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Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 15.02.2019 um 09:11:00

„Terror“ von Ferdinand von Schirach am Alten Theater in Dessau: Haftstrafe oder Freispruch? Das Publikum entscheidet!

Von links nach rechts: Illi Oehlmann als Staatsanwältin Nelson, Mirjana Milosavljević als Franziska Meiser, Angela Sanftenberg als Protokollführerin, Stefan Reck als Vorsitzender, Stephan Korves als Christian Lauterbach, Andreas Hammer als Angeklagter Lars Koch und Christel Ortmann als Verteidigerin Biegler. Von links nach rechts: Illi Oehlmann als Staatsanwältin Nelson, Mirjana Milosavljević als Franziska Meiser, Angela Sanftenberg als Protokollführerin, Stefan Reck als Vorsitzender, Stephan Korves als Christian Lauterbach, Andreas Hammer als Angeklagter Lars Koch und Christel Ortmann als Verteidigerin Biegler.
Foto: Claudia Heysel
In Deutschlands meistdiskutiertem Stück fällen die Zuschauer das Urteil. 

Dessau (ak). Wer sich auf Ferdinand von Schirachs Schauspiel „Terror“ einlässt, erlebt keinen entspannten Theaterabend. Schon gar nicht im Alten Theater Dessau. Im dunklen fensterlosen Raum, auf nicht sehr bequemen Stühlen folgen 90 Zuschauer dem Geschehen auf der kleinen funktionalen Bühne. 
Das grell-weiße Bühnenbild bildet den Rahmen für den sterilen Gerichtssaal, in dem das meistgespielte zeitgenössische Theaterstück in der Inszenierung von Wolfgang Hagemann seinen Lauf nimmt.

Schon nach den ersten Minuten ist klar, dass es hier nicht um große Emotionen und Gefühle geht, sondern um gegensätzliche Rechtsauffassungen, juristische Wortspielereien und jede Menge sperrigen Text, den die Schauspieler zu bewältigen ha­­ben.
Dass Bestsellerautor Schirach als Strafverteidiger den perfekten juristischen Background für sein Gerichtsdrama mitbringt, macht die Sache dann doch sehr schnell spannend. Zumal sich die Dessauer Inszenierung auch juristische Beratung bei Staatsanwalt Gunnar von Wolffersdorff eingeholt hat. 

Kaum hat der Vorsitzende Richter (Stefan Reck) die Verhandlung gegen Major Lars Koch (Andreas Hammer) eröffnet und die Anklageschrift verlesen, fühlt sich das Publikum als Teil des Gerichtsverfahrens. Einige Zuschauer hält es fast nicht auf den Stühlen. Sie wollen - wie es sich bei Gericht gehört - aufstehen, wenn der Richter den Saal betritt. Es wird getuschelt und kommentiert ...

Das Szenario, das Schirach als Grundlage für sein erstes Theaterstück (das 2016 auch verfilmt wurde), gewählt hat, ist erschreckend realistisch: Terroristen haben ein Flugzeug entführt und steuern auf die vollbesetzte Allianz Arena zu. Major Lars Koch, Pilot eines Eurofighters, trifft in wenigen Minuten eine Entscheidung und schießt das Passagierflugzeug ab. Damit rettet er 70.000 Menschen im Fußballstadion das Leben, nimmt aber den Tod der 164 Passagiere in Kauf. Nun steht er vor Gericht. Ist er schuldig oder nicht?
Darüber soll am Ende das Publikum als Schöffengericht entscheiden.

Argumente, die für einen Freispruch, aber eben auch für einen Schuldspruch sprechen, liefern Verteidigerin Biegler (Christel Ortmann) und Staatsanwältin Nelson (Illi Oehlmann). Gerade hat man sich für die komplexen Ausführungen der Staatsanwältin erwärmt, die klar und deutlich sagt, man darf ein Leben niemals gegen ein anderes Leben abwägen und sich auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts beruft, da hält die Verteidigung dagegen und wirft Fragen auf: Warum wurde das Stadion nicht evakuiert? Ist es nicht sogar heldenhaft, wenn sich der Pilot in dieser Extremsituation dafür entscheidet, wenige Menschen zu opfern, um viele zu retten, auch wenn er genau weiß, dass das für ihn weitreichende Konsequenzen haben wird? Wurde er nicht genau für solche Situationen ausgebildet?

Dass es sich bei Major Lars Koch um einen bisher untadligen, zielstrebigen, intelligenten und sympathischen jungen Mann handelt, macht die Entscheidung nicht einfacher. 

Als Mitanklägerin tritt Franziska Meiser (Mirjana Milosavljevic) auf, deren Mann in der abgeschossenen Maschine saß. Christian Lauterbach (Stephan Korves) hatte Dienst in der Luftüberwachung und wird als Zeuge vernommen, der am Ende selbst über offene Fragen stolpert.

In den ersten beiden Aufführungen in Dessau stimmte das Publikum für Freispruch (104 Freispruch; 75 schuldig) und liegt damit im weltweiten Trend. Seit 2015 haben über den Erdball verteilt mehr als 100 Theater das Stück gezeigt, 63 Prozent der Zuschauer haben bisher für Freispruch plädiert. Ausnahme ist Japan, wo der Angeklagte in 15 von 23 Vorstellungen schuldig gesprochen wurde. 

In der Urteilsverkündung wird es auf den Punkt gebracht: Das ethisch-moralische Dilemma ist nicht auflösbar und wirft die Frage auf, ob Vorschriften und Gesetze in einer demokratischen Gesellschaft überhaupt noch in der Lage sind, auf die Bedrohungen des Terrorismus angemessen zu reagieren?

Ein auf jeden Fall lohnenswerter, etwas anderer Theaterabend, der trotz der Textlängen spannend bleibt. 
Dem Dessauer En­­semble gelingt es, professionell und glaubwürdig  in die nüchtern-geschäftsmäßige  Ge­­richts­­atmosphäre einzutauchen. 

Die nächsten Vorstellungen im Alten Theater Dessau:

21. Februar, 15 Uhr; 
23. Februar, 20 Uhr, 
25. Februar, 15 Uhr, 

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