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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 04.10.2017 um 08:52:56

Stille Erfolge - Besuch bei Casting-Weltmeister Jens Nagel

„Trockenangler“ Jens Nagel mit den aktuellen Pokalen und Medaillen. „Trockenangler“ Jens Nagel mit den aktuellen Pokalen und Medaillen.
Foto: Volker Schwenke Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Reporter des Magazins „Unser Land“ bei den Weltstars von nebenan.

Wörbzig (vs).
Deutschland wird Fußballweltmeister und keinen interessiert es - kaum vorstellbar, oder? Doch so ähnlich ergeht es Sportlern, über denen Sport in den gängigen Medien kaum berichtet wird. Einer von ihnen ist Jens Nagel. Der in Wörbzig Wohnende hat in seiner fast 37-jährigen Karriere sage und schreibe 41 (einundvierzig) Welt- und Europameistertitel gewonnen. Dazu kommen noch unzählige deutsche Meistertitel.

Gut, sein Sport ist nicht ganz so populär wie Fußball. Jens Nagel betreibt den Casting Sport. Fachleute wissen jetzt schon Bescheid, der „Normalo“ würde sagen: „Er tut Trockenangeln“.

Doch da es hierbei Deutsche, Europa- und auch Weltmeisterschaften gibt, sollte es sich eigentlich um einen anerkannten Sport handeln.

Nagel ist im Angelverein 66 Gröbzig organisiert, welcher zum Landesangelverband Sachsen-Anhalt gehört. Begonnen hat der Wörbziger mit acht Jahren. Zu den großen Turnieren ging es aber erst in der Zeit, als er erwachsen war.

In diesem Jahr fand die Weltmeisterschaft in Polen in der Stadt Szamotuly statt. Am Wettkampf nahmen Sportler aus 17 Nationen mit über 90 Startern teil.

Nur der Beste darf sich auch Weltmeister nennen. Diesen Titel holte sich eben der gebürtige Gröbziger Jens Nagel. Er darf sich jetzt Weltmeister im „Gewicht weit 18 Gramm 2 Hand“ nennen. Das bedeutet, dass er mit der Angel ein 18 Gramm schweres Gewicht so weit wie möglich mit beiden Händen geworfen hat. Seine Siegweite lag bei rund 107 Metern.

Neben den Einzelwettkämpfen gibt es aber noch weitere Disziplinen. So gewann er im Siebenkampf den Vizeweltmeistertitel und in der Mannschaftswertung den vierten Platz mit der deutschen Nationalmannschaft. Sie setzt sich aus neun aktiven Sportlern zusammen.

Dass bei diesem Sport das Wort Hektik einfach nicht vorkommt, versteht sich von selbst. Der ruhig und besonnen wirkende Jens Nagel holt sich seine Gelassenheit auch bei seiner Familie. Seine Frau Sandra und die beiden Töchter unterstützen ihn, wo es nur geht. Ganz ohne familiäre Opfer geht es aber auch nicht. So bleibt die kleine Familie bei den Reisen allein zurück.
Als Jens Nagel zu einem Weltcup vor einigen Jahren im karibischen Inselstaat Trinidad und Tobago war, wäre seine Familie sicher gern mitgereist. Zumal er auch von dort mit Medaillen und Pokalen zurückkehrte.

Wer jetzt denkt, Nagels Haus steht von oben bis unten mit diesen teilweise tollen Siegprämien voll, der täuscht sich. „Wenn ich mal Zeit habe, will ich mir eine Vitrine bauen, wo die wertvollsten und schönsten Trophäen rein kommen.“ Heute sind die Mitbringsel in Kartons und die Pokale im Keller untergebracht.

Auf die Frage, was für ihn immer noch ein Höhepunkt in seiner sportlichen Karriere ist, antwortet er voller Stolz: „Wenn du nach einem Sieg auf dem Siegertreppchen ganz oben stehst, die Nationalhymne gespielt wird und der Blick zur Fahne gerichtet ist, dann ist das emotional und unbeschreiblich - einfach Ganshautfeeling.“   

Hier schließt sich nun der Kreis. Jens Nagel wünscht sich für den Sport, dass die Erfolge, auch von unspektakulären Sportereignissen, von den regionalen Gremien anerkannt werden.Egal ob Medien oder Politik, einfach mal bei einer Sportlerwahl auf dem Zettel stehen oder ein Händedruck eines Politikers wäre schon etwas Tolle

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