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Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 13.10.2020 um 14:04:42

Sie halten für Anhalt die Fahne hoch

Harald Rupprecht (r.), Präsident des Anhaltischen Heimatbundes, Vizepräsident Prof. Dr. Holger Baumann (2. v. l.), die Vorstandsmitgliedern Maren Springer-Hoffmann (M.) und Kerstin Bittner (l.) sowie Gründungsmitglied Helmut Erfurth. Harald Rupprecht (r.), Präsident des Anhaltischen Heimatbundes, Vizepräsident Prof. Dr. Holger Baumann (2. v. l.), die Vorstandsmitgliedern Maren Springer-Hoffmann (M.) und Kerstin Bittner (l.) sowie Gründungsmitglied Helmut Erfurth.
Foto: Anke Katte Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder)
Vor 30 Jahren wurde der Anhaltische Heimatbund e. V. (AHB) gegründet - ein Rück- und Ausblick.

Von Anke Katte

Was ist heute noch von Anhalt geblieben? Ist es mehr als nur ein Teil der Namen des Bundeslandes Sachsen-Anhalt und des Landkreises Anhalt-Bitterfeld? Wer fühlt sich der Region in Mitteldeutschland noch als Anhalter verbunden? Spielt die Geschichte der Askanier und ihres Urvaters Albrecht I. (Albrecht der Bär), der von Ballenstedt im Harz aus nicht nur die Mark Brandenburg, sondern auch das Fürstentum Anhalt gründete, in der heutigen Wahrnehmung noch eine Rolle?

Diesen und weiteren Fragen widmen sich die Mitglieder des Anhaltischen Heimatbundes e. V. (AHB), der im September 1990 gegründet und am 2. Oktober 1990 – also einen Tag vor der Deutschen Einheit – in das Vereinsregister eingetragen wurde.
Am 2. Oktober 2020 stand eigentlich die Feier des 30-jährigen Jubiläums des Heimatbundes auf dem Plan. Corona-bedingt muss diese nun leider auf das kommende Jahr verschoben werden.

Der Wochenspiegel nimmt das Jubiläum zum Anlass, um gemeinsam mit Harald Rupprecht, Präsident des Anhaltischen Heimatbundes, Vizepräsident Prof. Dr. Holger Baumann und den Vorstandsmitgliedern Maren Springer-Hoffmann und Kerstin Bittner sowie Gründungsmitglied Helmut Erfurth die 30 Jahre Revue passieren zu lassen und einen Ausblick auf die Zukunft des Heimatbundes zu geben.

Das anhaltische Erbe erhalten und Traditionen pflegen

Der Herbst 1990 war eine bewegte Zeit, in der die Ländergrenzen im Gebiet der ehemaligen DDR wieder einmal neu gezogen werden sollten. Gerade jetzt war es geschichts- und heimatbewussten Bürgern wichtig, das anhaltische Erbe für die Bewohner dieses Landstrichs zu bewahren und zu erforschen.

Die ersten Treffen zur Vorbereitung der Gründung des Anhaltischen Heimatbundes fanden in der „Alten Post“ und in den „Kienfichten“ statt, erinnert sich Autor und Publizist Helmut Erfurth. Zu den Protagonisten gehören außerdem Familie Böhm und Otto Nickel, dank deren Kontakte mit Eduard Prinz von Anhalt ein legitimer Nachfahre des Geschlechts der Askanier als Ehrenmitglied des jungen Vereins gewonnen werden konnte. Auch aus Köthen, Bernburg und Ballenstedt fanden sich schnell Interessierte, ebenso wie Vertreter der Kreise Bitterfeld, Jessen und Wittenberg, die damals zu dem im Aufbau befindlichen Regierungsbezirk Dessau gehörten.

Als Zweck und Aufgabe hat sich der AHB der Heimatkunde und Regionalgeschichte, der Denkmalpflege, dem Umwelt- und Naturschutz sowie dem Erhalt von gemeinnützigen Einrichtungen verschrieben. Die geschichtliche Bedeutung des historischen Landes Anhalt und seiner Persönlichkeiten sollen in unterschiedlichster Form vermittelt und eine Identität zur anhaltischen Heimat entwickelt werden.
 
Zu einer der ersten Veranstaltungen, die der AHB als Partner mit organisierte, gehörte 1991 das bis heute alljährlich beliebte Frühlingssingen der Chöre der Sängerkreises Anhalt-Dessau e. V. im Anhaltischen Theater.

