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Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 30.10.2019 um 21:58:07

Großer Fall: die Besitztümer des Carl Wentzel - 30 Jahre nach der Wende sind in Sachsen-Anhalt fast alle Restitutionsansprüche juristisch sauber entschieden

Die Ausstellung im Landesverwaltungsamt in der Ernst-Kamieth-Straße erzählt packende Geschichten. Die Ausstellung im Landesverwaltungsamt in der Ernst-Kamieth-Straße erzählt packende Geschichten.
Foto: S. Christmann
Halle (S. Christmann). Einer sei mal gekommen und hat die  die Geschichte seiner Flucht in den Westen zu DDR-Zeiten erzählt. Mit einem U-Boot.   Auffindbar sei es nicht mehr gewesen, deshalb wolle er jetzt dafür wenigstens finanziell entschädigt werden.  Dieser Entschädigungswunsch sei, so Dr. Annekatrin Preuße, Abteilungsleiterin Kommunales, Odrnung, Verbraucherschutz und Migration und in dieser Funktion bis heute auch zuständig für die Regelung offener Vermögensfragen nach der Wende, natürlich nicht positiv entschieden worden.

Jetzt, 30 Jahre danach, blickte man bei einem Kolloquium im Landesverwaltungsamt, das in Halle sitzt, auf 30 Jahre Rückübertragungs- und Entschädigungsgeschichte in Sachsen-Anhalt zurück.  Dabei  ist der erste, positive Rückübertragungsbescheid aus dem Jahre 1991 - damals  in  Verantwortung des gerade gegründeten Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen - immer noch  präsent. Er betraf die Südharzer Käsereien GmbH Breitungen.  Die gibt es heute in Breitungen nicht mehr, nachdem sie später zunächst an die Ernst Rumpf GmbH veräußert und 2002 als Betriebsteil in Breitungen geschlossen wurde. Auch der ersten gütliche Einigung zur Rückübertragung zwischen der Treuhand und der „PGH Fünf Türme“ in Halle zu dieser Zeit war kein langer unternehmerischer Erfolg beschieden. Der Betrieb, der spezielle Wohnwagen gebaut hat, konnte sich nicht  lange halten in der Nachwendezeit.

Natürlich gibt es auch Erfolgsgeschichten unter den insgesamt 447 709 Vermögensfragen, die in den zurückliegenden 30 Jahren geklärt wurden in Sachsen-Anhalt. Eine davon: die  Kathi Rainer Thiele GmbH in Halle. Auf dem Sterbebett hatte Rainer Thiele seiner Mutter versprochen, die von ihr und ihrem Mann gegründete und 1972 verstaatlichte Firma sobald als möglich  wieder in die Familie zurückzuholen.  Er hielt sein Versprechen. Heute ist Kathi mit seinen Backmischungen im Osten Marktführer,       bundesweit die Nummer zwei.

der einer der größten Fälle, die bei Annekatrin Preuße auf dem Tisch lagen und zu klären waren: die umfangreichen Besitztümer des Carl Wentzel. Er gehörte zu den Opfern  des Nationalsozialismus und wurde als Verschwörer des 20. Juli nach dem Attentat verurteilt und hingerichtet.

Carl Wentzel gehörte in der Landwirtschaft zu den führenden  Unternehmen. Sein Betrieb umfasste 21 Güter, über 10 000 Hektar Land und 40 000 Angestellte mit der Zuckerrübenproduktion    als Grundpfeiler. Wentzels Ländereien reichten von der Saale  (bei Salzmünde) bis an die Ostausläufer des Harzes. Der „Zuckerbaron“ war auch sozial engagiert und baute ganze Siedlungen für seine Angestellten. Der Fall Wentzel stach bei der Klärung der Vermögensfragen nach der Wende auch deshalb heraus, weil die Familie Wentzel zweimal enteignet wurde - einmal durch die Nazis und dann nach dem Krieg noch einmal durch die sowjetischen Besatzer. Etwa die Hälfte der einstigen Besitztümer wurde den Enkeln von Carl Wentzel - Carl-Friedrich und Carl-Stefan Wentzel - schließlich zurückgegeben.

Natürlich hätten auch Leute versucht, über diesen Rückübertragungs- und Entschädigungsweg in die Grundbücher als Eigentümer bzw. über finanzielle Entschädigung zu Vermögen zu kommen, denen das nicht zustand. Die Spreu vom Weizen trennte hier der Stichtag für den redlichen Erwerb und das war der 18. Oktober 1989.  Jeder, der danach zu etwas gekommen sein und es rechtmäßig zugesprochen bekommen haben wollte, dem wurde ein abschlägiger Bescheid erteilt. Zu Spitzenzeiten ackerten sich 800 Mitarbeiter durch die Akten und recherchierten in den Archiven. Denn, so Landesverwaltungsamts-Chef Thomas Pleye, die Aufgabe des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen sei von enormer Bedeutung gewesen. Weil unklare Vermögensverhältnisse als größtes Investitionshindernis galten. Deshalb sei es nicht nur darum gegangen, rechtssicher zu entscheiden, sondern vor allem auch möglichst zügig. Manches ging nur in mühevoller Kleinarbeit. So wurden zum Beispiel im Zuge der Rückübertragung beweglicher Güter allein in der Universitäts- und Landesbibliothek Halle
1 700 000 historische  Bücher gesichtet werden. Wobei so manches Paar baumwollener Handschuhe schwarz wurde.

Nur rund 30 Prozent bei den Grundstücksanfragen haben übrigens einen positiven Bescheid bekommen - abgelehnt wurden die Anträge in gut 46 Prozent der Fälle. Bei den über 29 000 Anträgen, in denen es um 11 280 Unternehmen ging, führten 47 Prozent zu einer Rückgabe der Firma oder Reste der Firma, 41 Prozent wurden abgelehnt und in 12 Prozent der Fälle wurde eine finanzielle Entschädigung ausgezahlt.  

Heute nach 30 Jahren sind fast alle Anträge abgearbeitet. Offen sind nur noch wenige Einzelfälle, bei denen meist Erbengemeinschaften vor Gericht Rückgabe oder Entschädigung eingeklagt haben. Im Landesverwaltungsamt ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, die auf 16 Tafeln die Thematik anhand vieler konkreter, spannender Beispiele aufbereitet hat.

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