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Kerstin Eschke Kerstin Eschke
aktualisiert am 28.08.2020 um 17:29:04

Experiment restart-19 soll Corona-Ansteckungsrisiko bei Konzerten ermitteln

Die Wissenschaftler der Uni Halle wollten beim Experiment in der Arena  Leipzig auch herauszufinden, wo es zu größeren Menschenansammlungen kommt, wie hier in den Gängen zu den Toiletten und Verpflegungspunkten. Die Wissenschaftler der Uni Halle wollten beim Experiment in der Arena Leipzig auch herauszufinden, wo es zu größeren Menschenansammlungen kommt, wie hier in den Gängen zu den Toiletten und Verpflegungspunkten.
Foto: Kerstin Eschke Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder)
Wissenschaftler der Universitätsklinik Halle simulieren ein Konzert in der Arena Leipzig.

Leipzig/Halle (Kerstin Eschke).
Es fühlt sich seltsam an. In  Zeiten der Corona-Pandemie mitten in einer großen Halle zu stehen und über 1 500 Menschen um sich zu wissen. Musik summt im Bauch. Popstar Tim Bendzko  singt. Manchmal wird getanzt, manchmal die Arme geschwungen und in den Händen der Zuhörer blinken kleine Lichter.

In Zeiten der Corona-Beschränkungen ist das Konzert am 22. August in der Quarterback Immobilien Arena Leipzig ein Stück Normalität. Wenn da nur die FFP2-Masken nicht wären und die Tracer, die die Menschen in der Halle tragen müssen.

Popkonzert mit Tim Bendzko
Das Popkonzert mit Tim Bendzko ist ein großangelegtes Experiment des Universitätsklinikums Halle. Am 22. August wurde in der Arena Leipzig in drei verschiedenen Szenarien eine Konzertsituation simuliert. Um ein möglichst reelles Bild zu bekommen, hoffte der Studienleiter des restart-19 Experiment, Dr. Stefan Moritz, auf 4 200 Teilnehmer. Das ist die durchschnittliche Zuschauerzahl bei Hallenhandballspielen. Die Wissenschaftler in seinem Team wollen herausfinden, unter welchen Bedingungen größere Konzerte und  Sportveranstaltungen in Hallen wieder stattfinden können. Deshalb beteiligen sich auch die Handballer des SC DHfK Leipzig am Experiment. Deren Heimspiele finden in der Arena statt. Sie wünschen sich, wie viele andere Sportvereine, Künstler und Veranstalter ein positives Ergebnis der Studie. Denn sollten die Corona-Beschränkungen über das Jahresende hinausgehen, droht vielen von ihnen das wirtschaftliche Aus.

1 500 Freiwillige machen mit
Die gewünschte Teilnehmerzahl erreichte das Studienteam zwar nicht, dennoch zeigt sich der Studienleiter nach der Veranstaltung zufrieden: „1 500 Tracker haben in der  Arena Leipzig kontinuierlich Daten gesendet. Das ist zwar nur etwa ein Drittel der erwarteten Probandenzahl, aber eine Datenbasis, mit der wir sehr gut arbeiten können.“ Jeder Teilnehmende erhielt einen solchen Tracker zum Umhängen. Jeder einzelne sendete im Abstand einiger Millisekunden Signale. Die Empfänger, die in der Arena Leipzig verbaut sind und normalerweise die Bewegungsmuster der Handballspieler aufzeichnen, zeichneten am Samstag die Bewegungen jedes Konzertbesuchers auf. 

Hohe Anforderungen an die Sicherheit
Um während des Experimentes keinen Corona-Ausbruch zu riskieren, setzten die hallesche Universität, die Betreiber der Quarterback-ImmobilienArena und die Behörden ein ausgefeiltes Hygienekonzept abgesprochen und um. Es beinhaltet, dass alle Beteiligten, das schließt die Freiwilligen, die Gastro-Mitarbeiter, den Wachschutz und die Pressevertreter sowie die Mitarbeiter des Projekt-Teams ein, einen negativen Corona-Test vorweisen mussten, der nicht älter als 48 Stunden ist, am Einlass wurde Fieber gemessen und es bestand die Pflicht zum Tragen der FFP2-Masken, sie sind sicherer als ein einfacher Mund-Nasen-Schutz, und zum Verwenden des Desinfektionsmittels. In dieses mischten die Wissenschaftler ein lumineszierendes Mittel. So konnten sie nach jedem Konzert mit Hilfe einer Schwarzlichtlampe  die  Kontaktflächen der Konzertbesucher sehen. Die niedrigen Infektionszahlen in Leipzig waren zudem eine Voraussetzung für die Durchführung der Studie.

