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Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 16.09.2019 um 08:53:46

Vor 100 Jahren in Dessau – Junkers F 13 im „Höhenrausch“

Die Junkers F 13 „Annelise“, benannt nach einer Junkers-Tochter, unmittelbar nach dem Weltrekordflug in Dessau am 13. September 1919, mitsamt der Besatzung (von links nach rechts): Kurt Erfurth, Fritz Müller, Pilot Emil Monz, darunter sitzend mit dem Höhenschreiber Robert Gsell, Werner Duckstein, darunter Franz-Wilhelm Schmitz, Georg Madelung und Ernst-Friedrich Brandenburg.  Die Junkers F 13 „Annelise“, benannt nach einer Junkers-Tochter, unmittelbar nach dem Weltrekordflug in Dessau am 13. September 1919, mitsamt der Besatzung (von links nach rechts): Kurt Erfurth, Fritz Müller, Pilot Emil Monz, darunter sitzend mit dem Höhenschreiber Robert Gsell, Werner Duckstein, darunter Franz-Wilhelm Schmitz, Georg Madelung und Ernst-Friedrich Brandenburg.
Foto: Archiv, Helmut Erfurth
„Wellblech“ fliegt  Weltrekord 

Ein Beitrag von Diplom-Ingenieur Helmut Erfurth.  

Vor 100 Jahren - am 13. September 1919 - stellte eine Junkers F 13, das erste Ganzmetall-Kabinen-Verkehrsflugzeug der Welt, mit einer Besatzung von acht Personen über Dessau einen für die damalige Zeit beeindruckenden Höhenweltrekord auf. Einmotorig mit einem BMW-Motor von nur 185 PS (136 kW) ausgerüstet, erreichte das in freitragender Tiefdecker-Duraluminium-Bauweise ausgerüstete Flugzeug mit einer Flugmasse von 2400 kg in 86 Minuten eine bis dahin unerreichte Höhe von 6.750 Meter über dem Meeresspiegel. Dieser „Höhenflug“ war der erste Rekord dieser Art für Deutschland. 

Flugzeuge für den Passagier- und Frachtverkehr zu entwickeln, sah Prof. Hugo Junkers (1859-1935) als eine vordringliche und wirtschaftliche Aufgabe jener Zeit an. Mit einem siebenköpfigen Ingenieur-Team entwickelte der Konstrukteur Otto Reuter (1886-1922) im Dessauer Junkers-Flugzeugwerk ab Januar 1919 einen völlig neuartigen Flugzeugtyp, der heute zu Recht als Vorläufer aller späteren Verkehrsflugzeuge und als Urahn der Ganzmetall-Bauweise gilt. 

Die Neuartigkeit der Bauweise mit dem gewellten Duraluminiumblech, einer erprobten Aluminium-Legierung, brachte hervorragende Flugeigenschaften bezüglich Statik, Tragfähigkeit und dem Schutz der Insassen. Die Wellblech-Verkleidung des Flugzeuges und die in sich statisch geschlossene Bauweise revolutionierten alle bisher angewandten Konstruktionen und Fertigungstechniken. 
Hohe Qualitätsmaßstäbe für Sicherheit im Flugbetrieb für Personal und Passagiere wurden gesetzt. Deren Realisierung erforderte ein neues Ingenieurdenken in Konstruktion und Technologien. Pionierarbeit war gefragt und in den Junkers-Werkstätten wurde sie mit qualifizierten und motivierten Fachkräften verwirklicht.

So gewann die sich nach dem Ersten Weltkrieg entwickelnde zivile Verkehrsluftfahrt zunehmende Akzeptanz, denn diese Junkers-Maschine überzeugte Fluggäste wie Expeditionsfirmen, nahm dem in den Anfängen steckenden Wirtschaftszweig des Flugwesens den Nimbus risikoreicher Ungewissheit und unwirtschaftlicher Extravaganz. 

Angeregt aber auch erleichtert über diesen großen Erfolg seines „Produktes“ hielt Professor Junkers am 10. Dezember 1919 vor der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt einen Vortrag über die Leitziele einer künftigen Luftfahrtindustrie, der international stark beachtet wurde. Insbesondere der 1921 mit einer Junkers F 13 durchgeführte Dauerflug-Weltrekord mit 26:19:00 Stunden überzeugte.

