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Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 16.04.2018 um 19:05:19

Original nachgebautes Ruckerts-Cembalo im Händelhaus mit einem Konzert eingeweiht: Klang wie zu Händels Zeiten

Dietrich Hein (rechts) beantwortet nach dem Konzert am Sonntag die Fragen der Konzertgäste, wie er das Cembalo gebaut hat. Dietrich Hein (rechts) beantwortet nach dem Konzert am Sonntag die Fragen der Konzertgäste, wie er das Cembalo gebaut hat.
Foto: S. Christmann Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder)
Halle (S. Christmann). Der Cembalistin Friederike Chylek gebührte am vergangenen Sonntag die Ehre, den von der Stiftung Händelhaus in Auftrag gegebenen originalgetreuen Nachbau eines Ruckers-Cembalos mit einem Konzert in der Bohlenstube des Händelhauses einzuweihen. Danach fragten die Konzertbesucher Dietrich Hein aus Oldenburg darüber aus, aus welchen Materialien er das Instrument wie gefertigt hatte. Händel soll in London nachweislich ein solches Cembalo besessen haben, dessen Tasten vom vielen Gebrauch ausgehölt wie Löffel ausgesehen hätten, berichtete John Hawkins (1719 - 1789).

Das Instrument wird in einigen Konzerten der Händelfestspiele 2018 zum Einsatz kommen, damit internationale Künstler ihre wertvollen Instrumente künftig nicht mehr dem oft langen und teuren Transport aussetzen müssen. Dabei war es ein sehr langer Weg bis zu diesem auch sehr schön gestalteten Instrument.  Ausgangspunkt: das Ruckerts-Cembalo, Baujahr 1599, das die Musikinstrumentensammlung des Händelhauses ihr eigen nennen kann. Kann man das älteste zweimanualige Ruckerts-Cembalo weltweit wieder bespielbar machen? Lohnt sich eine derartige Restaurierung? Extra eine Konferenz wurde 1996 deshalb abgehalten. Die brachte die Erkenntnis, dass, wenn man das Cembalo heute wirklich wieder in Konzerten benutzen wolle, nur ein (originalgetreuer) Nachbau in Frage kommen kann. Eine äußerst schwierige Aufgabe, denn ein Ruckerts-Cembalo ist in etwa das, was eine Stradevari unter den Geigen darstellt.

Ein Cembalo-Bauer, der historisch bauen konnte, musste gefunden werden. In Dietrich Hein aus Oldenburg  hat man ihn gefunden. Dass Hein schließlich eine neue klanglich und optisch sehr eindrucksvolle Kostbarkeit geschaften hat, davon konnte man sich am Sonntag beim Konzert in der Bohlenstube überzeugen. Dabei muss noch Elisabeth Engelbrecht erwähnt werden, die in dreimontatiger Fleißarbeit das Deckengemälde von dem 1599-Cembalo auf den Deckel des Nachbaus kopiert hat. Mit drei, vier kleinen heutigen Zeichen, die hier nicht verraten werden sollen. Wer die Musikinstrumentensammlung besucht, kann wie in einem Suchbild schauen, ob er sie entdeckt.

Dass die Umsetzung dieses Vorhabens nicht ganz billig gewesen sein dürfte, scheint klar zu sein. In etwa dem Wert eines Autos der unteren Oberklasse entsprächen die Kosten, die die Stiftung Händelhaus (ohne jegliche Fördermittel) dafür aufgebracht habe, verrät Stiftungsdirektor Clemens Birnbaum. Es habe sich aber auch wirklich gelohnt. Der Klang sei wirklich einmalig und die, die bereits darauf spielen durften, bestätigen das. Dietrich Hein, so Museumsleiterin Christiane Barth, haben eben auch tatsächlich wie einst echte Kiele von Vogelfedern verwendet für die Plektren, mit denen beim Cembalo die Saiten angezupft werden (anders als beim Klavier werden die Saiten nicht mit Hämmerchen angeschlagen, weshalb man das Cembalo auch als Zupfinstrument mit Klaviatur bezeichnet). 

Momentan wird gerade geschaut, in welchen Konzerten der Händelfestspiele 2018 das neue Prachtstück zum Einsatz kommen wird - denn dafür wurde es hauptsächlich gebaut: dass Künstler, die in Halle konzertieren, ihre meist sehr wertvollen und empfindlichen Instrumente nicht mehr durch die halbe Welt kutschieren müssen. Dass sie dann in Halle auf einer klanglichen Kostbarkeit spielen dürfen, müssen sie jetzt aber erst noch entdecken. 

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