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Wochenspiegel > Halle (Saale) > Frauengeschichte erleben mit den FrauenOrten in Sachsen-Anhalt >
Jana Keller Jana Keller
aktualisiert am 21.08.2020 um 13:49:30

Frauengeschichte erleben mit den FrauenOrten in Sachsen-Anhalt

Die FrauenOrte-Gedenktafel im Innenhof der Neuen Residenz in Halle. Die FrauenOrte-Gedenktafel im Innenhof der Neuen Residenz in Halle.
Foto: Anke Triller, FrauenOrte Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder)
Halle/SK (Jana Keller). Anke Triller hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Schon immer hat sie sich gern mit Frauengeschichte beschäftigt. Inzwischen geht sie der Tätigkeit professionell nach – als Koordinatorin der FrauenOrte in Sachsen Anhalt. Besagte Orte stehen exemplarisch für verschiedenste Lebensbereiche von Frauen im Bundesland und spannen einen geschichtlichen Bogen von etwa 1 000 Jahren. Vor nunmehr zwei Jahrzehnten wurde das Projekt ins Leben gerufen, damals als Korrespondenzprojekt der Weltausstellung Expo 2000. 22 Einrichtungen wurden diesbezüglich im Jahr 2000 als FrauenOrte deklariert. Inzwischen sind es 51 in 37 Städten und Gemeinden von Salzwedel bis Droyßig bei Zeitz. 

Ehrenamtlich betreut wird das Projekt von Beginn an vom Courage e. V. Halle. 2019 jedoch hat das Tourismusreferat des Wirtschaftsministeriums des Landes den Vorschlag aufgegriffen, die FrauenOrte touristisch zu begleiten und demnach auch zu fördern. Der Verein, weiterhin als Projektträger tätig, hat daraufhin Anke Triller als Koordinatorin eingestellt. Die FrauenOrte fanden Anklang in vielen weiteren Bundesländern – so gibt es sie heute auch in Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen, die die Idee von Sachsen-Anhalt aufgegriffen haben. 

Gleichstellung und Tourismus

Doch warum genau ist ein solches Projekt eigentlich notwendig? Die Geschichte ist vielfältig, generell werden in ihr aber hauptsächlich Männer geehrt, so Anke Triller. Das solle sich mit den FrauenOrten ändern. Das ganze Land wird demnach als eine große Ausstellung betrachtet. Mit der Beteiligung des Wirtschaftsministeriums gehe es bei der Wahl neuer Orte nun um Gleichstellungs- sowie um touristische Aspekte. So will man zum einen Touristen von außerhalb erreichen, zum anderen Einheimische, die mehr über ihre Heimat erfahren möchten. In Halle gibt es heute insgesamt vier FrauenOrte – sozusagen ein Quartett, wie Anke Triller berichtet. Zwei davon gehören bereits seit 2000, dem Gründungsjahr des Projekts, dazu: die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle sowie das Entbindungsinstitut in der Neuen Residenz am Domplatz.

Die Unterburg Giebichenstein beherbergte seit Beginn der 1920er Jahre die Kunstgewerbeschule der Stadt. Die tradierten weiblichen Rollenzuweisungen wurden hier schon früh aufgebrochen – vor allem dank des Münchner Architekten Paul Thiersch, damaliger Direktor der Schule. Er reformierte sie zu einer modernen Kunstgewerbeschule, die zu den bedeutendsten Bildungsstätten in Deutschland gehörte. Thiersch erkannte dabei das künstlerische Potential von Frauen, vermittelte sie auch an andere Einrichtungen und holte sie sich später als Werkstätten-Leiterinnen zurück. Unter anderem war hier auch Marguerite Friedlaender tätig, die erste weibliche Töpfermeisterin Deutschlands.

Wandel der Gebärkultur

Das Entbindungsinstitut, früher in der Neuen Residenz gelegen, verweist auf den Wandel der Gebärkultur im 18. und 19. Jahrhundert weg von der Hebamme und hin zu ausgebildeten Ärzten. Carl Friedrich Senff ließ die Räume am Domplatz dafür im Jahr 1811 nach seinen Vorstellungen ausbauen. Vor Ort konnten Frauen entbinden, die nicht die nötigen Mittel für eine Geburt zu Hause hatten – eventuell weil sie alleinstehend waren. Im Gegenzug dienten sie männlichen Studenten als „Lehrobjekte“ – oft unter katastrophalen hygienischen Bedingungen. Das änderte sich erst 1879 mit dem Neubau der modernen Universitäts-Frauenklinik in der Magdeburger Straße.