Der Name Hugo Junkers entwickelte sich weltweit zu einem Qualitätsbegriff mit hohen Standards, stand für Erfindergeist, Innovation und technischen Fortschritt. 
Gleichzeitig trug das Flugzeug den Namen der Stadt Dessau in alle Länder. Noch im gleichen Jahr hatte die USA eine größere Serie der F 13 bestellt und auch die in den Ländern Südamerikas gegründeten Fluggesellschaften nutzten vorrangig Junkers-„Fluglimousinen“. Im November 1920 überflog eine Junkers F 13 in 5.200 m Höhe die Anden, 1922 überquerte eine Maschine dieses Typs die Alpen. 

Seit Herbst 1919 bewährte sich die F 13 im ständigen Luftverkehr Ost- und Mitteleuropas. Innerhalb weniger Jahre flog dieser Flugzeugtyp in 32 Ländern, bewährte sich auf allen Kontinenten und Klimazonen in unterschiedlichen Ausrüstungsversionen. Sowohl im heißen Afrika als auch im hohen Norden oder über den großen Weiten Asiens, Australiens und Amerikas hat das Flugzeug seine Zuverlässigkeit bewiesen.

Innerhalb des Produktionszeitraumes von 1919 bis 1932 wurden in den Städten Dessau, Fili bei Moskau und Malmö (Schweden) insgesamt 372 Exemplare der F 13 in über 60 Versionen gebaut. Durch die Auswertungen der praktischen Erfahrungen der Piloten im Flug und der gewonnenen Erkenntnisse innerhalb der Spezifik der Einsatzgebiete konnten mehr als 300 technische Neuerungen vorgenommen werden. Auch das ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung auf der Höhe ihrer Zeit. Die Linien der Luftfahrtgesellschaften von 32 Staaten beförderten insgesamt in 322 Junkers F 13-Maschinen ihre Passagiere. Wenn man bedenkt, dass die Fluggastzahlen pro Maschine plus Besatzung sechs Personen betrug und täglich die Maschinen im Liniendienst standen, so war das tatsächlich ein sprunghaft angestiegener Zweig der Wirtschaft – eine Luftfahrtindustrie mit steigender Tendenz. Hinzu kamen Forschungs- und Erkundungsflüge sowie Sondereinsätze für Hilfs- und Rettungsflüge und im medizintechnischen Dienst. Meistgeflogen und zuverlässig, ein wirtschaftliches Erfolgsmodell, welches die niedrigsten Flug-Ausfälle oder Unfallquoten im Verkehrsflug aufwies. Die am längsten im Flugdienst gestandene Junkers F 13 war die „Nachtigall“, Baujahr 1919, Werk-Nr. 531, Kennung D-1. Zwanzig Jahre lang, zwischen 1926 und 1938, stand sie im Dienste der Lufthansa im zivilen Luftverkehr, bevor sie ab 1939 als Schulungsmaschine zum Einsatz kam, um danach im Museum als früher „Sendbote“ einer friedlichen Weltluftfahrt bewundert werden zu können.

Aktuell bekannt sind weltweit noch fünf Junkers F 13 in Museen erhalten. In München, Budapest, Le Bourget bei Paris, Stockholm und Winnipeg/Kanada. Der Förderverein für das Technikmuseum „Hugo Junkers“ in Dessau besitzt noch ein besonderes Schau-Objekt. Neben einigen historischen F 13-Luftschrauben ist der Nachbau einer originalen Junkers F 13 zu bewundern, den ein erfahrenes Senioren-Team nach originalen Konstruktionsunterlagen, Dokumenten und Berechnungen, von der Aufgabe begeistert, mit viel Engagement und praktischem Sachverstand, Können und Geschick zum Abschluss brachte.

Und last but not least, initiiert von einem privaten Unternehmen fliegt seit zwei Jahren auch wieder eine Junkers F 13, die bereits im letzten Jahr beim Dessauer-Flugplatzfest zu sehen war und auch zum 100-jährigen F 13-Jubiläum im Juni diesen Jahres in Dessau bestaunt werden konnte.

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