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Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 13.02.2019 um 14:24:29

Am Samstag eröffnete in der Moritzburg Sonderschau „Die Stille im Lärm der Zeit“: Wie die Kühe gucken - das kann nur Kirchner

Feiningers Feiningers "Roter Turm II" als Herzstück der Sonderschau "Die Stille im Lärm der Zeit" in der Moritzburg.
Foto: S. Christmann Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder)
Von Susanne Christmann

Was macht ein Nobelpreisträger und Patentinhaber mit seinem (vielen) Geld? Karl Ziegler (1898 bis 1973) - von 1936 bis 1945 Direktor des Chemischen Instituts der Martin-Luther-Uni - steckte die Einnahmen aus seinen Patentrechten (zur Herstellung von hochmolekularem Polyethylen bei Normaldruck und Raumtemperatur) in das Max-Planck-Institut in Mühlheim (dessen Leiter er von 1943 bis 1969 war) und baute gemeinsam mit seiner Frau Maria eine Kunstsammlung des Expressionismus und der klassischen Moderne von internationalem Rang auf.

Die gelangte 1981 als Schenkung in das Kunstmuseum Mühlheim an der Ruhr. Und weil in Mühlheim derzeit saniert werden muss, hat die Stiftung Moritzburg für die Sonderschau „Die Stille im Lärm der Zeit. Marc, Macke, Nolde" vom 10. Februar bis 12. Mai 2019 in Halle zugegriffen, als man erfuhr, dass die Sammlung auf Reisen gehen sollte. Nicht nur, aber vor allem auch, weil damit ein weiterer Feininger für die Zeit der Ausstellung nach Halle kommen konnte, der einfach hierher gehört: das Gemälde „Roter Turm II", das Ziegler 1967 erworben hatte. Entsprechend prominent wird es im Feininger-Raum der Sonderschau inszeniert, schließlich hatte es ja einmal genau wie die anderen zehn Gemälde des Halle-Zyklus‘ dem halleschen Kunstmuseum gehört, wurde aber mit ihnen 1937 von den Nazis als „entartete Kunst" beschlagnahmt.

Das Ausstellungsmotto „Die Stille im Lärm der Zeit" ist einem Zitat von Franz Marc entlehnt und durchaus programmatisch zu verstehen. Die Werke von Marc, August Macke, Alexej von Jawlensky, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluf, Emil Nolde, Feininger, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Max Beckmann, Karl Hofer, Otto Dix und Ernst Ludwig Kirchner laden geradezu zum entschleunigenden Betrachten ein. Denn Zieglers haben ihren privaten Vorlieben folgend gesammelt: Stillleben und Landschaften, Tier- und Menschendarstellungen. Kirchners Rohrfederzeichnung „Vier Kühe" etwa, bei deren Betrachtung Halles Kurator Wolfgang Büche ins Schwärmen gerät: „Wie die Kühe, - ja doch treudoof - gucken - das kann nur ein Kirchner so zeichnen." Oder Noldes „Spanische Tänzerin" - „alles nur aus der Farbe gemacht vom Meister der Aquarellkunst".

Auch Dr. Michael Kuhlemann, der Kurator aus Mühlheim (siehe Foto), weiß zu jedem Werk der Zieglerschen Sammlung Erhellendes zu erzählen und legt den hoffentlich zahlreichen Besuchern der Schau gemeinsam mit Moritzburg-Direktor Thomas Bauer-Friedrich diese Werke des nicht lauten, sondern eher leisen Expressionismus‘ ans Herz. Die sich 2019 - und hier erschließt sich ein weiterer Anknüpfungspunkt - hervorragend in die Herausstellung der Kunst der Moderne im Jubiläumsjahr „100 Jahre Bauhaus" einbinden ließen.

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