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Wochenspiegel > Halle (Saale) > Politik > Florian Lutz' Vertrag wird nicht verlängert - Update: Stellungnahme der künstlerischen Leitung der Oper- Update Nr. zwei: BURG hat kein Verständnis für Nicht-Verlängerung >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 25.02.2019 um 16:05:04

Florian Lutz' Vertrag wird nicht verlängert - Update: Stellungnahme der künstlerischen Leitung der Oper- Update Nr. zwei: BURG hat kein Verständnis für Nicht-Verlängerung

Muss nach einer Muss nach einer "Amtsperiode" wieder gehen: Halles derzeitiger Opern-Intendant Florian Lutz, hier im März 2015 im "Privaten Promi-Talk mit Ines Brock".
Foto: Archiv/S. Christmann
Halle (S. Christmann). Diese Nachricht platzt in den Freitagabend wie eine Bombe: Halles derzeitiger Opern-Intendant muss in zwei Jahren - nach einer üblicherweise fünf Jahre dauernden Amtszeit - wieder gehen. Sein Vertrag wird nicht verlängert, wie die städtische Pressestelle soeben verbreitet. Das hätte der Aufsichtsrat der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) in seiner heutigen Sitzung in geheimer Abstimmung beschlossen.

Dagegen würden Schauspiel- Matthias Brenner und Puppentheater-Chef Christoph Werner jeweils ein neues, fünfjähriges Vertragsangebot erhalten. "Der Aufsichtsrat hat sich zudem darauf verständigt, persönliche Auseinandersetzungen innerhalb der TOOH nicht zu tolerieren. Dazu sollen dienstrechtliche Verfehlungen künftig konsequent arbeitsrechtlich geahndet werden" heißt es weiter in der Pressemitteilung. Diese Aussagen dürften sich wohl auf den mit offenen Briefen ausgetragenen Differenzen zum ebenso wie Florian Lutz umstrittenen Geschäftsführer der TOOH, Stefan Rosinski, beziehen.   

Update: Soeben erreicht die Redaktion eine Stellungnahme der künstlerischen Leitung der Oper Halle zu dieser Entscheidung des Aufsichtsrates der TOOH, die wir hier im Wortlaut wiedergeben:

Stellungnahme der künstlerischen Leitung der Oper Halle zur heutigen Entscheidung des Aufsichtsrates

Im Vorfeld der heutigen Aufsichtsratssitzung der „Theater Oper und Orchester GmbH“(TOOH) haben wir für unsere bisherige künstlerische Arbeit in Halle beachtlich viel Zuspruch und Unterstützung aus der Stadtbevölkerung erfahren, von der „Gesellschaft der Freunde der Oper und des Balletts Halle“ bis zu stadtbekannten Akteuren der lokalen Kunstszene, von Mitarbeiter*innen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein bis zum Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt. Überregional haben beeindruckend viele Intendant*innen und Geschäftsführer*innen von Berlin bis München, von Hamburg bis Zürich bekundet, dass sie die Oper Halle als einen „außergewöhnlichen Leuchtturm der Mitteldeutschen Kulturlandschaft mit
bemerkenswerter deutschlandweiter Strahlkraft“ wahrnehmen, und sich gemeinsam mit vielen weiteren gewichtigen Stimmen des überregionalen Kulturbetriebs für die Fortführung unserer künstlerischen Arbeit eingesetzt.

Wir möchten heute der Stadt Halle, den Mitarbeiter*innen unseres Hauses, den Betriebsrät*innen der TOOH, unserem Sänger*innenensemble, unseren Kooperationspartnern in der Stadt und insbesondere unseren Zuschauer*innen dafür danken, dass sie uns seit nun bald drei Jahren die Möglichkeit geben, an der Umsetzung einer Vision von Oper zu arbeiten, die für inhaltliche Relevanz und ästhetische Zeitgenossenschaft steht. Dies wäre nicht möglich gewesen ohne unsere engen Partner in den anderen Sparten der TOOH, von denen an dieser Stelle Schauspielintendant Matthias Brenner und der bisherigen
Leitung der Staatskapelle, Orchesterdirektorin Claudia Brinker und GMD Josep Caballé-Domenech, ausdrücklich gedankt werden soll.

Wir freuen uns, dass es mit der künstlerische Neuausrichtung unseres Programmes gelungen ist, innerhalb von nur zwei Spielzeiten einen Großteil des Stammpublikums weiter an die Oper Halle zu binden und darüber hinaus viele neue Menschen für Musiktheater und Ballett zu begeistern. Angesichts des gewollten deutlichen ästhetischen Umbruchs waren Zuschauerrückgänge in den ersten Spielzeiten in gewissem Maße für jeden kulturpolitisch informierten Menschen zu erwarten.

Nach unserer Einschätzung sind diese dennoch verhältnismäßig moderat ausgefallen: Vergleicht man die Gesamtzuschauerzahl unserer zwei bereits abgeschlossenen Spielzeiten mit den letzten beiden Spielzeiten unseres Vorgängers, ergibt sich ein Minus von etwa 9 Prozent. In 2018 konnten deutlich über 57 000 zahlende Zuschauer allein in der Opern- und Ballettsparte gezählt werden. Mit gut 1 140 000 Euro Einnahmen wurden nach heutigem Stand 80 000 Euro mehr Erlöse erzielt als im Wirtschaftsplan vorgegeben.