Ein nächster Höhepunkt war der gemeinsam mit dem Sängerkreis und mit Unterstützung der Stadt überregional ausgeschriebene Kompositionswettbewerb anlässlich der Wilhelm-Müller-Ehrung 1994. Mehr als 50 Beiträge mit Vertonungen von Werken des Dichters, Schriftstellers und Geisteswissenschaftlers gingen zu seinem 200. Geburtstag ein.

Von 1992 bis 1996 vergab der AHB im zweijährigen Turnus den Anhaltischen Literaturpreis, gestiftet von Prinz Eduard von Anhalt. Die prämierten Arbeiten wurden ebenso wie die Chorkompositionen in Sonderheften veröffentlicht.

Am 10. Dezember 1993 fand im Spiegelsaal des Köthener Schlosses der erste Anhalt-Tag unter Federführung des AHB statt. In seiner Eröffnungsrede hob der damalige Präsident des AHB, Dr. Gert Hoffmann, die Bedeutung der Heimatverbundenheit hervor: „Die Menschen brauchen Halt, eine Verwurzelung. Wenn wir die Abwanderung junger Menschen aus unserem Raum stoppen wollen, müssen wir ihnen unsere Geschichte nahe bringen, unsere Kultur und Natur wiedergeben“ und – wie es Vater Franz 1817 auf seinem Sterbelager sagte: Man muss für Arbeit sorgen, darauf kommt alles an.“
Weitere Anhalt-Tage in Bernburg und Zerbst folgten, später wurde daraus der landesweit begangene Sachsen-Anhalt-Tag.

Dem Engagement des AHB ist es mit zu verdanken, dass die historische Start- und Landebahn des ehemaligen Junkers-Flugzeugwerkes  unter Denkmalschutz gestellt wurde. Später wurde der Hugo-Junkers-Flugplatz neu angelegt und das Junkers-Hochhaus als Sitz für das Regierungspräsidium, heute Landesverwaltungsamt, umgebaut.

Schon seit 1990 ist der AHB finanzieller und logistischer Partner des alljährlichen Drehbergfestes des Gymnasiums Philanthropinum. Leider fiel das traditionsreiche Schulfest in diesem Jahr auch der Corona-Pandemie zum Opfer.

Zwischen 1995 und 2014 fanden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt Bonn, der Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte Berlin und dem Förderverein des Technikmuseums „Hugo Junkers“ Dessau Symposien über den Dessauer Raketenpionier Johannes Winkler, zur Raumfahrtforschung, zur einstigen Autobahn-Weltrekordstrecke auf der A 9 und zu Strategien zur Ansiedlung innovativer Industrieunternehmen in der Region statt.

Was kann nach dem Höhepunkt „Anhalt 800“ noch kommen?  

Unbestrittener Höhepunkt in der 30-jährigen Vereinsgeschichte des Anhaltischen Heimatbundes (AHB) dürfte das Jahr 2012 gewesen sein, in dem das 800-jährige Anhalt-Jubiläum begangen wurde.

Die Doppelstadt war aus diesem Anlass Gastgeber für den Sachsen-Anhalt-Tag. Zur Eröffnung des Landesfestes stellten Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff, der damalige Präsident des AHB, Peter Kuras und der Verleger Janos Stekovics das Buch „800 Jahre Anhalt“ vor. 21 namhafte Autoren hatten darin zu verschiedenen Themen Anhalts Beiträge geliefert und ein reich bebildertes, 577 Seiten starkes Kompendium geschaffen. Es ist dem Verdienst des AHB unter seinem damaligen Präsidenten zu verdanken, das damit ein neues Standardwerk zur Landesgeschichte Anhalt herausgegeben werden konnte.
Das Buch war innerhalb weniger Wochen vergriffen. Für eine Neuauflage fehlte es außerhalb des Jubiläumsjahres bislang an den nötigen finanziellen Mitteln. Vielleicht findet sich auf diesem Wege ein an der Landesgeschichte interessierter Sponsor …

„Ich habe den Eindruck, dass Anhalt nach seinem großen Jubiläum im Jahr 2012 bei der Landesregierung wieder etwas in Vergessenheit geraten ist. Unser Verein arbeitet ausschließlich ehrenamtlich und bekommt keinerlei institutionelle Förderung. So fehlen uns für Veröffentlichungen oder viele Projekte, die uns sehr am Herzen liegen, leider die Mittel“, erklärt Vereinspräsident Harald Rupprecht.

