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Kerstin Eschke Kerstin Eschke
aktualisiert am 10.01.2020 um 16:27:34

Gestern drei Berufe, heute ein Beruf: die Pflegefachkraft

Die Ziele des   am Jahresanfang in Kraft getretenen Pflegeberufegesetzes sind ambitioniert: Der Pflegenotstand soll beseitigt und der Pflegeberuf attraktiver werden. Die Ziele des am Jahresanfang in Kraft getretenen Pflegeberufegesetzes sind ambitioniert: Der Pflegenotstand soll beseitigt und der Pflegeberuf attraktiver werden.
Foto: Robert Kneschke - stock.adobe.com
Seit dem 1. Januar sind mit der generalistischen Pflegeausbildung drei Pflegeberufe zur Pflegefachkraft zusammengeführt. Die Ausbildungen in der Kranken-, Kinderkranken-  und in der Altenpflege werden damit vereinheitlicht

Von Kerstin Eschke

Die Pflegebranche boomt und zunehmend mehr Pflegekräfte werden gebraucht. In unserer Gesellschaft leben immer mehr ältere, hilfsbedürftige und kranke Menschen. Sie und ihre Angehörigen sind auf die Unterstützung qualifizierter, gut ausgebildeter und hilfsbereiter Frauen und Männer angewiesen. Pflegefachkräfte betreuen die Betroffenen, helfen bei der Alltagsbewältigung oder motivieren sie zu sinnvoller Beschäftigung. Außerdem  übernehmen Pflegekräfte pflegende und medizinische Aufgaben.

Mit der Pflegeberufereform hat der Gesetzgeber auf den demografischen Wandel reagieren. Er will damit dem  Pflegenotstand und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Bisher gibt es drei Berufsbilder in der Pflegebranche: den Gesundheits- und Krankenpfleger, den Altenpfleger und den Kinderkrankenpfleger. Die Reform soll die Attraktivität der Pflegeberufe steigern und die Arbeit der Pfleger noch besser anerkennen. Möglich soll dies durch einen leichteren Übertritt zwischen den Fachausbildungen werden. Deshalb wird die Ausbildung der bisher drei Berufe vereinheitlicht. So können Pflegekräfte leichter zwischen den Fachgebieten wechseln

Die Pflegeberufereform auf den Weg zu bringen, war keine einfache Aufgabe. Die ersten Überlegungen gab es bereits 2012. Beschlossen wurde sie jedoch erst fünf Jahre später − am 22. Juni 2017 − im Bundestag. Erst jetzt im Jahr 2020, ein Jahr später als geplant, ist das Pflegeberufereformgesetz in Kraft getreten.

Die Auszubildenden aller Pflegeberufe erhalten zukünftig eine zweijährige Grundausbildung. „Darin wird die zukünftige Pflegefachkraft in die Lage versetzt, Patienten in jeder Altersgruppe adäquat zu versorgen“, weiß Axinia Schwätzer,  Geschäftsführerin der Christlichen Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe, „im theoretischen Unterricht wird daher zum Beispiel die Nahrungsverweigerung  bei Säuglingen, Kindern und erwachsenen Menschen beleuchtet. Im dritten Ausbildungsjahr erfolgt in der praktischen Ausbildung der sogenannte Vertiefungseinsatz auf der Station, wo auch die Examensprüfung erfolgt.“ Diese generalistische Ausbildung  qualifiziert die Pflegefachkraft für alle Bereiche der Pflege. Ein Wechseln zwischen den einzelnen Pflegebereichen ist nun leichter möglich. „Damit wird der Pflegeberuf attraktiver“, hofft Axinia Schwätzer, „während der Grundausbildung kann der Auszubildende hinter jede Facette des Berufes blicken und muss sich erst nach der Ausbildung gemäß seiner Interessen spezialisieren.“ 

Obwohl das Gesetz am 1. Januar 2020 in Kraft getreten ist, wird die Umsetzung der Ausbildung in der Regel erst mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres erfolgen. Auszubildende, die sich bereits in der Ausbildung befinden, sind von der Umstellung nicht betroffen. Sie schließen ihre Berufsausbildung weiterhin als examinierte Alten- bzw. Krankenpfleger ab. Das ist für alle ausbildenden Einrichtungen eine Herausforderung, da in den nächsten drei Jahren zwei Ausbildungen parallel laufen. 

