weiterkommt. Es geht nicht mehr nach vorn. Ähnlich verhält es sich in der Politik. Man sollte eigentlich beizeiten seine Ämter abgeben und Jüngere mit neuen Ideen heranlassen. Und wenn man diesen Zeitpunkt noch erwischt, dann hat man Glück, denn in der Politik ist es ja leider so, dass viele den richtigen Zeitpunkt verpassen. Von der Warte her werde ich sicher meine Tätigkeiten anpassen müssen. Es ist einfach so.


In der Hoffnung, dass sich jüngere Engagierte finden ...
 
Die den Staffelstab übernehmen, natürlich. Das ist richtig.
 

Ist es Ihnen wichtig, dass die Kirchen wieder voller werden?
 
Also es wäre schon schön, wenn man in den Gemeinden noch mehr Lebendigkeit spüren würde. Ob ich dies an den Sonntagsmess-Besuchszahlen festmachen muss, weiß ich nicht, wobei es natürlich auch ein Stück dazugehört. Der Gottesdienstbesuch am Sonntag stellt die Mitte des Gemeindelebens dar. Wir treffen uns, feiern gemeinsam heilige Messe, vereinbaren Absprachen usw.

Wie wieder ein regeres Gemeindeleben entstehen kann, ja, ich glaube, ein ganz entscheidender Punkt ist die Verbindlichkeit des eigenen Tuns, die in unserer Gesellschaft mächtig nachgelassen hat. Viele Dinge werden angefangen und so lange praktiziert, wie man es selbst schön findet. Dann ziehen sich viele wieder zurück oder lassen es einfach.

Kinder und Jugendliche müssen begreifen, dass es Dinge und Entscheidungen im Leben gibt, die einfach wichtig und grundlegend sind. Damit meine ich nicht einen Sportverein zum Beispiel, der kann auch wichtig sein. Ich denke an die Tätigkeiten, welche nur für einen selbst oder auch für die Gesellschaft tragend sind. Wenn man einmal dabei ist, bedarf es einer gewissen Verbindlichkeit. Habe ich mich darauf eingelassen, sollten die anderen auch erwarten dürfen, dass ich dies eine gewisse Zeit bis zum Abschluss meines Tuns trage. Es gibt auch Entscheidungen, die binden mich für mein Leben. Solange dieser Punkt in der Ge­­sellschaft immer weiter zurückgefahren bzw. ausgeblendet wird, glaube ich, haben es die Kirchen sehr schwer. Eine gewisse Verbindlichkeit muss wieder mehr in den Fokus kommen.
 

Waren die Christen vor der Wende verbindlicher?
 
Natürlich war die Gesellschaft von damals eine andere als heute. Wenn ich eine gewisse Freiheit haben wollte, dann am ehesten im Raum dieser Gemeinschaft. Man hat sich diesen im Rahmen der Kirche gesucht, weil man vieles in der Gesellschaft nicht machen durfte. Deswegen muss man da vorsichtig sein, dies zu vergleichen.

Trotzdem muss ich mich fragen: „Was ist mir im Leben wichtig?“ Die heutigen Angebote sind ja weitaus vielfältiger. Man muss schauen und sich fragen, was für das Leben wirklich wichtig und tragend ist. Um den Glauben zu leben, bedarf es der Gemeinschaft, der tragfähigen Beziehungen, fernab von der Beliebigkeit.
 

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod? Glauben Sie an den Himmel und an die Hölle?
 
Ich hoffe, dass ich in den Himmel komme.
Ich stelle es mir so vor: Es ist ein Ende aller Zweifel und Fragen. Alles das, was ich hier auf Erden vermisse, menschlich gesehen, nicht materiell, dies finde ich dort. All die Menschen, die ich hier auf Erden lieb gewonnen habe, meine Eltern, Verwandten und Freunde, hoffe ich nach meinem Tod wiederzusehen. Ich möchte wieder mit ihnen vereint sein. Das wäre so schön.

Die Hölle ist das ganze Gegenteil: Man ist von diesem Beisammensein abgeschnitten und die Fragen, die einen quälen, bleiben unbeantwortet. Diese Vorstellung wäre für mich die pure Einsamkeit. Das wäre schlimm, dieses Alleinsein.
 



Ein Wort von Autorin Béatrice Haas:

In den letzten Wochen interviewte ich Frauen und Männer, welche verschiedenen christlichen Konfessionen angehören. Das Chris­tentum ist bunt und vielfältig wie die Na­­tur, wie Gottes Schöpfung. Dies sollte sich unbedingt in den Interviews widerspiegeln. Drei Frauen sowie drei Männer werden über ihre Sicht des Glaubens erzählen. Alle Interviewpartner taten dies auf erfrischende Art und Weise. Trotz der Vielfalt innerhalb des Christentums eint alle der Glaube an Gott. Sie verbindet gemeinsame Schriften, Traditionen, Lebensweisen und Gebete. Ich danke allen Männern und Frauen des Glaubens für ihre offene Art.

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