2007 wurde das Evangelische Diakonissen-Mutterhaus zum dritten FrauenOrt in Halle erklärt. Es entstand 1857 zunächst am Weidenplan und ist noch heute auf dem Gelände des Diakoniewerks am Mühlweg zu finden. Dort wurden ledige Frauen im 19. Jahrhundert erstmals professionell als Krankenpflegerinnen ausgebildet – und das als Diakonissen bis in die 1970er Jahre hinein. Noch heute leben im Mutterhaus in der Lafontainestraße Diakonissen im Ruhestand.

Alternative zu Kloster und Ehe

Im Jahr 2009 wurde das Quartett für Halle vervollständigt – mit dem Jenaischen Freiweltlichen Adligen Fräuleinstift in der Rathausstraße 15, welches seit 1703 adligen Frauen eine Lebensalternative zu Klostereintritt und Ehe bot, organisiert durch eine Stiftung von Gottfried von Jena. Die Frauen – jeweils zehn an der Zahl – haben sich dort unter anderem der Armenfürsorge gewidmet, die Gärten gepflegt, sich künstlerisch betätigt und Verletzte versorgt, mussten dabei aber doch immer reformistische Gottesdienste besuchen. Die letzte Stiftsdame ist 1974 verstorben, womit der Stiftungsauftrag erlosch.  

FrauenOrte im Saalekreis

Auch im Saalekreis sind FrauenOrte zu finden – so gehört beispielsweise das Ständehaus in Merseburg hinzu. Denn 1921 fanden dort die ersten Sitzungen des neugewählten  Provinziallandtages Sachsens statt, nachdem auch in Preußen das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. 14 Frauen konnten bis 1933 ein Mandat erringen und setzten sich fortan unter anderem für Frauenkliniken und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sowie gegen Wohnungsnot und Strafen bei Schwangerschaftsabbruch ein.

Zwei weitere FrauenOrte-Tafeln sind in Leuna zu finden: am Haupteingang von InfraLeuna sowie an der Kita am Sonnenplatz. In den Leunawerken am Chemiestandort Leuna, die 1916 in Betrieb genommen wurden, wurden schon früh Frauenarbeitsplätze geschaffen. Mitarbeiter sollten gut ausgebildet und motiviert sein – hierfür musste das familiäre Umfeld stimmen. Die Unternehmensphilosophie hat also die Familie einbezogen. Gerade in der DDR gab es dort einen hohen Anteil weiblicher Beschäftigter, der nach der Wende allerdings überproportional abgebaut wurde. 

Kleinkind-Erziehung

Um dem Umstand der arbeitenden Frauen und Mütter gerecht zu werden, entstand schon 1926 der erste betriebliche Kindergarten im Ort, die Kita am Sonnenplatz, die auch über die Leunawerke finanziert wurde. Die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder wurde hier besonders gefördert – ein wichtiger Schritt für die öffentliche Kleinkind-Erziehung.   

Auf verschiedenen Stadtführungen lassen sich die FrauenOrte in Halle und Umgebung sowie auch in ganz Sachsen-Anhalt erkunden. Angebote gibt es beispielsweise in den Tourist-Informationen vor Ort. Zudem arbeitet Koordinatorin Anke Triller derzeit an einem Podcast, um einzelne Orte noch näher zu beschreiben. Die erste Folge von #frauenorte-der-podcast ist bereits online und behandelt Hedwig Courths-Mahler, Deutschlands erfolgreichste Autorin zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Immer monatlich sollen nun neue Folgen hinzukommen. Darüber hinaus ist am 17. Oktober um 15 Uhr eine öffentliche Führung zu den FrauenOrten in Halle geplant – Tickets erhältlich in der Tourist-Information am Marktschlösschen – und am 22. Oktober um 18 Uhr folgt die Veranstaltung „Halle entdecken mit KennerInnen“ im Stadtmuseum, die sich dem Fräuleinstift widmet. Im nächsten Jahr werden weitere Events stattfinden, so Anke Triller. Weitere Informationen zu den FrauenOrten in Sachsen-Anhalt sind online zu finden auf der Internetseite: www.frauenorte.net.    

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