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Wochenspiegel > Halle (Saale) > Politik > Debatte um Kunst und Geschäft in Halles städtischen Bühnen: Wer braucht und will wie viel Macht? >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 24.01.2019 um 18:32:55

Debatte um Kunst und Geschäft in Halles städtischen Bühnen: Wer braucht und will wie viel Macht?

Die Raumbühne „Babylon“ in der Oper eignet sich, wie man sieht, auch für Podiumsdiskussionen.     Die Raumbühne „Babylon“ in der Oper eignet sich, wie man sieht, auch für Podiumsdiskussionen.
Foto: S. Christmann
Halle (sc). Leute, die es nicht so gut meinen mit jener Kultur in Halle, die in öffentlicher Hand ist, bzw. mit denen, die sie gestalten, ordnen die gegenwärtigen Unruhen in Halles Bühnenlandschaft als pure Machtkämpfe ein. Stefan Rosinski, Geschäftsführer der TOOH - jener GmbH, unter derem Dach alle städtischen Bühnen kaufmännisch zusammengefasst sind - hat - sagen die einen - zu viel davon, weil er gegenüber dem Aufsichtsrat, dem Oberbürgermeister Bernd Wiegand vorsitzt, meist alleiniges (Mit)Rederecht hat. Die Intendanten, insbesondere Opern-Chef Florian Lutz und nt-Chef Matthias Brenner, haben nach dieser Lesart zu wenig Mitbestimmungsrecht, auch wenn in der TOOH-Geschäftsordnung ausdrücklich vermerkt ist, dass die Intendanten in ihrer künstlerischen Freiheit nicht beschränkt werden (dürfen). Lutz und Brenner meinen genau das: sie werden beschränkt bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit für ihre Häuser, bei der sich die TOOH offensichtlich von beiden nicht reinreden bzw. etwas sagen lässt.

Wie schon zu Beginn seiner Amtszeit in Halle, als es kontroverse Meinungen und Diskussionen um die Art der Inszenierungen in der Oper gab, griff Lutz mit Brenner an seiner Seite wieder zu dem Mittel, in dem in Halle (immer) noch viele, die etwas zu sagen haben (meinen), ein Problem sehen: er brachte es mit einer Einladung zu einer Podiumsdiskussion auf ein allgemeineres Niveau (Kunst und Geschäft - Wie können künstlerische und kaufmännische Verantwortung auf Augenhöhe zusammenarbeiten?) und damit in die breite Öffentlichkeit. Wovon die Stadtratsfraktionen (CDU/FDP, Linke und SPD) überhaupt nichts hielten. Weil: das wäre Ausübung von Druck auf den Aufsichtsrat in „nicht akzeptabler Weise" so kurz vor der Sitzung im Februar, bei der es um die Vertragsverlängerungen (oder eben nicht) der Intendanten gehen soll.

Der Oberbürgermeister möge sich doch bitte „nicht im Alleingang und nicht abgestimmt" an solch einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung beteiligen, sondern in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender „bei internen Konflikten deeskalierend moderieren." Dies ging als Pressemitteilung an alle Medien, wodurch nun endgültig gar nichts mehr mit dem Label „intern" versehen werden konnte.

Natürlich haben sich am vergangenen Montagabend in der Oper Lutz und Brenner nicht selber aufs Podium gesetzt (der Oberbürgermeister aber wohl). Sondern sich - nicht der unklügste Schachzug - mit Ulrich Khuon (Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Intendant des Deutschen Theaters Berlin) und Ludwig von Otting (ehemaliger kaufmännischer Geschäftsführer des Thalia Theaters Hambaurg) zwei Fachleute geholt, die mit einem sachlicheren Blick von außen einen Grund für die Querelen in der Verwaltungs-Struktur der Bühnen ausmachen konnten. Das hallesche Geschäftsführermodell berge eben die Gefahr, dass sich Intendanten in ihrer künstlerischen Freiheit eingeengt sähen. Auf echter Augenhöhe ist man nach Khuons Erfahrungen eher mit dem Direktionsmodell, bei dem die Intendanten stets gemeinsam mit dem Geschäftsführer mit dem Aufsichtsrat kommunizieren würden.

Sowohl von Otting als auch Khuon attestieren Halle übrigens eine für die Kultur gute Ausgangslage: die Stadt setzte die Kultur für die Außenwirkung der Stadt an erste Stelle und habe mit dem Theatervertrag (mit dem Land) für die nächsten Jahre auch für eine solide finanzielle Grundlage gesorgt. Und: die Hallenser interessieren sich für „ihre" Bühnen, sonst wäre der Saal bei solch einer Podiumsdiskussion nicht so gut gefüllt. Alles keine Selbstverständlichkeiten, mit denen man aber die derzeitigen Probleme eigentlich gut in den Griff bekommen sollte.

Getreu seiner Art, seine Diskussionsbeiträge stets an die aktuellen Stimmungslagen anzupassen, signalisierte Bernd Wiegand, dass man im Aufsichtsrat prüfen wolle, ob man etwas an der aktuellen Geschäftsordnung änern müsse. Erst dann könne man entscheiden, mit welchen Personen man weiter arbeiten können und wolle, sprich, ob Verträge verlängert würden oder nicht. Das Modell der kaufmännischen Geschäftsführung stamme ja noch aus Zeiten, in denen es darum ging, drohende Insolvenzen abzuwenden.

Steilvorlage für Khuon: „Jetzt ist man aber in einer neuen , besseren Situation". In der böte sich eine Struktur an, in der sich die Verantwortlichen auf Augenhöhe begegnen könnten - wie gesagt, das Direktionsmodell lässt grüßen. Denn es sei immer besser, man streite sich vor dem Aufsichtsrat als vor der Stadt-Öffentlichkeit. Khuon und von Otting, die in Hamburg zusammengearbeitet
haben, blickten zurück: Wenn sie mal Krach hatten, dann haben sie es vermieden, dass der in der Zeitung stand. Da wird gelacht am Montagabend in Zuschauersaal. Khuon weiter: Wie man die Struktur der städtischen Bühnen gestalte, das sei eine Frage des politischen Willens. Das kann man getrost als Wink mit dem Zaunpfahl an den halleschen Stadtrat verstehen.

Die Öffentlichkeit, wenn es gerade mal nicht passt, herauszuhalten versuchen - das, so zeigte die Diskussion am Montagabend einmal mehr, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Und funktioniert im digitalen Zeitalter ohnehin nur noch selten.Transparenz heißt das aktuelle Zauberwort, zu der es eben kaum noch eine Alternative gibt, wenn denn der Geist schon mal aus der Flasche gelassen worden ist - von wem auch immer. Schließlich: kann man sich in Halle wirklich den Luxus noch leisten, die angebotene Beratungshilfe vom Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins Ulrich Khuon weiterhin abzulehnen?
 

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