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Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 17.08.2018 um 21:01:42

Sommerplausch: Schule, Lehrer, große Sterne

Das Walter-Gropius-Gymnasium in Dessau ist sternengewaltig und Schulleiter und Astronomielehrer Michael Teichert schaut in die Zukunft. Das Walter-Gropius-Gymnasium in Dessau ist sternengewaltig und Schulleiter und Astronomielehrer Michael Teichert schaut in die Zukunft.
Foto: Stefan Julius Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Im Sommerplausch unterhält sich Reporter Thomas Schmidt mit Schulleiter Michael Teichert. Das Walter-Gropius-Gymnasium in Dessau ist sternengewaltig aufgestellt.

Dessau-Roßlau (ts).
Michael Teichert ist Schulleiter am Walter-Gropius-Gymnasium, der Dessauer Europaschule und Vorsitzender des Schwabevereins in Dessau. Nachdem er das Abitur in Dessau abgelegt hatte, führte ihn das Studium an die Friedrich-Schiller-Universität nach Jena. Als Diplomlehrer für Physik und Astronomie kehrte er später wieder in seine Heimatstadt Dessau zurück und begann seine Lehrerlaufbahn 1989 an der damaligen 26. POS.

Zwei Jahre später wechselte er seinen Tätigkeitsort und lehrte ab dem Schuljahr 1991/92 am damaligen 3. Gymnasium in Dessau-Süd, dem heutigen Walter-Gropius-Gymnasium. Schon kurz darauf arbeitete er als Koordinator in der Schulleitung mit und betreute die Oberstufe bis zum Abitur. Zudem leitete er die Astronomische Station „Samuel Heinrich Schwabe“ (Planetarium und Sternwarte), die zur Schule gehört. Seit 2012 ist er Schulleiter des Europa-Gymnasiums in Dessau-Süd. Reporter Thomas Schmidt hat sich mit dem astronomiebegeisterten Schulleiter unterhalten.

Herr Teichert, Sie sind Schulleiter im Gropius-Gymnasium in Dessau, wie wird man (zum) Schulleiter?

Nun, indem man sich auf eine entsprechende Stelle bewirbt, wenn Sie ausgeschrieben ist. In meinem Falle geschah dies 2012. Der vorherige Schulleiter, OStD Jürgen Ahlwardt ging zum Ende des Schuljahres 2011/12 in den wohlverdienten Ruhestand und ich gehörte zum Bewerberkreis für die frei werdende Stelle. Es erfolgte im Frühjahr ein Auswahlverfahren, in welchem es diverse Prüfungen und Fachgespräche gab. Letztendlich wurde ich dann im November 2012 Schulleiter am Walter-Gropius-Gymnasium. 

Schulleiter übernehmen ja immer mehr Verantwortung über Budget, Personal und mittlerweile auch über die Vermarktung der Schule. Wieviel Manager steckt in Ihnen?

Richtig ist, dass sich Art und Vielfalt der Aufgaben, die Schulleiter heute bewältigen bzw. managen sollen, in den vergangenen Jahrzehnten durchaus verändert und zugenommen haben. Eine Schule mit etwa 740 Schülern, mehr als 60 Lehrern, Referendaren und Mitarbeitern ist ein sehr komplexes „Bedingungsgefüge“. Das Spektrum reicht dabei von pädagogischer Arbeit, über fachlich-inhaltliche Aspekte, schulbauliche Überlegungen, Haushaltsfragen, Präventionsangebote und Datenschutz, bis hin zur Zusammenarbeit mit Ämtern und Institutionen in der Stadt, im Land und überregional.

Ein ganz wichtiger Aspekt ist natürlich auch die gemeinsame Arbeit mit den Lehrern, Schülern und Eltern bzw. Sorgeberechtigten auf den verschiedensten Ebenen und in entsprechenden Gremien. Auch aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft beeinflussen die Schulgemeinschaft, sodass es auch hier immer wieder notwendigerweise schulische Reaktionen geben muss. 

Um den genannten Anforderungen zu genügen, ist es dabei unabdingbar, ein gutes Team an Mitarbeitern in der Schulleitung zu haben, mit denen man auf Vertrauensbasis zusammenarbeitet. Dass dabei Fragen offen bleiben, ist sicher nicht ungewöhnlich. Nicht selten wünsche auch ich mir mehr Entscheidungsspielraum sowie kürzere Wege und mehr Zeit, um notwendige Entscheidungen stärker mit beeinflussen und Vorhaben schneller umsetzen zu können.

Sie sind ja auch Lehrer, warum sind Sie Lehrer geworden?

Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass der Beruf des Lehrers einer der schönsten ist, den es gibt. Schon im Elternhaus habe ich durch die langjährige Tätigkeit meines Vaters erfahren können, was die facettenreiche Arbeit eines Lehrers ausmacht. Damals fing ich auch an zu begreifen, dass die Behauptung, dass jeder, der eine Schule durchlaufen hat, auch weiß, wie Schule funktioniert und was und wie lange ein Lehrer täglich zu arbeiten hat, nicht korrekt ist.

Lehrer arbeiten mit jungen Menschen und können diese in der Phase ihrer Entwicklung begleiten, fördern, fordern und persönlich formen, in der dies noch möglich ist. Dieser Prozess kann natürlich nur dann erfolgreich verlaufen, wenn das wichtige Dreieck Schule-Elternhaus-Schüler gut und dem gemeinsamen Ziel dienlich funktioniert.

Sind Sie in Ihrer Schulzeit ein guter Schüler gewesen und was war zu dieser Zeit anders als heutzutage?

Gegenfrage: Was ist ein guter Schüler bzw. woran misst man einen guten Schüler? Mit der Berufserfahrung von heute stelle ich immer wieder fest, dass es nicht unbedingt der Schüler mit der größten Menge an Einsen und Zweien auf dem Zeugnis sein muss, der im späteren Leben seinen für ihn guten und richtigen Weg geht. Schließlich geht es um die Gesamtpersönlichkeit, die sich natürlich auch schon in der Schule entwickelt und das in unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Ein guter Schulabschluss hilft dabei, ist aber nicht alles. Aus meiner persönlichen Wahrnehmung ist es für mich diesbezüglich gut gelaufen. Zu meiner Schulzeit hatten wir über lange Jahre recht konstante Abläufe. Wir haben in den letzten Jahren viele gesellschaftliche Veränderungen erlebt, die natürlich auch den Bildungsbereich betroffen haben. Oft war deshalb in den letzten Jahren nur die Veränderung die Konstante.

Derzeit liest und hört man viel über das Problem Lehrermangel, was ist Ihre Meinung dazu und wie rücken Sie dem Problem des Unterrichtsausfalls zu Leibe?

Tatsächlich ist es schade, dass der aus der Schulpraxis heraus schon vor 12 -15 Jahren  prognostizierten Schülerzahlentwicklung nicht die Beachtung geschenkt wurde, die sie verdient hätte. Die derzeit politisch Verantwortlichen müssen dem nun entgegenwirken und eine entsprechende Zahl an Lehrern ausbilden, um eine für den Schulbetrieb sinnvolle Unterrichtsversorgung zu gewährleisten, die zudem Spielraum für die wichtigen außerunterrichtlichen Aktivitäten und die Qualitätsentwicklung zulässt.

Zudem werden derzeit neue Fachlehrpläne eingeführt und Schulen stehen vor weiteren Herausforderungen, wie z. B. der Digitalisierung im Unterrichtsprozess. Eine stabile und ausreichende Zahl an Fachlehrkräften wäre hierfür wichtig, ist aber nicht überall gegeben. Deshalb müssen Schulen zum Teil einander aushelfen bzw. schulintern Kompromisse finden.
Natürlich sind die Leser neugierig, was hinter Ihrer Tür passiert. Wie sieht denn der typische Arbeitstag eines Schulleiters aus?
Ein Querschnitt, also nicht täglich in gleicher Intensität: Früh mit der Sekretärin abstimmen, ob es aktuell etwas Neues gibt. Die Postmappe sichten und bearbeiten. E-Mails beantworten. Unterrichten. Telefonate führen. Fachliche, pädagogische oder schulorganisatorische Aspekte mit Fachlehrern und Klassenleitern besprechen.

Für die Schule wichtige Termine in der Stadt oder im Land wahrnehmen. E-Mails schreiben. Sich in der Schulleitung abstimmen. Im Unterricht hospitieren. Eltern- und Schülergespräche führen. Nachmittags oder gegen Abend weitere Termine in der Schule und außerhalb wahrnehmen. 

Das Gymnasium steht heute mehr denn je im Wettbewerb mit anderen Schulformen und Schulen. Wie gehen Sie damit um?
Mit der nötigen Gelassenheit. Oft kennt man sich untereinander und niemand kann daran interessiert sein, dem anderen auf unfaire oder unangemessene Weise „weh“ zu tun. Die eine Schule hat ein besonderes Merkmal, die nächste Schule ein anderes.

Sie sind seit 1991 in dieser Schule und seit 2012 Schulleiter, Sie haben viel in den 27 Jahren bewegt, was alles hat sich da verändert?