Ein Experiment, drei Szenarien
Das erste Szenario  beginnt mit der  Aufforderung von  Dr. Stefan Moritz an die Zuschauer sich möglichst dicht nebeneinander zu setzen, damit eine reelle Situation  aus der Vor-Corona-Zeit simuliert werden kann: „Kein Sitz, keine Reihe darf frei bleiben!“ Die Probanden kommen in die Halle und verlassen diese über zwei Zugänge.  Die Handballer des SC DHfK Leipzig stellen sich  vor. Nach einer Pause beginnt das Konzert.  Tim Bendzko singt seinen Hit „Nur mal kurz die Welt retten“. 

Noch wichtiger als das Konzert sind die Pausen. Die Tracker verfolgen die Bewegungen der Besucher. Welche Wege nehmen sie? Auf wie viele Menschen treffen sie? Wie lange halten sie sich an einemOrt auf? Was  passiert beim Anstellen an den Verpflegungsständen? Kommt es zu einem Stau auf der Toilette? Aufgrund der Hygienevorschriften erhalten die Besucher ausschließlich Verpflegungsgutscheine. Das Essen und Trinken ist nur außerhalb der Halle erlaubt. Hygiene-Stewards in orangefarbenen T-Shirts kontrollieren die Einhaltung der Regeln.

Im zweiten Szenario wird bei gleicher Zuschauerzahl geprüft, ob die Kontakte reduziert werden können. Dazu bleibt immer ein Sitzplatz frei. Außerdem wird die Halle in vier Quadranten eingeteilt. Die Zuschauer dürfen sich nur in ihrem Quadranten bewegen. Die Zuschauergruppen  können sich somit nicht vermischen. Zudem wird die Anzahl der Ein- und Auslässe von zwei auf acht erweitert. 

Im dritten Szenario werden weniger Zuschauer eingelassen und der Abstand von 1,50 Metern eingehalten. Es blieben drei Sitze frei (Pärchen durften beisammen sitzen) und abwechselnd eine Reihe.

Vier Terabyte Daten werden in sechs Wochen verarbeitet
Rund acht Stunden dauert das Experiment. Ein Kraftakt für jeden Mitwirkenden.   Die Auswertung der Daten wird rund sechs Wochen in Anspruch nehmen, so Studienleiter Dr. Stefan Moritz am Ende des Tages. Er zeigt sich zufrieden mit den Freiwilligen: „Sie waren alle sehr motiviert und diszipliniert  beim Tragen der Masken und Verwenden der Desinfektionsmittel.“

Anhand der am Samstag gewonnenen Daten werden mehrere Computermodelle  nachgebaut.  Unter anderem eines zur Regelung der Entlüftung. Denn bei Indoor-Veranstaltungen  spielen Aerosole eine Rolle. Moritz weist darauf hin, dass die Ergebnisse nicht auf Fußballstadien übertragbar sind. 

„Wir sind gespannt, was bei der Studie herauskommt und uns ist klar, dass diese kein Allheilmittel ist“, sagt Matthias Kölmel, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft der  Arena Leipzig. Die Eventbranche sei die sechstgrößte Branche in Deutschland und habe sowohl eine wirtschaftliche als auch eine gesellschaftliche Relevanz, doch sie bröckele von Tag zu Tag mehr. „Veranstaltungen schaffen Begegnungen. Die Menschen kommen aus ihrem Alltag heraus“, sagt er. 

Das Projekt wird mit rund 990 000 Euro von den Ländern Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie aus Eigenmitteln der Universitätsmedizin Halle (Saale) finanziert. 

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