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Wochenspiegel > Halle (Saale) > Mood-Tour stoppte in Halle: 7 000 Kilometer radeln für Akzeptanz und Toleranz >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 04.08.2014 um 20:04:21

Mood-Tour stoppte in Halle: 7 000 Kilometer radeln für Akzeptanz und Toleranz

Am Montag stoppte die Mood-Tour auf dem Hallmarkt. 30 Hallenser radelten eine Etappe bis Wettin und zurück mit.                                                                          Am Montag stoppte die Mood-Tour auf dem Hallmarkt. 30 Hallenser radelten eine Etappe bis Wettin und zurück mit.
Foto: Antje Weiß
Initiator Sebastian Burger ist bereits mit Gehörlosen nach Singnapur geradelt.

Halle (aw). Ein auffälliger Radler-Tross ist momentan auf den Wegen im Saale Kreis unterwegs. Am Montag stoppte die Mood-Tour auf dem Hallmarkt in Halle.

Die Tandemfahrer gegen das Stigma der Depression starteten in Leipzig im Juni. Auf der Tour, die 7 000 Kilometer quer durch Deutschland führt, schließen sich depressionserfahrene und -unerfahrene Menschen zusammen und strampeln gegen Kummer und für mehr Mut und Verständnis im Umgang mit der Krankheit. Initiator ist Sebastian Burger, der bereits mit Blinden nach Singapur und mit Gehörlosen 12.000 Kilometer durch Südamerika radelte. Die Teilnehmer wollen bei Betroffenen durch Sport und Gemeinschaftserlebnisse die Stimmung (engl. Mood) heben.

30 Hallenser nutzten die Gelegenheit und radelten eine Etappe mit: „Eine Lobby für Depressionserkrankte fehlt", weiß Dagmar Dölschner, Geschäftsführerin der Barmer GEK Halle. Sie hat einige Leute zusammengetrommelt, die zusammen die 23 Kilometer bis Wettin radeln, um auf die Volkskrankheit Nummer eins hinzuweisen. „Niemand soll sich mit einer physischen Erkrankung verstecken müssen. Das ist eine Erkrankung wie jede andere, Depression können behandelt werden."

Auch Diana Papst von der Uniklinik Halle, ist mit einigen Patienten gekommen. „Das Thema liegt uns am Herzen, solche Aktionen sollte es öfters geben", sagt die Sozialarbeiterin. „Depression ist eine stille, heimliche Erkrankung", weiß auch Petra Lange von der Organisation „Seelensteine" Halle. Sie selbst hat eine Patenschaft für ein Kind übernommen, dessen Eltern physische Probleme haben. „Betroffene verhalten sich wegen der Stigmatisierung leise und zurückgezogen. Doch fast jeder hat in seinem Leben damit zu tun."

Rund 50 Kilometer legen Mood-Tour-Teilnehmer täglich zurück und sorgen in den Städten, in denen sie Halt machen, für mehr Aufklärung und Toleranz und weniger Berührungsängste im Umgang mit depressiven Menschen. „Die Mood-Tour ist Deutschlands erstes Aktionsprogramm auf Rädern, das einen Beitrag zur Entstigmatisierung der Depression als Erkrankung leistet", sagt Katrin K. vom Organisationsteam. Unterwegs kämen sie mit vielen Leuten ins Gespräch. Allen sei das Thema bekannt, zu wenige wüssten, dass Depression eine häufige und schwere Erkrankung ist. Gebärdensprachdolmetscherin Bea Blumrich übersetzt die Gebärden von Katrin K., die mit dem Projekt Mut machen will.

„Wir wünschen uns einen ganz normalen Umgang mit dem Tabu-Thema Depression." Alle Teilnehmer hätten unvergesslichen schöne Tag: „Bei so einer Radtour geht‘s ja mal auf, mal ab - so wie im Leben sonst gibt es auch schwierige Etappen, doch abends unter der Dusche hat man ein Glücksgefühl unf freut sich, dass man bald die Beine hochlegen kann."

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