Die Schule wurde, nicht zuletzt dank des Engagements meines Vorgängers im Amt, von 1992 -1998 generalsaniert, ich selber hab mich für die städtische Sanierung und Modernisierung der Astronomischen Station mit Planetarium und Beobachtungsstation eingesetzt, welche ja dann 2009 erfolgreich abgeschlossen werden konnte. In diesem Zusammenhang entwickelte sich dann auch die „Lange Nacht der Sterne“, die wir dieses Jahr zum 15. Mal ausrichten, zu einem stark von der Bevölkerung frequentierten Event aus Astronomie und Unterhaltung.

Als Schulleiter habe ich dann ein schon lange gefordertes, aber noch nicht umgesetztes Projekt, konkreter in Angriff genommen, die Zweifeld-Sporthalle. Baulich entstand zudem ein Aufenthaltsraum für Schüler, die Schulbibliothek bekam einen neuen Ort, die Kunsthütte wurde saniert, des Weiteren gab es im Inneren der Schule mehrere sanierende Maßnahmen. Auch die technische Ausstattung jedes Raumes wurde modernisiert.

Welche Schwerpunkte setzen Sie sich in diesem Jahr als Schulleiter, es fehlt ja noch ein großes Puzzleteil – Stichwort Turnhalle?
Für dieses und die nächsten Schuljahre sehe ich einige Schwerpunkte. Seit Jahren müssen wir mit einer Außenstelle arbeiten, um für alle Klassen genügend Unterrichtsräume vorhalten zu können. Ein Anbau auf unserem Schulgelände soll diesen Zustand beenden. Die Sporthalle ist ein ganz wichtiger Punkt, um unseren Lehrern und Schülern endlich die Möglichkeit zu geben, die geforderten Inhalte des Fachlehrplans in einem angemessenen Umfeld umsetzen zu können.

Die bisherige zu kleine Turnhalle würde dann wieder, wie ursprünglich vorgesehen, zur Aula des Gymnasiums werden.
Herr Teichert, Sie sind Vorsitzender des Schwabevereins in Dessau, eine himmlische Angelegenheit, was hat es damit auf sich?
Der Schwabe-Verein Dessau e. V. gründete sich im Herbst 1997, um zum einen der Öffentlichkeit die Dessauer Persönlichkeit Samuel Heinrich Schwabe (1789 - 1875) näherzubringen. Der Apotheker, Botaniker und Astronom hat u. a. die 11-jährige Periodizität der Sonnenflecken entdeckt. Zum anderen haben wir uns als Verein seit Beginn für die Generalsanierung der Astronomischen Station eingesetzt.

Seit Planetarium und Beobachtungsstation wieder im Einsatz sind, bieten wir für die interessierten Bürger regelmäßig öffentliche Vortrags- und Beobachtungsabende an, laden zu besonderen Himmelsereignissen ein oder empfangen verschiedenste Besuchergruppen, zu denen auch Schüler anderer Schulen im Rahmen des Astronomie-Unterrichts gehören.

Kurz und knapp:
Was schätzen Sie an sich selber?
Hmmm - in der Eigenwahrnehmung würde ich sagen: Zuverlässigkeit - Ehrlichkeit – Fleiß.

Was schätzen Sie an anderen?
Zuverlässigkeit – Ehrlichkeit – Fleiß – Vertrauen.

In zehn Jahren…?
… wird unser Dank der abgeschlossenen baulichen Veränderungen noch attraktiver gewordener gymnasialer Gropiuscampus hoffentlich seit mindestens 5 Jahren fertig sein, damit ich mich in aller Ruhe den dann bald notwendigerweise anstehenden Überlegungen hinsichtlich des nächsten Lebensabschnitts widmen kann.

Für welche drei Dinge in Ihrem Leben sind Sie am dankbarsten?
Gute Freunde. Gesundheit. Wohnen im Dessau-Wörlitzer Gartenreich.

Auf was könnten Sie in Ihrem Leben nicht verzichten?
Gute Musik und ruhige entspannte Momente, gern in netter Gesellschaft.

Welcher Mensch kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Wort erfolgreich hören?
Jeder Mensch, der ein selbst gestecktes Ziel auf ehrliche und faire Weise erreicht hat und dabei auf dem Boden geblieben ist.

Vielen Dank Herr Teichert für den Sommerplausch und einen angenehmen Tag sowie eine sternenreiche und sportliche Zeit sowie viel Erfolg als Gropiusschulleiter in turbulenten Zeiten. (Anmerkung: Das Interview haben wir gekürzt, das ganze Interview finden Sie auf unserer Homepage)

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