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Wochenspiegel > Bitterfeld-Wolfen > in eigener Sache > Der Mann der ersten Stunde - Dr. Werner Rauball >
Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 12.04.2017 um 08:40:33

Der Mann der ersten Stunde - Dr. Werner Rauball

Dr. Werner und Gudrun Rauball schieben ihr E-Bike auch gern mal über den Bitterfelder Marktplatz und schauen nach dem Rechten. Dr. Werner und Gudrun Rauball schieben ihr E-Bike auch gern mal über den Bitterfelder Marktplatz und schauen nach dem Rechten.
Foto: Thomas Schmidt
Außer Dienst: Bürgermeister a. D. Dr. Werner Rauball bleibt ein politischer Gestalter. Der aktive Kommunalpolitiker bleibt am Geschehen dran und schiebt gerne an.

Bitterfeld (ts).
Seit 1990 kennt Dr. Werner Rauball die politische Bühne in und um Bitterfeld-Wolfen. Der 1948 in Northeim (Niedersachsen) Geborene war einer der ersten Aufbaubeamten in der Region. Quasi als Aufbauhelfer-Ost für die damalige Verwaltung in Wolfen. Von Witten in die Verwaltungskaserne gekommen, verliebte er sich nicht nur in die Region Bitterfeld-Wolfen, sondern ein Jahr später 1991 auch in seine Frau Gudrun. Witten ist die Partnerstadt von Bitterfeld-Wolfen, früher von Wolfen. Der damalige Bürgermeister von Wolfen, Lutz Born, kam mit dem damaligen Beamten aus Witten, Dr. Werner Rauball, ins Gespräch und konnte ihn davon überzeugen, in Wolfen die Verwaltung nach demokratischen Verwaltungsstrukturen mit aufzubauen. Inspiriert auf der Herfahrt nach Wolfen, vom damaligen Feuerwerk am 3. Oktober 1990, zog Rauball in die damalige Verwaltungskaserne in Wolfen ein. Nach gut drei Monaten war jedoch diese Funktion als Verwaltungshelfer vorbei. Dann kam es zur schicksalhaften Fügung, denn er traf am 8. April 1991 direkt vor dem Rathaus in Wolfen seine heutige Frau Gudrun.

Weil beide in der Region bleiben wollten, stellte Rauball einen Versetzungsantrag von der Verwaltung in Witten zur Verwaltung in Wolfen. Dabei gab es nur ein Problem, Verwaltungsbeamte wurden zu dieser Zeit nicht in die Verwaltung im Osten versetzt. Werner Rauball war damals SPD-Mitglied und sein damaliger SPD-Freund und stellvertretender Landrat des ehemaligen Landkreises Bitterfeld, Horst Tischer, half Rauball in die Landkreisverwaltung einzuziehen. Horst Tischer hat eigens dazu eine Beamtenstelle für Dr. Werner Rauball im Amt für Rechts- und Personalwesen geschaffen. Die erste Zeit, erinnert sich Werner Rauball, war geprägt von der Diskussion, Ost und West - damals entstanden die heute noch bekannten Bezeichnungen vom Ossi und Wessi. 1994 standen dann wieder Kommunalwahlen an, auch die Wahlen zum Bürgermeister der damaligen Stadt Wolfen und Bitterfeld. Für Wolfen war SPD-Kollege Lutz Born gesetzt. Nur für Bitterfeld konnte die damalige SPD keinen geeigneten Kandidaten aus ihren Reihen gewinnen. So sprachen Horst Tischer und der SPD-Ortsverband Werner Rauball an, ob er sich nicht vorstellen könnte, für das Amt des Bitterfelder Bürgermeisters zu kandidieren. Das lehnte dieser zunächst ab, ein Wessi auf einem Rathausstuhl im Osten war für ihn nicht akzeptabel. Doch es kam alles anders. Der CDU-Ortsverband stellte seinerzeit einen "Wessi", der auch als Aufbauhelfer in den Osten kam, für die damals schwer erkrankte CDU-Bürgermeisterin Edelgard Kauf auf. Jupp Maur sollte als CDU-Bürgermeister die Geschicke ab  1994 von Bitterfeld lenken und leiten. Das stimmte Rauball um und er entschloss sich, als SPD Kandidat zur Kandidatur für den Bitterfelder Rathausstuhl anzutreten. Ab sofort hieß es dann Plakate in der Küche kleben, jeden Tag auf dem Marktplatz stehen und mit den Leuten ins Gespräch kommen, das kam gut an. Mit Erfolg, die erste Direktwahl für einen Bürgermeister in Bitterfeld gewann der SPD-Politiker Rauball endgültig im zweiten Wahlgang. Fortan war Dr. Werner Rauball von 1994 - 2007 in zwei Amtsperioden Bürgermeister von Bitterfeld und danach ein Jahr Bürgermeister von Bitterfeld-Wolfen.  Bereits in den neunziger Jahren, einer Zeit harter Arbeit, hatten Born, Rauball und Tischer die Idee, eine Interessengemeinschaft Westliche Mulde zu gründen, quasi ein Vorreiter der heutigen Stadt Bitterfeld-Wolfen. Hintergrund war ein Gegengewicht zur damaligen Stadt Dessau und als starke wirtschaftliche Gemeinschaft für den gemeinsamen Chemiepark.
2007 kam dann die gemeinsame Stadt Bitterfeld-Wolfen, damals noch ein großer Vorteil - als freiwilliger Zusammenschluss - mit den bekannten Störfaktoren der Befürworter und der Gegner. Der Zusammenschluss wurde als fehlerhaft angesehen, weil nach Meinung vieler Experten und Politiker dadurch der Status der Kreisstadt während der Kreisgebietsreform verloren gegangen ist. 2006 kandidierte Werner Rauball als Landtagskandidat für die SPD im Wahlbereich Bitterfeld. Dort unterlag Rauball dem CDU-Landtagskandidaten Lars-Jörn Zimmer. Mit 23,8 % als Zweiter und mit einem aussichtslosen Listenplatz 29 zog Rauball nicht in den Landtag in Magdeburg ein.

