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Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 20.07.2018 um 11:21:54

In Sekunden ist alles in Schutt und Asche

Peter Krüger und Ehrenfried Keil sind zwei Zeitzeugen, die für eine Gedenktafel als Erinnerung kämpfen. Peter Krüger und Ehrenfried Keil sind zwei Zeitzeugen, die für eine Gedenktafel als Erinnerung kämpfen.
Foto: privat

Drei Menschen, drei Erinnerungen, drei Schicksale - Peter Krüger, Ehrenfried Keil und Heike Nywelt. Das Chemieunglück, die Trauer und eine Debatte um einen Gedenkstein.

Bitterfeld (ek/sj/ts).
In Bruchteilen von Sekunden ist plötzlich alles ganz anderes. Wo eben noch Produktionsanlagen standen, ist alles in Schutt und Asche gelegt. Die Rede ist vom größten Chemieunglück in der Geschichte der DDR. Ein Funke löst eine schwere Explosion am 11. Juli 1968 in Bitterfeld aus und erschüttert nicht nur die Erde, sondern auch viele Menschen. Im ehemaligen PVC-Werk des Elektrochemischen Kombinates Bitterfeld (EKB) entzündet sich ausgetretenes Vinylchlorid-Gas.
Gut 50 Jahre ist das her. 42 Menschen sterben im ehemaligen Werk Süd. Vor allem die unglaubliche Druckwelle zerstört alles im Umkreis und Flammen erfassen große Bereiche rund um den Explosionsherd. Schätzungsweise 275 Verletzte soll es gegeben haben, die allesamt in den umliegenden Krankenhäusern behandelt wurden. Drei Menschen waren mit unterschiedlichen Ansätzen und Schicksalen dabei.

Einer von ihnen ist der damals 24-jährige EKB-Arbeiter Peter Krüger. „Ich hatte gerade die zweite Schicht in der Schlagpresserei der Kunststoffproduktion begonnen, stand an meinem Arbeitsplatz an der Werkbank und bereitete meine Arbeit vor. Auf einmal hat alles gewackelt, es kam eine Druckwelle, welche mich ausgehoben hatte und über die Werkbank geschleudert und dann, etwas verzögerter, kam ein lauter ohrenbetäubender Knall“, schildert Peter Krüger den Moment des Unglücks. Noch kurze Zeit vor dem Unglück hat der heute 74-jährige selber im PVC-Werk des Elektrochemischen Kombinates Bitterfeld (EKB) gearbeitet.
Aus Angst vor den ständigen Pannen ließ er sich umsetzen. Seine Befürchtungen sollten sich bewahrheiten. Genau am 11. Juli 1968 entwich wieder mal Vinylchlorid-Gas.

Aus einem der PVC-produzierende Autoklaven entzündete sich das Gas durch einen Funken und die gewaltige Explosion kostete 42 Menschen das Leben. Doch es hätte noch schlimmer kommen können. Denn die weiteren elf der zwölf Autoklaven produzierten weiter Gas. Krüger erkannte die Gefahr und mit Hilfe der Feuerwehr drehte er Ventil für Ventil für eine Druckentlastung auf. Dafür bekam er die Artur-Becker-Medaille, die höchste Auszeichnung der damaligen Jugendorganisation FDJ.

Ein weiterer Augenzeuge ist Ehrenfried Keil. Seinerzeit als Redakteur und Fotograf der Betriebszeitung „Fortschritt“ des Elektrochemischen Kombinats unterwegs. Er porträtierte Peter Krüger und sieht ihn als Retter von Bitterfeld. „Wären die Autoklaven explodiert, wäre Bitterfeld völlig zerstört worden, er und die zwei Feuerwehrleute waren dort, wo sie gebraucht wurden“, erinnert Keil mahnend das Gedenken.

Ich habe damals frei gehabt und nach dem Bekanntwerden habe ich mich als Helfer gemeldet. Im Zuge der Arbeiten als Redakteur lernte ich den damaligen Chemiearbeiter Peter Krüger kennen. „Für mich ist er ein Held, obwohl ich die Explosion nicht hautnah erlebte, hat das tragische Ereignis tiefe Spuren in mir hinterlassen“, so Keil.

Für die damals fast fünfjährige Heike Schmidt ist der 11. Juli alljährlich Traurigkeit pur. An jenen Morgen vor über 50 Jahren kam ihr Vater Robert Schmidt ums Leben. Früh war noch alles in Ordnung, mittags blieb für viele Menschen die Welt stehen. „Noch heute fragt man sich, wie das Leben verlaufen wäre, wenn es diesen Tag nicht gegeben hätte. Es ist verrückt, dass man sich an so viel erinnern kann, was vor, an und nach diesem Tag passiert ist.  

Das Einkaufen meines Geburtstagsgeschenkes mit ihm eine Woche davor, das Warten am Tor auf die tägliche Mopedrunde durch den Hof, dass er nach Hause kommt. Die Fragen in der Schule, was arbeitet dein Vater...  und ach, du hast ja keinen. Irgendwie eine ungerechte Welt“, schildert die Ramsinerin ihr Kindheitsschicksal. Doch alle drei teilen den Wunsch, es sollte eine Gedenktafel als Erinnerung geben.

Fortsetzung folgt...


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