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Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 23.08.2019 um 15:06:19

Der Ort zum Sonntag: Das Freizeitbad Rodleben

Schwimmmeister Jürgen Necker ist seit 30 Jahren für die Eins-a-Qualität des Wassers in den beiden Becken zuständig. Schwimmmeister Jürgen Necker ist seit 30 Jahren für die Eins-a-Qualität des Wassers in den beiden Becken zuständig.
Foto: Anke Katte Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder)
Themenjahr im Super Sonntag 2019: 

Nach Löschteich-Eklat entsteht Freibad

Dessau (ak). In diesem Jahr begeben sich die Reporter auf eine Reise zu Orten, die gewöhnlich, außergewöhnlich und ungewöhnlich sind. 
Der aktuelle Ort zum Sonntag ist das Freizeitbad in Rodleben, das eine interessante Vorgeschichte hat.
Denn eigentlich verdankt der kleine  Ort, der  bereits seit 2005 zur Stadt Dessau gehört, sein wunderschönes, himmelblaues Freibad dem ehemaligen Betriebsdirektor des VEB DHW (Deutsches Hydrierwerk Rodleben). 

Dr. Ludwig Brüsehaber traf Mitte der 1980er Jahre die Entscheidung, dass der bis dahin von Werksangehörigen, Einwohnern und Kindern als Schwimm- und Badegelegenheit gern und oft genutzte Löschteich des Chemiebetriebes ab sofort tabu ist. Viele Jahre war der Löschteich, der über eine Dampfeinspeisung beheizt wurde, ein beliebtes Schwimmbad, in dem es sogar einen Sprungturm und einen werkseigenen Schwimmmeister gab, die Attraktion. Frank Rumpf, seit 13 Jahren Ortsbürgermeister in Rodleben, hatte darin als Kind schwimmen gelernt und seine 1. Stufe erlangt. 

 „Aufgrund der Nähe zum  Ammoniak-Lager und den damit verbundenen Sicherheitsrisiken für  Leib und Leben  wollte und konnte ich die Verantwortung nicht mehr übernehmen. Stellen sich sie vor, was im Falle einer undichten Stelle beim Umladen alles  hätte passieren können. Wenn dann auch noch Kinder betroffen gewesen wären, eine Katastrophe ...“, erzählt der heute im Ruhestand befindliche ehemalige Werksleiter beim Vorort-Termin im Rodlebener Freizeitbad,  das er bei unserem Termin zum ersten Mal betreten hat. 

Sein Entschluss, das Werksbad zu schließen, sorgte damals für gehörigen Wirbel. Es hagelte Eingaben bis hinauf zu Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Der DHW-Chef wurde vor den Rat des Kreises und zu einer Krisensitzung in die SED-Kreisleitung geladen, auch der Chemieminister schaltete sich ein. Schließlich bekam das DHW den Auftrag, an anderer Stelle ein Ersatzbecken zu schaffen. Das DHW erhielt eine entsprechende Baukennziffer und finanzierte den  Bau des kommunalen Schwimmbades, das 1987 eröffnet wurde.

Seitdem lockt das Freizeitbad Rodleben jeden Sommer viele Sonnenanbeter und Wasserratten aus nah und fern an.
 „Klar ist ein Schwimmbad für einen so kleinen Ort wie Rodleben absoluter Luxus, aber wir bekennen uns als Ortschaftsrat klar dazu. Wir möchten unseren Einwohnern und Gästen ein Stück Lebensqualität bieten. Zumal unser Freizeitbad auch dazu beiträgt, dass möglichst viele Kinder frühzeitig schwimmen lernen. Die Kindertagesstätte und die Grundschule sind hier regelmäßig zu Gast“, betont Ortsbürgermeister Frank Rumpf. 

Auch wenn Rodleben aufgrund der hier ansässigen Unternehmen und der im Zuge der freiwilligen Eingemeindung damals ausgehandelten Sonderregelungen relativ gut da steht, ist der Unterhalt des Schwimmbades Jahr für Jahr eine Herausforderung. Allein schon die Pflege der großzügigen Liegewiesen bedarf Technik und Personal.

Das Ganze funktioniert in Rodleben nur, da der Schwimmmeister und sein Miniteam gleichzeitig im Bauhof der Gemeinde angestellt sind. Bei schönem Wetter ist Jürgen Necker als Schwimmmeister für die Sicherheit der Badegäste, die Qualität des Wassers und die Pflege und Wartung der Technik verantwortlich. Wenn es die Sonne nicht so gut meint, bleibt das Bad geschlossen.

Bei 38 Grad Luft und 26 Grad Wassertemperaturen zählte das Rodlebener Freizeitbad in diesem Sommer an manchen Tagen über 800 Besucher. 

Erwachsene zahlen drei Euro und Kinder einen Euro Eintritt.

Die Bewirtschaftung des Kioskes hat sich trotzdem leider nicht gelohnt, so dass vor kurzem auf Automatenbetrieb umgestellt wurde. Hier gibt es neben Heiß- und Kaltgetränken auch kleine  herzhafte oder süße Speisen. 

Zu den Stammgästen gehören neben den Mädchen und Jungen der benachbarten Grundschule und der Kindertagesstätte auch viele Schulen und Kindereinrichtungen aus Dessau-Roßlau und Zerbst sowie das Jugendrotkreuz und die freiwillige Feuerwehr.
 In beiden Becken kann man nicht nur planschen und toben, sondern auch das Schwimmen erlernen, das „Seepferdchen“ und die entsprechenden Schwimmabzeichen erwerben. 

 

Leserkommentare:


Wilke , ROSSLAU :
"Durch die Tolle Bewirtung hat das Bad auch viele Gäste verloren! SCHADE ES gab übrigens einen Bewerber!"


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