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Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 09.11.2019 um 20:40:00

9. November 2019 - auch in Halle überschlugen sich vor 30 Jahren die politischen Ereignisse: Schlagstockeinsatz und Verhaftungen

Die 16- und 17-jährigen Schüler können meist mit der Figur des Kleinen Trompeters kaum mehr etwas  anfangen. Zu DDR-Zeiten kannte die Figur in Halle jeder. Musste sie kennen. Die 16- und 17-jährigen Schüler können meist mit der Figur des Kleinen Trompeters kaum mehr etwas anfangen. Zu DDR-Zeiten kannte die Figur in Halle jeder. Musste sie kennen.
Foto: Foto: S. Christmann Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder)
Halle (S. Christmann). Die mit Farbe beschmierte Figur des Kleinen Trompeters, ein Transparent, ein paar Fotos von Versammlungen, eine alte Schreibmaschine und ein Parka mit dem Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“  erinnern - etwas unscheinbar in einer Ecke angeordnet -  im halleschen Stadtmuseum an die turbulenten Ereignisse vor 30 Jahren in Halle, als die DDR zusammenbrach.

Doch während  am 9. Oktober 1989 in Leipzig 70 000 Menschen auf der ersten größeren Montagsdemonstration für Reisefreiheit und Demokratie auf die Straße gingen und von hier zusammengezogener Polizei, Militär und Betriebskampfgruppen nicht (mehr) bedrängt wurden, begab sich in Gefahr, wer an diesem Tag in Halle an der Demonstration an der Marktkirche unter der Losung „Gewaltfrei widerstehen - Schweigen für Leipzig - Schweigen für Reformen - Schweigen fürs Hierbleiben“ teilnahm. Wie Udo Grashoff in der vom Zeit-Geschichten e. V. herausgegebenen Broschüre „Keine Gewalt!“  dokumentiert hat,  drängten Sicherheitskräfte die Menschen in die Marktkirche ab. Der Markt wurde gewaltsam geräumt. 41 Menschen wurden verhaftet. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) protokollierte selbst: „Der Schlagstock wurde ca. 25 Mal gezielt gegen Personen eingesetzt.“

Auch die Tage danach wehrten sich die  Vertreter des untergehenden Systems in Halle gegen die Demonstranten. Flugblätter des Neuen Forums wurden beschlagnahmt. Leute wurden festgenommen. Streifenwagen belagerten die Mahnwache für die Verhafteten und Zugeführten und kontrollierten jene, die unter der Hochstraße hindurch zur Mahnwache an der Georgenkirche wollten. Anderen wurden disziplinarische Maßnahmen am Arbeitsplatz bis hin zur Kündigung angedroht. Die Noch-Staatsmächtigen wurden vom Neuen Forum und der Kirche zu einer Bürgerversammlung  am 15. Oktober in die Pauluskirche eingeladen. Sie kamen nicht, aber nach der dort verabschiedeten  Resolution, die auch eine Selbstverpflichtung zur Gewaltfreiheit beinhaltete, hielten sich die Sicherheitskräfte auf dem Marktplatz zurück: Die erste friedliche Demonstration in Halle findet unbehelligt statt.

Am 26. Oktober kommt es zu einer ersten Dialogveranstaltung im Volkspark mit über 6000 Teilnehmern - 1 300 passten in den Saal, die anderen hörten auf dem Vorplatz, was Lautsprecher aus dem Saal  übertrugen. SED-Bezirksleitungs-Chef Achim Böhme wird zum Rücktritt aufgefordert. Nach dieser Veranstaltung bringt ein Arbeiter aus Buna den Plan mit zur Mahnwache an der Georgenkirche, nach dem seitens des Staates am 30. Oktober eine Gegendemonstration in Richtung Halle organisiert werde. Arbeiter sollten den Jugendlichen, die auf dem Hallmarkt demonstrieren würden, „eine drauf hauen und die Plakate wegnehmen.“

Der Plan wird öffentlich am 26. Oktober auf einer weiteren Dialogveranstaltung im Volkspark. Die SED-Vertreter dort dementieren das „Gerücht“. Aber der Aufruf, der an alle umliegenden SED-Kreisleitungen erging, nachdem am 30. Oktober der „Marktplatz von Fahnen so rot sein sollte, daß nichts Schwarzes mehr zu sehen ist“,  entlarvte sie. Niemand ist mit roten Fahnen am 30. Oktober auf den Markt gegangen. Am 6. November wird Böhme bei der Montagsdemo  mit etwa  80 000 Hallensern angespuckt, am 9. November tritt er zurück.  Am  Abend wird in Berlin die Mauer geöffnet...    

PS: Der Parka mit dem Aufnäher gehörte der halleschen Bürgerrechtlerin Sabine Wolff, die sich schon vor 1989 in der halleschen Gruppe „Frauen für den Frieden“ engagierte. Bis zu ihrem Tod im Jahre 2015 war sie u. a. als Stadträtin für das Neue Forum in Halles Stadtparlament sehr aktiv.

Mit der Reiseschreibmaschine „Consul“ tippten Frank Eigenfeld und andere Briefe und Eingaben, mit denen sie gegen die herrschenden Verhältnisse in der DDR aufbegehrten. Auch eine Wachsmatrize, mit der der Gründungsaufruf des Neuen Forums im September 1989 vervielfältigt wurde, wurde mit ihr beschrieben.

„Kleiner Trompeter“: Bis 1990 stand die  Skulptur von Fritz Weineck am Saale-Ufer. DDR-Pioniere und FDJ-ler mussten dem  1925 bei einer  Wahlkundgebung der Kommunistischen Partei im Volkspark Erschossenen wie an einem Wallfahrtsort huldigen, weil er sich vor den damaligen KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann geworfen haben sollte. In Wendezeiten wurde die Skulptur mit Farbbeuteln beworfen. Danach kam sie ins Depot des Stadtmuseums. Seit 2018 steht sie als Ausstellungsstück in der Dauerschau zu Halle.

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