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Wochenspiegel > Dessau-Roßlau > Sonderausstellung im Technikmuseum „Hugo Junkers“ Dessau: Brunolf Baade - Vater des ersten deutschen Verkehrsjets >
Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 02.07.2020 um 12:07:10

Sonderausstellung im Technikmuseum „Hugo Junkers“ Dessau: Brunolf Baade - Vater des ersten deutschen Verkehrsjets

Ein Zeitdokument aus der Ausstellung: Im VEB Flugzeugwerk Dresden sollte das erste deutsche Passagierstrahlflugzeug in Serie gehen. Ein Zeitdokument aus der Ausstellung: Im VEB Flugzeugwerk Dresden sollte das erste deutsche Passagierstrahlflugzeug in Serie gehen.
Foto: Anke Katte Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Der Flugzeugbau in der jungen DDR wurde gestoppt.

Dessau (ak). Eine interessante Ausstellung über den Vater des ersten deutschen Verkehrsjets, Brunolf Baade (1904-1969), ist zurzeit im Technikmuseum „Hugo Junkers“ in Dessau zu sehen.

Die Sonderausstellung der Gemeinde Eichwalde bei Berlin und der GBSL e. V. (Gesellschaft zur Bewahrung von historischen Stätten der Luftfahrtgeschichte) mit Unterstützung des Technikmuseums „Hugo Junkers“ Dessau, der Elbe Flugzeugwerke GmbH Dresden und der fau GmbH Berlin wird in dieser Form zum ersten Mal gezeigt. Viele Fotos, Dokumente und Aufzeichnungen aus dem Privatbesitz des Schwiegersohns von Prof. Brunolf Baade sind erstmals zu sehen und geben einen Einblick in das Leben und Wirken des Luftfahrtpioniers.

„Dass die Ausstellung in Dessau gezeigt wird, kommt nicht von ungefähr. Denn schließlich hat Prof. Baade einen großen Teil seines Arbeitslebens in Dessau verbracht“, erklärt Gerd Fucke, Geschäftsführer des Technikmuseums. „Auch in seiner Zeit in Russland und in Dresden fühlte er sich Dessau immer sehr verbunden.“
Gewohnt hat Brunolf Baade während seiner Dessauer  Zeit  in der Oechelhaeuserstraße 33. Dort ist heute noch der Garagenanbau zu sehen, der seinen großen 12-Zylinder Marke Ford beherbergte.

Die beruflichen Stationen führten Brunolf Baade nach mehreren Gelegenheitsjobs, einer Überfahrt als Kohlen-Trimmer auf einem Atlantikdampfer  nach Südamerika und dem Studium an der Technischen Hochschule Berlin zunächst zu den Bayrischen Flugzeugwerken (Messerschmitt). In den USA  handelte er einige  Jahre mit Lizenzen und lernte seine  Frau kennen. Bei einem Aufenthalt in Deutschland ließen ihn die Nationalsozialisten nicht wieder ausreisen. So kam er zur Junkers AG nach Dessau, wo er einen steilen Aufstieg hinlegte. Baade arbeitete mit Chefkonstrukteur Ernst Zindel, Entwicklungschef Heinrich Hertel und Generaldirektor Heinrich Koppenberg an der Weiterentwicklung mehrerer Junkers-Maschinen.

Nach kurzer amerikanischer Gefangenschaft versuchte er, nach dem Krieg mit anderen Junkers-Ingenieuren die Industrie und den Wiederaufbau in Dessau in Gang zu setzen. Die Junkers-Werke, in denen die Amerikaner kaum etwas zurückgelassen hatten, standen jetzt unter der Führung eines  Offiziers der Sowjetarmee. 3.000 Facharbeiter und Ingenieure wurden in der sowjetischen Aktiengesellschaft eingestellt, um neue Flugzeuge zu entwickeln. Chefkonstrukteur der Entwicklungsabteilung wurde Baade. In einer Nacht- und-Nebel-Aktion wurde das komplette Junkers-Werk samt Mitarbeiter, Windkanälen und Lagerbeständen 1946 nach Osten in die Sowjetunion verlegt. In der Nähe von Moskau war Baade mit der Entwicklung von Hochleistungsflugzeugen betraut.
Nach Stalins Tod kehrten die Junkers-Leute 1954 samt ihrem Wissen in ihre Heimat zurück.

In der jungen DDR erhielt Baade mit seiner hochqualifizierten Mannschaft den  Bauauftrag für das Strahlflugzeug „152“ für den Zivilbedarf der UdSSR. Die Maschine sollte bis zu 72 Passagieren Platz bieten und eine Reisegeschwindigkeit von 850 km/h erreichen.

Am 4. Dezember 1958 absolvierte der erste deutsche Verkehrsjet in Dresden-Klotsche erfolgreich seinen Erstflug. Am 4. März 1959 startete die Maschine in Dresden mit dem Ziel Leipzig. Dort wollte Walter Ulbricht beim Messerundgang Nikita Chruschtschow mit dem „Superjet“ aus Dresden überraschen und die Verträge unter Dach und Fach bringen. Aber schon kurz nach dem Start in Dresden, bei einem für Fotozwecke geplanten Sinkflug, stürzte die „152“ ab. Alle vier Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Obwohl danach eine zweite Maschinen vom Typ „152“ noch zweimal erfolgreich flog, wurde das Programm von oberste Stelle unter recht mysteriösen Umständen 1961 komplett eingestellt.

Prof. Baade wurde Chef des Instituts für Leichtbau und ökonomische Verwendung von Werkstoffen, das u. a das Gewicht von Doppelstock-Zügen radikal reduzierte und Rundbogendächer für die typischen DDR-Turnhallen entwickelte.

Die Sonderausstellung ist bis zum 30. September 2020 zu sehen.

Info

Technikmuseum „Hugo Junkers“
Kühnauer Straße 161a
06846 Dessau-Roßlau
Tel. 0340  66 11 982
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr; letzter Einlass: 16 Uhr


 

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