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Wochenspiegel > Bitterfeld-Wolfen > Damals & heute: Ein Zeitzeuge aus der Geschichte von Bitterfeld >
Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 11.11.2019 um 12:45:29

Damals & heute: Ein Zeitzeuge aus der Geschichte von Bitterfeld

Gerd Fehse ist als Zeitzeuge „Damals & heute“ ein gern gesehener Gesprächspartner, der 90-Jährige hat einiges erlebt... Gerd Fehse ist als Zeitzeuge „Damals & heute“ ein gern gesehener Gesprächspartner, der 90-Jährige hat einiges erlebt...
Foto: Thomas Schmidt
Gerhard Fehse ist ein Zeitzeuge und erinnert sich zurück wie es vor der politischen Wende und  danach war... viel hat der heute 90-Jährige erlebt, vor allem das Chemieunglück 1968 beschäftigt den ehemaligen Instandhaltungsmechaniker.

Gerd Fehse lebt heute in einer Wohnung mit Betreuten Wohnen und Bitterfeld und erinnert sich für den Wochenspiegel an „Damals & heute“ zurück. Der 90-Jährige lernt ab 1944 im heutigen Metalllabor Dr. Adolf Beck Chemiefacharbeiter, das Labor ist eine der modernsten Forschungs- und Ausbildungsstätten. Doch schnell merkt der damals 15-Jährige das es weder seine Berufung ist, noch das er den Umgang mit chemischen Stoffen verträgt. Als damals wie heute leidenschaftlicher Bastler sattel Gerd Fehse um und erlernt den Beruf als Instandhaltungsmechaniker für Mess- und Regeltechnik. Dort fühlt sich der Bitterfelder angekommen. Die damaligen Anlagen produzieren vorwiegend Salpetersäure, Schwefelsäure, Zellulose, Kunstfasern und Leichtmetalle.

Viele Anlagen hat Gerd Fehse gesehen und noch wesentlich mehr immer wieder instand gesetzt. 1965 macht der leidenschaftliche Bastler seinen Instandhaltungsmeister. Die Arbeit macht im Spaß und er ist ein anerkannter Kollege.
Doch an einer Stelle verfinstert sich die Mine von Gerd Fehse, es ist die Passage vom 11. Juli 1968, der Tag als in Bitterfeld die Uhren stehen bleiben. Das Chemieunglück betrifft den damals 39-Jährigen unmittelbar. Er befindet sich im Verwaltungsgebäude neben der Werkhalle, wo die gewaltige Explosion einiger Autoklaven alles in Schutt und Asche legt. Warum das Gebäude daneben nicht zerstört wird, ist Fehse heute noch ein Rätsel. „Es hat das ganze Gebäude sekundenlang gewackelt und geschaukelt.

Alle Fenster sind auseinander gesplittert und wie Geschosse durch die Räume geflogen. Fast allen sind die Trommelfelle geplatzt... ich habe meine Leute angeschrien sie sollen sich auf den vorgesehenen Stellplatz in Sicherheit bringen“, so Fehse. Dann macht er sich zum Unglücksort und funktioniert nur noch. Er verteilt Gasmasken an die Eingeklemmten und versucht zu helfen wo er kann. Es herrscht großes Chaos und Fehse sieht überall  Gliedmaßen und andere Körperteile von ehemaligen Kollegen und kann das Geschehene kaum fassen.

„Zum Glück ist das Tanklager in unmittelbarer Nachbarschaft nicht explodiert, Bitterfeld hätte es nicht mehr gegeben“, so Zeitzeuge Fehse. Der Unglückshelfer trägt selber keine Gasmaske und bricht irgendwann zusammen und kommt im Krankenhaus erst wieder zu sich. Dann folgen Reha und Urlaub. An den Arbeitsplatz kann Fehse nicht mehr zurück, die Bilder quälen ihn noch heute. Der Zeitzeuge bekommt damals viele Ehrungen, doch viele lieber wären ihm das die Kollegen zurück kommen. Heute erinnert ein Denkmal neben dem Metalllabor an das schwere Unglück.

Fehses Fazit: Vor der Wende hat er gerne in der Region gearbeitet und gelebt, nach der Wende auch, jetzt genießt er den Ruhestand, auch wenn seine Frau letztes Jahr verstorben ist „...das tut verdammt weh, doch ich liebe meine Familie“.

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