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Wochenspiegel > Halle (Saale) > Politik > Halles Nachwende-OB Klaus Rauen ist in der vergangenen Woche im Alter von 83 Jahren verstorben: Ein Moderator im besten Sinne >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 06.09.2018 um 15:24:45

Halles Nachwende-OB Klaus Rauen ist in der vergangenen Woche im Alter von 83 Jahren verstorben: Ein Moderator im besten Sinne

Eine Plastik namens „Stein des Anstoßes“, bekam Klaus Rauen 2000 bei seiner Verabschiedung geschenkt. Sie erinnert an die Aufstellung des Göbel-Brunnens auf dem Hallmarkt, die durch die Figur des frivolen Kardinals weltweit Aufmerksamkeit erregte.   Eine Plastik namens „Stein des Anstoßes“, bekam Klaus Rauen 2000 bei seiner Verabschiedung geschenkt. Sie erinnert an die Aufstellung des Göbel-Brunnens auf dem Hallmarkt, die durch die Figur des frivolen Kardinals weltweit Aufmerksamkeit erregte.
Foto: Archiv/S. Christmann Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder)
Halle (sc). Als am Mittwoch vergangener Woche die Nachricht an die Öffentlichkei drang, dass Halles Alt-Oberbürgermeister Klaus Rauen in der Nacht zuvor im Alter von 83 Jahren gestorben sei, hielten alle, die ihn gekannt hatten, bestürzt inne: da war nach langer Krankheit jemand gegangen, der für die Stadt Halle ein Glücksfall gewesen war.

Denn damals kam 1991 nicht irgendein mit allen Wassern der kommunalen Verwaltung gewaschener Profi von Bonn aus an die Saale, um auf der Karriereleiter ein Stück weiter nach oben zu klettern, sondern einer, dem die Stadt Halle und ihre Einwohner ganz schnell zur Herzenssache wurden. Im Rückblick kann man mit Fug und Recht sagen, dass sich Rauen auf jede ihm mögliche, erdenkliche Weise für „seine" Stadt eingesetzt hat. Auch nachdem er im Jahr 2000, weil er 65 wurde, aus dem Amt scheiden musste.

Er beließ seinen Hauptwohnsitz in Halle, arbeitete hier wieder als Rechtsanwalt, kümmerte sich z. B. um die Vorbereitung der 1 200-Jahrfeier im Jahr 2006. Fragt man Hallenser, wie sie Rauen erlebt haben, sagen die meisten, dass er der beste OB war, den Halle hätte nach der Wende bekommen können. Nicht nur, weil er maßgeblich die Sanierung der kostbaren, ber maroden Substanz in Halles altem Stadtkern vorantrieb. Sondern weil er auf alle Hallenser - egal, ob Obdachloser oder Unternehmenschef - unvoreingenommen zuging und sie mit aufrichtiger, nicht gespielter Herzlichkeit für sich einzunehmen vermochte. Von ihm hat jeder, der wollte, sich abschauen können, wie jener souveräne, angemessene Charme aussieht, mit dem man als Mann Frauen gegenübertreten kann.

Klaus Rauen war ein Moderator im besten Sinne. Er begriff Konflikte nicht als Kampfansage gegeneinander, sondern suchte mit beharrlicher Ausdauer und nie nachlassendem Interesse für die Belange aller beteiligten Seiten immer nach einer Lösung, die keinen düpieren musste.

Auch ihm waren die schwierigen Machtverhältnisse im damaligen halleschen Stadtrat manchmal eine Last. Aber, so sagte er es einmal in einem Gespräch zum Ende seiner Amtszeit, er sei immer unterwegs gewesen, um Mehrheiten für seine Anliegen zu bekommen - mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, aber nie damit, den oder die „Gegner" nach außen hin schlecht aussehen zu lassen.

Unvergessen seine Rolle als Moderator im Konfliktfall Aufstellung des Göbel-Brunnens auf dem Hallmarkt. Bildhauer Bernd Göbel hatte Halles Stadtgeschichte in einer Figur des Kardinals Albrechts dargestellt, der mit Mitra auf dem Kopf nackt auf seiner Mätresse kauert und gleichzeitig nach seinem unter ihm liegenden Nebenbuhler Hans von Schönitz tritt. Diese Darstellung der historisch verbürgten Geschichte rief erst den katholischen Bischof von Magdeburg, Leo Nowak, auf den Plan, der die katholische Kirche und die Lebensgeschichte von Kardinal Albrecht lächerlich gemacht sah und dann etliche katholische Würdenträger aus aller Welt. Rauen - selber gläubiger Katholik - fand die Bronze-Skulptur „gelungen und witzig." Was tat er? Er ließ vor der Aufstellung alle Skulpturen des Brunnens im Hof der Moritzburg eine Woche lang ausstellen, damit sich jedermann ein konkretes Bild machen konnte. Zwar erfuhr er so, dass die Mehrheit der Hallenser für den nackten frivolen Kardinal auf dem neuen Brunnen votierte, vergaß aber nicht, auf die Kritiker zuzugehen.

Er überzeugte den Bildhauer davon, die Mitra auf Albrechts Kopf in einen wilden Haarschopf umzuwandeln, der in seiner Form aber immer noch an eine Mitra erinnert. Bis heute haben Halles Gästeführer ihren Spaß daran, diese Geschichte am konkreten Objekt - dem Stein des Anstoßes - zum Besten zu geben. Weshalb Rauen 2000 zu seiner Verabschiedung folgerichtig auch eine Skulptur geschenkt bekam, die den Titel „Stein des Anstoßes" trägt.

Man könnte an dieser Stelle munter weiter Klaus Rauens Verdienste um die Stadt Hale aufzählen und sich damit um so schmerzlich bewusst machen, dass man solch‘ einen Kommunalpolitiker in der heutigen Zeit nach wie vor sehr vermisst. Was die Autorin dieser Zeilen und sicherlich viele Hallenser und Hallenserinnen mit seinem Tod wohl aber gleichermaßen vermissen werden, ist Klaus Rauen als Mensch.

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