Trotzdem haben er und seine Mitstreiter sich nach „Anhalt 800“ neu fokussiert und machbare Ziele entsprechend der Satzung entwickelt. Im Präsidium und Vorstand wurde ein Zukunftskonzept erarbeitet, mit dem es gelungen ist, neue Inhalte der Vereinsarbeit und Angebote für Mitglieder sowie interessierte Bürger der Region Anhalt auf den Weg zu bringen. „Wir wollen das Interesse für unsere Region Anhalt neu wecken und haben dafür mehr Formate entwickelt.

„Anhalt-Text“

Im Rahmen dieses Formats finden Lesungen von Autoren und Persönlichkeiten der Zeitgeschichte statt. So stellte z. B. Dr. Gert Hoffmann, Regierungspräsident a.  D., Auszüge aus seinem Buch „Von Irrwegen in die Verantwortung“ vor.

„Anhalt-Tour“

Jährliche Exkursionen führen zu historischen anhaltischen Orten. Stationen der „Anhalt-Touren“, die nicht nur für Mitglieder, sondern für alle Interessierten angeboten werden, waren u. a. das Sachsenspiegel-Dorf Reppichau, Zerbst, Ballenstedt und gerade erst Bernburg.

„Anhalt-Töpfe“

Gemeinsam mit dem Brauhaus Dessau wurde 2019 erstmals ein Abend mit anhaltischen Gerichten sowie Anekdoten aus dem Fürstentum Anhalt organisiert. Die Veranstaltung war innerhalb kürzester Zeit ausgebucht.

„Diese Formate wollen wir weiter entwickeln und ausbauen, ebenso wie die Zusammenarbeit mit anderen Heimatvereinen. Dafür benötigen wir neben den Beitragseinnahmen aber auch Sponsoren aus der Wirtschaft und eine öffentliche Förderung. Dazu erwarten wir ein klares Bekenntnis der Landesregierung zu unserem Anhalt“, so Harald Rupprecht ausblickend.

Kontakt

Wer sich für die Arbeit und Veranstaltungen des Anhaltischen Heimatbundes interessiert, findet ausführliche Informationen auf: www. anhaltischer-heimatbund.de.

Die Ehrennadel - eine exklusive Auszeichnung:

Seit 2016/17 verleiht der Anhaltische Heimatbund die Ehrennadel. Damit werden Personen, die sich im Sinne der Zielstellungen des Heimatbundes um Anhalt, seine Traditionen und Geschichtspflege besonders verdient gemacht haben, ausgezeichnet.
Erst sechs Personen wurde diese besondere Ehre bisher zuteil:
2016/17: Dr. Gisela Nobis (Vorstandsmitglied AHB), Helmut Erfurth (Historiker, Publizist), Prof. Erhard Hirsch (Germanist, Kulturhistoriker, Altphilologe)
2018: Werner Hellmich (Heimat- und Trachtverein Radegast). Doris Berlin (Bürgermeisterin a. D, Coswig)
2019: Brunhild Höhling (Heimatforscherin, Publizistin)

Die Präsidenten des Anhaltischen Heimatbundes e. V.:

Otto Nickel - ab 1990
Dr. Gert Hoffmann - ab 1992
Peter Kuras - ab 1998
Frank Junkert - ab 2015
Harald Rupprecht  - ab 2018

Anhalt und die Askanier:

Die Grafschaft Anhalt entwickelte sich aus dem Schwabengau und dem Gau Serimunt im 11./12. Jahrhundert als Besitz des Geschlechts der Askanier und war Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Der Name Anhalt geht auf die askanische Stammburg, Burg Anhalt bei Harzgerode, zurück- Der Name Askanier bezieht sich auf ihre Residenz in Aschersleben (lateinisch: Ascaria). Durch Erbteilung wurde das Land im Laufe der Zeit mehrfach zersplittert, unter anderem in Anhalt-Aschersleben, Anhalt-Bernburg, Anhalt-Dessau, Anhalt-Köthen, Anhalt-Zerbst und noch weitere. Nach dem Erlöschen der Linien in Köthen (1847) und Bernburg (1863) kam es zum Zusammenschluss der drei Herzogtümer zu einem vereinigten Herzogtum Anhalt mit Dessau als Hauptstadt.
Quelle: AHB











 

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