In der Christlichen Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe in Halle startet die generalistische Ausbildung am 1. September 2020. Axinia Schwätzer: „Wir erwarten 133 junge Leute, die sich bei uns ausbilden lassen.“ Die für Pflegeberufe spezialisierte Schule bereitete sich  zwei Jahre lang intensiv auf die generalistische Ausbildung vor. „Lehrer befassten sich mit den Gesetzmäßigkeiten der neuen Pflegeausbildung und eigneten sich auf Fachtagungen aktuelles Wissen an. Erst im Dezember erfolgte eine interne berufspädagogische Fortbildung. Aktuell wird der Unterricht für September vorbereitet“, so die Geschäftsführerin. 

Auch in der Praxis beginnt die generalistische Ausbildung erst im  Spätsommer. Die Paul-Riebeck-Stiftung wird ab diesem Zeitpunkt die Ausbildungsplätze von zehn auf 20 erhöhen. Michaela Erfurt, Ausbildungsbeauftragte der Stiftung, erklärt dazu: „Ab dem 1. September gibt es einen separaten Bereich Ausbildung für die Altenpflege. Dieser wird zunächst aus der Ausbildungsbeauftragten und zwei Praxisanleitern bestehen. Zehn Prozent ihrer Arbeitszeit nehmen sie sich aus der Pflege raus und kümmern sich um die Auszubildenden.“ Auch im Universitätsklinikum Halle stehen Praxisanleiter den Auszubildenden zur Seite. Hier startet die erste Ausbildungsklasse zum Pflegefachmann und zur Pflegefachfrau  am Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe des Universitätsklinikums  bereits am  1. März. Christiane Becker, Direktorin des Pflegedienstes im Klinikum: „Wir haben ausreichend Praxisanleiter qualifiziert. Zudem haben wir bereits im Vorfeld alle Pflegenden, die künftig mit der Umsetzung betraut sind, frühzeitig eingebunden und kontinuierlich informiert und geschult.“ Die Auszubildenden durchlaufen in der Praxis verschiedene Bereiche und Stationen. 

So ist in der ersten Zeit ein Orientierungseinsatz vorgesehen. Dem folgen Pflichteinsätze in der stationären Akutpflege, der ambulanten Langzeitpflege sowie der Kinderheilkunde. Im letzten Ausbildungsdrittel erfolgen ein Pflichteinsatz in der psychiatrischen Versorgung und ein Vertiefungseinsatz. Aufgrund der verschiedenen Einsatzbereiche sind Kooperationen zwischen Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäusern notwendig. „Ausbildungsinhalte, die in der Paul-Riebeck-Stiftung nicht vermittelt werden können, übernehmen externe Kooperationspartner“, sichert Michaela Erfurt zu. Das Universitätsklinikum Halle bietet als Maximalversorger ein breites Spektrum an Leistungen unterschiedlicher medizinischer Bereiche an. „Damit eröffnet sich den Auszubildenden die Möglichkeit, den größten Teil der praktischen Ausbildungsinhalte, insbesondere in den Bereichen Pädiatrie, Geriatrie und Psychiatrie, am Universitätsklinikum zu absolvieren“, bestätigt die Pflegedirektorin Christiane Becker, „in der ambulanten Pflege und der Langzeitpflege wird es einen Austausch von Auszubildenden geben.“

Der Gesetzgeber erhofft sich im Zuge der Generalistik eine Verbesserung der Personalsituation. Michaela Erfurt  kann diese Hoffnung nicht teilen: „Die neue Pflegeausbildung wird den Pflegenotstand nicht senken. Hierfür braucht es grundsätzlich bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege.“ Dazu gehört auch eine angemessene Bezahlung für die anspruchsvolle Arbeit. „Vor allem, wenn man dem Personalmangel wirkungsvoll begegnen will“, so Cornelia Schulz,  Leiterin der Pflegekasse bei der AOK Sachsen-Anhalt, „das jedoch wird Angehörige stärker belasten. Das ist in der Politik angekommen und man sucht nach Lösungen, um weitere Zuzahlungen zu begrenzen.“ Bis 2023 reichen die Einnahmen aus der Pflegeversicherung aus, um die Ausgaben zu decken.

Zwar hat sich die Pflegeausbildung dem europäischem Standard angenähert, einen Punkt zur Kritik gibt es laut Axinia Schwätzer aber doch: „Im internationalen Vergleich wird der Pflegeberuf auf Bachelorniveau erlernt. In Deutschland erfolgt dies auch mit der Generalistik nicht. Dies ist eine verpasste Chance.“

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