So pensionierte Rauball mit 58 Jahren und zog sich vom aktiven politischen Amt zurück. Zwei Jahre später kam es zum Bruch mit der SPD. Grund: große Meinungsverschiedenheiten mit aus seiner Sicht jungen dynamischen Kräften ohne politische Erfahrungen, so kritisiert Rauball öffentlich diesen Kurs. Gemeinsam mit Eckbert Flämig unterstützten beide nicht den damaligen SPD-Kandidaten Peter Haller, sondern die Kandidatin der Linken, Dagmar Zoschke. Nach diesem politischen Erdbeben verließen 2008 beide die SPD. 

Rauball sitzt seit 2014 als Parteiloser, jedoch mit Mandat "Der Linken" im Stadtrat von Bitterfeld-Wolfen und im Ortschaftsrat von Bitterfeld sowie im Kreistag Anhalt-Bitterfeld. Er ist auch Mitbegründer und erster Aufsichtsratsvorsitzender der Kommunalwirtschaft Sachsen-Anhalt KG, kurz KOWISA. Die Gesellschaft vertritt Kommunen in Beteiligungsgesellschaften im Energie- und Gasversorgerbereich.

Neben den vielen politischen Ämtern ist Werner Rauball auch seine Familie heilig. Tochter, 3 Söhne und vier Enkelkinder sowie Frau Gudrun bilden für den fast 69-Jährigen mittlerweile den Lebensmittelpunkt. Zu seinem letzten Geburtstag am 31. Oktober bekam er ein Pedelec, ein Elektrofahrrad. Dieses Elektrobike unterstützt nur dann, wenn man gleichzeitig selbst in die Pedalen tritt. Dieses neu gewonnene Hobby bietet den Rauballs jede Menge Bewegungsspielraum. Beide fahren gern öfters durch Bitterfeld und auch um die Goitzsche. Lieblingsziel sind aber die Fahrradwege auf der Ostseeinsel Usedom. Das sagt Rauball nicht umsonst.

Denn die Fahrradwege in der Region sind aus seiner Sicht kaum ausgebaut, mangelhaft oder eigentlich kaum vorhanden. Für Werner Rauball ist das ein neuer Angriffspunkt in seinen politischen Ämtern im Kreis und in der Stadt Bitterfeld-Wolfen. Der Wochenspiegel fragt Dr. Werner Rauball, ob er nochmal als Bürgermeisterkandidat antreten würde? "Ja, ohne Zweifel würde ich wieder antreten. Weil ich gelernt habe, dass man diese Position gestalten und mit Leben erfüllen kann und muss. Denn nichts ist zufriedenstellender, als ein gutes Gefühl mit den Leuten gemeinsam Ideen zu verwirklichen. Nur müsste ich jünger als 65 Jahre (gesetzliche Grenze) sein."

Die Frage nach der Zufriedenheit seiner Nachfolgerin, die kürzlich ausgeschiedene Oberbürgermeisterin Petra Wust, beantwortet Rauball schnell und ohne zu überlegen. "Jeder weiß, dass Frau Wust mehr zerwaltet als verwaltet hat. Es ist bekannt, dass wir nicht das beste Verhältnis miteinander hatten, mehr möchte ich dazu nicht als Bewertung abgeben", so der Bürgermeister von Bitterfeld-Wolfen a. D. über seine Nachfolgerin. Dafür findet Rauball anerkennende Worte für den neuen Oberbürgermeister Armin Schenk. „Schenk ist eine gute Wahl für Bitterfeld-Wolfen“, so Rauball über den ehemaligen Wirtschaftsförderer.  Wir fragen Werner Rauball, was die wichtigste Entscheidung in seiner Amtszeit gewesen ist?

Die gemeinsame Stadt Bitterfeld-Wolfen zu gründen, war aus seiner Sicht die wichtigste und eine vor allem richtige Entscheidung in seiner Amtszeit, trotz vieler Hindernisse. Auch die Entstehung nicht nur von blühenden Landschaften, sondern auch die Entstehung von florierenden Ansiedlungen ist in dieser Phase entstanden. Der Wochenspiegel stellt auch im Gegenzug die Frage, was aus heutiger Sicht die größte Fehlentscheidung in seiner Amtszeit war? "Ich glaube, ich habe aus meiner Sicht keine großen Fehlentscheidungen getroffen. Ich hatte nie einen Skandal, das ist sicherlich auch ein wichtiger Faktor. Ich habe auch nie Fußballkarten von Borussia Dortmund von meinem Bruder angenommen. Meine Weste ist sauber", so der gebürtige Niedersachse.

Zum Schluss wollen wir von Dr. Werner Rauball wissen, welches Erlebnis aus seiner Amtszeit immer und ewig in Erinnerung bleiben wird. Da fällt ihm die Antwort sichtbar leicht - er ist stolz auf die Gründung von Partnerschaften mit anderen Städten aus Deutschland und Europa sowie die Gründung des Städtepartnerschaftsvereins in Bitterfeld. Veranstaltungen mit dem Städtepartnerschaftsverein besucht Rauball gerne und freut sich über jedes kommende Treffen, dem er nach seinen Möglichkeiten natürlich beiwohnt. Wenn der 68-Jährige nicht eine Runde mit seinem Elektrofahrrad auf Usedom, respektive im Landkreis Anhalt-Bitterfeld dreht. 

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