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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 13.02.2017 um 10:43:02

Karneval in Dessau: Gelb-Rotes Feuerwerk zündet

Dessau Helau bei der Karnevalsgesellschaft Gelb-Rot. Dessau Helau bei der Karnevalsgesellschaft Gelb-Rot.
Foto: Sebastian Köhler
1. Große Dessauer Karnevalsgesellschaft Gelb-Rot von 1954 startet in der 63. Session durch. Jecken punkten mit Karnevalsgranaten, Lachsalven und Stimmungsbomben.

Dessau (SBW).
„Ein Feuerwerk der guten Laune“ verspricht die 1. Große Dessauer Karnevalsgesellschaft Gelb-Rot von 1954 e. V. in ihrem Motto. Ein hoch gestecktes, selbstbewusstes Ziel. Doch die Narren schaffen es, eine Stimmungsrakete nach der anderen zu zünden. Und um im Feuerwerksbild zu bleiben: Sie sorgen für bombastische Stimmung mit zahlreichen Heiterkeits-Fontänen.

Grundsätzlich steht jede närrische Sitzung auf drei Säulen: gesprochenes Wort, Tanz und Gesang. Soviel sei schon verraten, Gelb-Rot steht auf allen sehr stabil.

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Die Sänger durften neben klassischen Stimmungs- und Schunkelrunden sowie dem Sessionslied auch Kritik an der lokalen Obrigkeit üben.

Die Tippelbrüder Ludwig Reinhardt, Hanjo Steinborn und Lothar Heinecke nahmen musikalisch unter anderem die falsche Gropius-Enkelin bei der Grundsteinlegung des Bauhausmuseums oder den Altersdurchschnitt der Stadt aufs Korn.
Die Sänger entführten die Zuschauer musikalisch durch Europa. Dabei schmetterten sie Hits und Gassenhauer wie „Zwei kleine Italiener“, „Tulpen aus Amsterdam“, „Das alles ist Deutschland“ oder „Griechischer Wein“. Das Publikum sang lauthals mit.

Bei der karnevalistisch-tänzerischen Königsklasse, der Garde, schossen die Gelb-Roten ebenso eine Rakete nach der anderen ab. Meisterlich schwangen die Damen die Beine in die Höhe, und das Tanzpaar Tinka Rathmann und Sebastian Engler setzte dem ohnehin gut gestalteten Tanz die Krone auf. Scheinbar mühelos wirbelte Sebastian seine Partnerin durch die Lüfte. Solche Tänze sind nur durch hartes, wochenlanges Training umzusetzen.

Auch für Nachwuchs in der Garde ist gesorgt. Die Fantasy Kids und Young Diamonds zeigen bei Garde- und Schautanz, dass dem Verein nicht bange sein muss, was tänzerische Talente angeht. Die Revuetanzgruppe und die Golden Girls konnten mit ihren Darbietungen ebenso überzeugen.

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Das Männerballett „Schönemänner“ hatte einen irischen Tanz gewählt. Hier haben nicht nur die Tänzer und Choreografen, sondern auch Maske und Kostüm ganze Arbeit geleistet. So war erst auf den zweiten Blick zu erkennen, dass es sich bei den grazilen Geschöpfen tatsächlich um stattliche Männer handelt.

Beim gesprochenen Wort durfte Nachwuchsrednerin Leonie Rathmann als Erstes in die Bütt. Sie widmete die Rede ihrer karnevalsverrückten Familie, wo selbst die Haus-Klingel „Wolle ‚mer se reinlasse?“ fragt, statt zu läuten. Sogar eine Zugabe wurde bei ihrer allerersten Büttenrede gefordert.

Chronist Klaus-Lothar Bebber zog die große Politik durch den Kakao. Brexit, Donald Trump und die Bundespräsidentenwahl waren dabei einige seiner Themen. So sagte Angela Merkel zu Siegmar Gabriel beim Vorschlag der Nominierung Frank-Walter Steinmeiers für das höchste Amt: „Da stimm ich zu, hab nix zu bieten, in meinem Hut da warn nur Nieten.“ Auch in die lokalen Wunden legte Bebber die Finger. „Ein Imagebild, welch ein Jammer, wie Willi Schwabes Rumpelkammer“, konsternierte er zum Focus-Ranking, bei dem Dessau-Roßlau den letzten Platz belegt.

Margit Hauch nahm die Gäste mit zu ihrem „Urlaub beim Winzer“. Immer wieder stimmte die Kapelle Trinklieder an, auch hier zeigte sich der volle Saal im Golfpark textsicher. Lachsalven gab es, wenn Margit erzählte, dass sie gern zwei Kugeln vom Eiswein bestellen wollte oder von ihrer Odyssee bei der Weinbergwanderung (Frechheit, ohne Wein!) berichtete.

Zu guter Letzt gewährte Rainer Feige Einblicke in seine Stammtischrunde. Wie es sich für einen Stammtisch gehört, nahm Feige gar nicht feige kein Blatt vor den Mund, auch nicht bei heiklen Themen wie Meinungsfreiheit und Schleierverbot. Dabei erkannten er und seine „Kneipen-Brüder“, dass so ein Schleier bei Hilde wohl gar nicht so schlecht wär. Mit messerscharf geschliffenen Worten schwang er sein rhetorisches Florett.

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Kreativer Höhepunkt: eine Schlager-Hitparade. Zugegeben, die Idee ist nicht neu, und viele Vereine schmücken sich mit Parodien und Imitationen bekannter Stars. Doch bisher einzigartig war, dass die Gesichter aus Luftballons geformt waren - egal ob bei Heino, Nana Mouskouri oder Roberto Blanco.

Die Gelb-Roten haben wahrlich ein etwas über dreistündiges Feuerwerk gezündet. Die Narren zeigten sich gut gelaunt und waren mit Spaß bei der Sache. In einem so abwechslungsreichen Programm keinen einzigen „Rohrkrepierer“ abzuliefern zeugt vom Eifer und Disziplin jedes einzelnen Mitglieds -  vom kleinsten Tänzer über Sänger und Tänzer bis hin zu haarlich ergrauten Büttenrednern.

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