Künstlerischer Freiraum ist nach unserer Ansicht die zentrale Voraussetzung für ein plurales, wirkmächtiges und lebendiges Kunst- und Kulturangebot, das Fragestellungen und Visionen unserer Zeit einen Raum zur  gesellschaftlichen Verständigung bietet. Die Geschäftsordnung der TOOH ist mit zahlreichen auch öffentlich diskutierten Widersprüchen versehen, deren Auswirkungen die Rückzüge unserer Vorgänger Axel Köhler und Klaus Froboese maßgeblich mitbegründet haben. Wir haben den Aufsichtsrat gemeinsam mit Schauspielintendant Matthias Brenner auf Grund der anhaltenden innerbetrieblichen Konflikte zwischen den künstlerischen Leitungen und Geschäftsführer Stefan Rosinski im Dezember gebeten, hier eine Grundsatzentscheidung herbeizuführen und halten es für folgerichtig, dass er dieser Bitte am heutigen Tage nachgekommen ist.

Wir bedauern natürlich, dass heute in einer denkbar knappen Abstimmung die Entscheidung in Richtung eines Generalintendantenmodels unter der Leitung von Geschäftsführer Stefan Rosinski gefällt wurde. Wir hoffen inständig für die Kunst- und Kulturstadt Halle, dass dennoch die freie Entfaltung der Kunst mit allen dafür notwendigen Bedingungen - als dem eigentlichen Zweck einer subventionierten Kulturinstitution - auch in Zukunft die erste Priorität behalten kann. Unabhängig davon hoffen wir, dass wir uns ab heute für die kommenden zweieinhalb Jahre wieder voll auf die Kunst konzentrieren können. Voll Spannung erwarten wir die heutige Premiere von „Ariadne auf Naxos“ in der Regie von Paul-Georg Dietrich und freuen uns auf die bevorstehende Zusammenarbeit mit den Inszenierungsteams von Nanine Linning und Peter Konwitschny. Spannende Spielzeiten liegen vor uns und unserem Publikum!

Halle (Saale), den 22. Februar 2019

Florian Lutz                                                       Veit Güssow                                          Michael v. zur Mühlen

Update Nummer zwei: Auch das Rektorat der Kunsthochschule Burg nimmt Stellung zu diesem Thema. Im Folgenden der Wortlaut der Erklärung des Rektorates vom heutigen Montag:
"BURG hat kein Verständnis für Nicht-Verlängerung der Intendanz von Florian Lutz an der Oper Halle
Das Rektorat der Kunsthochschule hatte im Vorfeld dem Aufsichtsrat Verlängerung der Intendanzen von Matthias Brenner und Florian Lutz empfohlen.

Halle (Saale), 25. Februar 2019. Das Rektorat der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle hat kein Verständnis für die Entscheidung des Aufsichtsrats der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) gegen die Verlängerung der Intendanz von Florian Lutz an der Oper Halle.

„Wir werten diese Entscheidung als herben Verlust für die Kulturstadt Halle und auch die gesamte Kulturlandschaft Sachsen-Anhalts. Während der Intendanz von Florian Lutz konnte nicht nur überregionale Aufmerksamkeit und Anerkennung für die Produktionen an dem Opernhaus gewonnen werden, auch wurden mit neuen Ansätzen, Projekten und Inszenierungen und nicht zuletzt weitreichenden Kooperationen junge Menschen in Halle für das Medium Oper wieder begeistert", sagt Rektor Prof. Dieter Hofmann. „Wir wundern uns, dass es nicht möglich war, einen konstruktiven Kompromiss zu finden, der darin hätte bestehen können, die künstlerischen und geschäftsführenden Bereiche konsequenter zu trennen", so Hofmann.

Das Rektorat hatte sich im Vorfeld der Entscheidung gegenüber dem Aufsichtsrat in einem internen Brief geäußert und sich für die Verlängerung der Intendanzen von Matthias Brenner, Künstlerischer Direktor des Neuen Theaters, und Florian Lutz eingesetzt. Die BURG schloss erst im August 2018 eine Kooperationsvereinbarung mit der Oper Halle, um die intensive und fruchtbare Zusammenarbeit beider Institutionen weiter zu forcieren.

Die BURG arbeitet derzeit mit der Oper Halle so intensiv zusammen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Im Januar 2019 wurde beispielsweise mit Take me to that place eine Ausstellung mit Filmen, Fotografien, Installationen und Performances der Studienrichtung Zeitbasierte Künste im Operncafé gezeigt. Im September 2018 entwickelten Multimedia|VR-Design-Studierende eine 3D-Anwendung für Virtual-Reality-Brillen, die in der Aufführung Messa da Requiem zum Einsatz kam. Im Sommersemester 2018 entstanden im Studiengang Industriedesign Entwürfe für und über die Oper Halle zum Thema Gestaltung im öffentlichen Raum und die szenische Verbindung von Kunst und Design. Hierbei begegnete den Lehrenden und Studierenden eine große Offenheit sowie eine unkomplizierte, nachhaltige Zusammenarbeit, die nicht zuletzt zeitgenössische Ansätze aus Kunst und Design mit dem Medium Oper verbindet."
  
         

  

 

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