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Wochenspiegel > Halle (Saale) > Neue Sonderschau im Landesmuseum für Vorgeschichte zeigt „Ringe der Macht“ - Ringelreihn der besonderen Art >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 21.11.2019 um 20:22:54

Neue Sonderschau im Landesmuseum für Vorgeschichte zeigt „Ringe der Macht“ - Ringelreihn der besonderen Art

Halle (S. Christmann). Hier ist ausnahmsweise einmal fast alles tatsächlich Gold, was glänzt! Denn die neu eröffnete Sonderschau im Landesmuseum für Vorgeschichte zeigt bis zum 1. Juni 2020 anhand von 250 ausgesuchten Exponaten auf 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche „Ringe der Macht“ von der Altsteinzeit bis heute. 

Ringe von Wert waren damals und sind heute immer noch fast immer aus Gold. Und dennoch steht im Zentrum der seltenen Schau - kaum ein Museum traut sich, solch kleinen Dingen wie Ringen oder auch Münzen eigene Ausstellungen solcher Größe zu widmen - kein Ring aus Gold, sondern einer aus Silber von Sterling-Qualität.  Auch das unterscheidet ihn von den anderen gezeigten Ringen: sein materieller Wert war schon zur damaligen Zeit nicht so sehr hoch. Dafür ist sein ideeller  Wert  unermesslich. Ganz zu schweigen davon, dass sein Schicksal als ewig ungehobener Schatz  im Depot des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle eigentlich besiegelt war. Denn als man den zwölfeckigen Ring mit den rätselhaften Schriftzeichen 1898 in Paußnitz nördlich von Riesa auf einem Gut entdeckte, fand er inmitten eines Münzschatzes keine sonderliche Beachtung. Der Gutsbesitzer wollte ihn als Andenken behalten, verkaufte ihn dann aber doch an das damals zuständige Museum in Halle. Der zwölfeckige Ring landete im Depot und kam erst 2001 bei einer Inventur wieder ans Tageslicht.

Glücklicherweise fiel er mit Dr. Arnold Muhl einem Mittelalter-Experten in die Hände, der anhand der Inschrift den Wert erkannte. Zweieinhalb   Jahre Forschungsarbeit brauchte  dann die Experten für historische Schriften Olav und Friedrich Ulf Röhrer-Ertl  (Vater und Sohn) noch, um den mehrfach verschlüsselten Ringcode zu dechiffrieren. Schließlich stand vor ihnen der Satz auf Mittelhochdeutsch: „Naine MI XPS“ - wörtlich übersetzt: „Verneine mich Christus“. Was gewertet wird als tiefe religiöse Hingabe zur Erlangung des persönlichen Seelenheils: mit Christi Hilfe das eigene Ich auslöschen, um dann vollständig von ihm durchdrungen zu sein. Die Inschrift des Rings, der seit der Entschlüsselung als das einzige mittelalterliche Exemplar mit verschlüsselter Inschrift gilt, der bislang entziffert werden konnte, verrät auch jede Menge über seinen Träger. Der codierte Text sollte fremde Augen auf falsche Spuren lenken - kein anderer als der Träger sollte etwas mit ihm anfangen können. Der Träger muss eine feingliedrige Hand gehabt haben und ein hagerer Mann gewesen sein. Die Inschrift kann nur der Träger selbst entworfen haben.  Er dürfte adliger Herkunft und sehr gebildet  gewesen sein , denn die komplizierte Kodierung  verlangt großen Intellekt. alle „Indizien“ sprechen für einen begüterten Stiftsherren.

Solche spannenden Geschichten liefern zum großen Teil auch die anderen Ausstellungsstücke von 30 Leihgebern aus Deutschland, Dänemark, England, Frankreich, Ungarn, der Schweiz und Tschechien. Es geht um Ringe, die selber Macht besitzen (sollen), Ringe, die Macht beziehungsweise den Status des Trägers ausdrücken oder Ringe, die auch Macht vermitteln können - von den ältesten bekannten Fingerringen aus dem mährischen Pavlov (ca. 35 000 bis 24 000 vor Christus) über die goldenen Armringe der bronzezeitlichen Fürsten Mitteldeutschlands  und den Torques der Kelten bis zu dem EINEN Ring aus Tolkiens Romanen.

Ein besonderes Ausstellungsstück ist auch die rund 3 500 Jahre alte, jüngst entdeckte Bronzehand von Prêles (Kanton Bern). Diese älteste Bronzeplastik eines menschlichen Körperteils in Mitteleuropa wird zum ersten Mal außerhalb der Schweiz präsentiert.  Auch die Moderne fehlt nicht: gezeigt werden „Schlaue Ringe“, sogenannte Smartringe, die schlicht und schmucklos gestaltet sind, mit denen man aber Türen öffnen, Zahlungen tätigen, Kommunikation verwalten, den Biorhythmus aufzeichnen, Kalorien zählen und Aktivitäten messen und kontrollieren kann. Nur ein Ausstellungsstück, das die Macher gern dabei gehabt hätten, haben sie nicht bekommen können: den Papstring von  Benedikt XVI. Solche Ringe werden stets, wenn der Papst abdankt, zerstört. Aber selbst dieses zerstörte Stück hätte für die Schau, so Mit-Kurator Alfred Reichenberger, großen Wert gehabt. Weil er eben auch eine spannende  Geschichte hätte erzählen können...

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