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Jana Keller Jana Keller
aktualisiert am 04.10.2019 um 10:13:28

Gedenktafel erinnert an Ereignisse in Halle im Herbst 1989

Das Enthüllen der Gedenktafel vor dem Landesamt für Umweltschutz in Halle Das Enthüllen der Gedenktafel vor dem Landesamt für Umweltschutz in Halle
Foto: Jana Keller
Vor 30 Jahren wurden auf dem Gelände des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt in der Reideburger Straße 85 Menschen unrechtmäßig festgehalten.  Sie waren im Rahmen von Protestaktionen gegen die DDR auf dem Marktplatz verhaftet worden, meist aber gar nicht selbst an der Demonstration beteiligt. Ins Gedächtnis zurückrufen soll dies eine Gedenktafel, die am 1. Oktober von Anne Kupke vom Verein Zeit-Geschichte(n) und Dr. Sandra Hagel, Präsidentin des Landesamtes, enthüllt wurde.

Das Landesamt für Umweltschutz und seine dunkle Vergangenheit

Bei der Einweihung der Gedenktafel vor dem Landesamt für Umweltschutz waren neben Präsidentin Dr. Sandra Hagel, dem Verein Zeit-Geschichte(n) und interessierten Schaulustigen, die Wind und Wetter trotzten, auch Oberbürgermeister Bernd Wiegand sowie Birgit Neumann-Becker anwesend, Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Finanziert wurde die Tafel mithilfe einer Förderung ihrer Behörde sowie von Spenden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesamtes. „Diese Ereignisse gehören zur Geschichte des Hauses. Mit der Gedenktafel möchten wir dazu beitragen, dass solches Unrecht nicht in Vergessenheit gerät“, so Dr. Hagel zum Hintergrund der Aktion. Sie verwies auf die lange Geschichte des Gebäudes, welches heute das Landesamt beheimatet. Entstanden in den 50er Jahren, wurde es 1994 zum Kulturdenkmal ernannt. Bis 1990 befand sich an Ort und Stelle eine Schule der Transportpolizei der DDR. Das Ministerium für Staatssicherheit hatte dort 1988 einen „Zentralen Zuführungspunkt“ eingerichtet, an dem Menschen im Falle eines Widerstandes gegen die DDR ohne Haftbefehl verhört werden konnten – so zum Beispiel im Herbst 1989.

Unrechtmäßige Festnahmen

Am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, sowie am 9. des Monats kam es in Halle zu Protestaktionen. In deren Folge wurde der Marktplatz von der Polizei geräumt. Menschen wurden auf LKW abtransportiert und in die Reideburger Straße gebracht. An beiden Tagen waren insgesamt 85 Bürger betroffen, darunter nur wenige Demonstranten. Die meisten der Verhafteten hatten sich damals nur zufällig auf dem Marktplatz aufgehalten – sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Am Zuführungspunkt mussten sie mit dem Gesicht zur Wand stehen, durften sich nicht hinsetzten oder gar bewegen. Eine Verpflegung gab es nicht, Beschwerden wurden bestraft. Ohne Rechtsbelehrungen legte man den Betroffenen vorbereitete Geständnisse zum Unterschreiben vor. Zu Entlastungen kam es erst nachts oder am nächsten Morgen, wobei einige Gefangene jedoch zur Untersuchungshaft in den Roten Ochsen überführt wurden.

Die Friedliche Revolution

Die politische Verantwortung der Geschehnisse im Oktober 1989 lag bei der SED. Die Taten von Polizei und Stasi waren allesamt ungesetzlich und verstießen gegen das internationale Menschenrechtsabkommen. Die Gedenktafel soll an dieses staatliche Unrecht in der DDR erinnern, aber ebenso das 30-jährige Jubiläum der Friedlichen Revolution feiern, beteuerte Birgit Neumann-Becker. Dass die Revolution bis zum Ende friedlich verlief, war wichtig und bedeutsam. Im Anschluss las Anne Kupke vom „Zeit-Geschichte(n) e. V.“ aus Protokollen von Zeitzeugen, die an den Vorkommnissen von 1989 beteiligt waren. Die Gefangenen wurden mit Gummiknüppeln geschlagen, getreten und zu Haftstrafen verurteilt, ohne dass ein Anwalt konsultiert werden durfte. Ein Mann wurde beim bloßen Umsteigen in die Straßenbahn grundlos festgenommen. Die Situation war brisant – alles hätte anders ausgehen können. Auch diese Tatsache soll die neue Gedenktafel in Erinnerung rufen.

"Bürger, räumen Sie den Platz!"

Eine Partnerveranstaltung, organisiert vom Verein Zeit-Geschichte(n), lädt am Mittwoch, dem 9. Oktober, ab 18 Uhr in die Marktkirche Halle ein. Nach einem Friedensgebet wird hier um 19 Uhr unter dem Motto „Bürger, räumen Sie den Platz!“ der Überwachungsfilm gezeigt, den die Stasi am 9. Oktober 1989 auf dem Marktplatz angefertigt hat. Zeitzeugen werden die Vorführung kommentieren und von ihren persönlichen Erlebnissen erzählen. Schon damals sollte in der Marktkirche ein Gottesdienst stattfinden – doch dann wurde der Marktplatz von der Polizei geräumt.

 

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