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Jana Keller Jana Keller
aktualisiert am 05.12.2019 um 13:19:43

Zwei Kunstwerke kehren zurück - als „entartet“ beschlagnahmte Arbeiten Rohlfs’ und Feiningers wieder in Halle

Thomas Bauer-Friedrich und Gunnar Schellenberger integrierten die Werke am 4. Dezember in die aktuelle Sonderausstellung. Thomas Bauer-Friedrich und Gunnar Schellenberger integrierten die Werke am 4. Dezember in die aktuelle Sonderausstellung.
Foto: Jana Keller
(Halle, Jana Keller.) Christian Rohlfs’ „Studie nach einem Baumstamm“ und Lyonel Feiningers „Marienkirche Halle I“ − beide 1937 während der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt − sind wieder in der Moritzburg zu Hause. Thomas Bauer-Friedrich und Gunnar Schellenberger integrierten die Werke am 4. Dezember in die aktuelle Sonderausstellung. 

Das Comeback

Noch bis zum 12. Januar kann man im Kunstmuseum Moritzburg die Sonderausstellung „Bauhaus Meister Moderne. Das Comeback“ besuchen. Diese hat inzwischen beeindruckenden Zuwachs bekommen, denn der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt ist es gelungen, zwei ehemals durch die Nationalsozialisten beschlagnahmte Werke für das Kunstmuseum zurückzuerwerben. Beide galten bis vor kurzem noch als verschollen. Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich und Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei und im Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, stellten die Meisterwerke am 4. Dezember der Presse vor. Unterstützt wurden sie dabei von Dr. Agnes Thum vom Auktionshaus Ketterer Kunst sowie von Susanna Köller, Kustodin des Museums.

Ein "Magier der Farbe"

Christian Rohlfs war ein wandlungsfähiger Künstler, der sich selbst dabei nie untreu war, so Susanna Köller. In den 1880er Jahren wandte er sich der Landschaftsmalerei zu, später gewann die Thematik der Farbe bei ihm eine Eigenständigkeit – er war auch als „Magier der Farbe“ bekannt. Das Aquarell „Studie nach einem Baumstamm“, entstanden um 1911, lässt sich stilistisch in seine Zeit in München und Bayern einordnen. Der Rückerwerb sei eine wahre Bereicherung für das Museum, so Frau Köller. Agnes Thum erklärte weiterführend, wie das Werk seinen Weg zurück in die Moritzburg gefunden hat. So erreichte es Ketterer Kunst noch in seinem alten Rahmen – inklusive Abdeckpappe mit dem Stempel des Kunstmuseums Moritzburg. Der Verdacht, es könne sich um ein Werk der „Entarteten Kunst“ handeln, trat schnell auf. Ein Abgleich mit der Datenbank der zugehörigen Forschungsstelle bestätigte diesen. Daraufhin wurde der Kontakt zu Thomas Bauer-Friedrich aufgenommen und gefragt, ob man das Werk zurückerwerben wolle. So schnell habe ihr noch nie ein Museumsdirektor auf eine Nachricht geantwortet, erinnerte sich Dr. Thum. Im Anschluss wurde das Aktionshaus als Vermittler tätig und setzte sich mit den Eigentümern des Bildes in Verbindung. Auf die Auktion wurde verzichtet und dem Museum wurde der Direktankauf zu einem fairen Preis ermöglicht. Und nach der Authentifizierung durch das Christian Rohlfs Archiv in Hagen war Herr Bauer-Friedrich auch gern bereit, die Rechnung zu zahlen.

Eine Auktion mit Glücksmoment

Feiningers „Marienkirche Halle I“ musste der Museumsdirektor dagegen in einer Auktion ersteigern. Ermöglicht wurde das dank der Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt – Staatskanzlei und Ministerium für Kultur – sowie des Auktionshauses Lempertz in Köln. Die Kohlezeichnung gehört zur Halle-Serie des Künstlers, die aus insgesamt elf Gemälden und 29 Handzeichnungen besteht und zum Großteil 1937 beschlagnahmt wurde. Die Zeichnung diente der Vorbereitung des Gemäldes „Marktkirche bei Nacht“ und dokumentiert dessen Ursprungszustand – der Feininger jedoch nicht wirklich gefiel, weswegen er den ersten Entwurf später umgestaltete. Auch über diesen Fund wurde Bauer-Friedrich vom Auktionshaus informiert. An der Auktion, die letzten Samstag stattfand, nahm er von Halle aus per Telefon teil. Der Preis wurde dabei in Windeseile in die Höhe getrieben, doch am Ende trat der Glücksfall ein: Das letztmögliche Gebot des Museums wurde nicht überboten und bekam den Zuschlag! Am Montag wurde es zugestellt, wodurch nun zumindest alle Motive – nicht aber alle Werke – Feiningers wieder hier vorhanden sind.

Ab sofort zu besichtigen

Doch wie viel haben die beiden zurückerworbenen Kunstwerke eigentlich gekostet? Den genauen Preis wollte Thomas Bauer-Friedrich selbstverständlich nicht verraten. Nur so viel: Ein Betrag war vier-, der andere fünfstellig. Mit der Rückkehr der Bilder befinden sich nun 17 der 147 als „entartet“ beschlagnahmten Werke wieder in der Sammlung der Moritzburg. Seit dem 5. Dezember sind beide Werke im Rahmen der Sonderausstellung „Bauhaus Meister Moderne. Das Comeback“ zu bewundern. Dort verbleiben sie bis zum Ende der Exposition am 12. Januar. Danach werden die Arbeiten auf Papier lichtgeschützt im Depot des Museums gelagert.
 

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