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Kerstin Eschke Kerstin Eschke
aktualisiert am 05.11.2020 um 12:00:40

Veranstaltungen sind möglich

Im August wurden in der Arena Leipzig bei einem Konzert mit Tim Bendzko die Bewegungsdaten von 1 400 freiwilligen Studienteilnehmern aufgezeichnet. Im August wurden in der Arena Leipzig bei einem Konzert mit Tim Bendzko die Bewegungsdaten von 1 400 freiwilligen Studienteilnehmern aufgezeichnet.
Foto: Kerstin Eschke
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie „Restart-19“ zeigen: Veranstaltungen in Pandemiezeiten sind möglich, wenn auch unter strengen Bedingungen.

Von Kerstin Eschke


Aufgrund der rasanten Entwicklung im Pandemiegeschehen und dem seit Montag geltenden Verbot für Kultur- und Sportveranstaltungen erhielt die Präsentation der Ergebnisse des Restart-19-Experiments  eine besondere Bedeutung. Denn die Frage, die es zu beantworten galt, war die: Sind größere Sport- und Kulturveranstaltungen in Corona-Zeiten möglich? 

Um das herauszufinden, führten Wissenschaftler der Universitätsmedizin Halle ein groß angelegtes Experiment am 22. August diesen Jahres in der Arena Leipzig durch. Bei insgesamt drei kleineren Konzerten des Popsängers Tim Bendzko wurden drei verschiedene Szenarien durchgespielt, um das jeweilige Ansteckungsrisiko zu ermitteln. Dabei galten unterschiedliche Abstandsregeln im Saal, zudem wurden die Anzahl der Einlässe erhöht und das Publikum in mehrere große Gruppen eingeteilt, die sich nicht vermischen durften. Mit Hilfe von sogenannten Kontakt-Tracern wurden die Bewegungen der Teilnehmer aufgezeichnet und die Kontakte einschließlich Dauer registriert. 

„Fallzahlendynamik, Maßnahmendynamik, die Lage ist komplex und für komplexe Probleme gibt es selten einfache Lösungen“, mit diesen Worten eröffnete  der Dekan der Medizinischen Fakultät  Prof. Dr. Michael Gekle  die Ergebnispräsentation am 29. Oktober im Universitätsklinikum Halle. 

Die Auswertung der Daten glich einem Wettlauf mit der Zeit. Die Ergebnisse gab  Studienleiter Dr. Stefan Moritz bekannt: „Grundsätzlich sind Veranstaltungen in geschlossenen Räumen − auch große − möglich. Die Menschen sollten sich an die ,AHA’-Regeln und die Maskenpflicht halten.“ Hier sieht Moritz kein Problem, denn eine Umfrage unter den Studienteilnehmern bewies eine hohe Akzeptanz des Maskentragens. Die Auswertung der Kontakt-Tracer zeigte zudem: Die meisten Kontakte entstehen beim Einlass. Sie sind  überwiegend kurzzeitig. Die Langzeitkontakte, also über 15 Minuten, sinken im dritten Szenario mit den strengsten Hygiene- und Abstandsregeln um 96 Prozent.

Nach dem 22. August begannen die Computersimulationen. „Wir bauten die Arena Leipzig im Computer nach“, erläuterte Dr. Stefan Moritz.  „Wir setzten  4 000 Leute rein. Darunter  24  Infizierte.“ Im Computermodell fand eine  Aerosolsimulation statt, das heißt, verschiedene Belüftungsszenarien wurden durchgespielt. Anhand der Modelle konnten die Forscher berechnen, wie sich das Virus in der Halle verbreitet. Daraus entwickelte das Team um Dr. Moritz  Empfehlungen. 

Empfehlung 1: Gute Belüftung

Eine gute Belüftung ist das A und O einer Veranstaltung in geschlossenen Räumen. Die Belüftungstechnik muss einen regelmäßigen Raumluft-austausch mit frischer Luft ermöglichen. Für den Umbau hat das Land  in kurzer Zeit Fördermittel  zur Verfügung gestellt. 

Empfehlung 2: In der Halle Maskenpflicht

Die derzeit gültige Maskenpflicht in geschlossenen Räumen sollte beibehalten und ergänzt werden um das Tragen der Maske auch auf den Sitzplätzen. Die Einhaltung der Hygiene-Konzepte  kontrollieren Hygiene-Stewards.

Empfehlung 3: Reduzierte Besucherzahl

Volle Konzertsäle und Sporthallen sind in Pandemiezeiten nicht möglich. Sie sollten maximal zur Hälfte ausgelastet sein. Steigt die Inzidenz auf über 50 und befindet sie sich noch im beherrschbaren Bereich, sollten maximal 25 Prozent der  Plätze belegt werden. Wichtig ist, dass genügend Abstand zwischen den Sitzplätzen ist.  

Empfehlung 4: Mehrere Ein- und Ausgänge

Um die Besucherströme besser zu lenken und Warteschlangen zu verhindern bzw. ins Freie zu verlagern, sollten mehrere Eingänge zu den Veranstaltungsorten vorhanden sein. 

Empfehlung 5: Essen und Trinken am Sitzplatz

Zwar kann ein Catering erfolgen, jedoch sollten Speisen und Getränke auf den Sitzplätzen eingenommen werden. Dadurch werden  Gedränge und Kontakte an Imbiss-Ständen vermieden.

Empfehlung 6: Sitzplätze statt Stehplätze

Es sollten ausschließlich Veranstaltungen auf Sitzplätzen stattfinden. Im Gegensatz zu Stehplätzen werden hierbei zusätzliche Bewegungen  und damit unnötige Kontakte vermieden.  

Die Ergebnisse geben der Veranstaltungsbranche, in der rund zwei Millionen Beschäftigte arbeiten, Hoffnung. Denn wie Prof. Dr. Michael Gekle sagte: „Die Teilnahme an einem hygienisch durchdachten Handballspiel ist sicherer als die Teilnahme an einer Großhochzeit.  Mit den Empfehlungen geben wir Kunst, Kultur und Sport eine Perspektive, denn ohne sie geht es nicht.“ Zudem  ist klar: Die Pandemie ist in vier Wochen noch lange nicht vorbei.

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