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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 04.12.2012 um 08:57:09

230 Jahre Freimaurerei in Anhalt

Das Zerbster Logenhaus mit Logenbrüdern. Das Zerbster Logenhaus mit Logenbrüdern.
Foto: Museum der Stadt Zerbst/Anhalt
Zerbst/Anhalt (WS). Am Freitag, dem 14. Dezember, um 17 Uhr lädt das Museum der Stadt Zerbst/Anhalt im Rahmen der Sonderausstellung „230 Jahre Freimaurerei in Anhalt“ zu einem Vortrag zur Geschichte der Freimaurer ein. Referent ist Hans-Günther Fischer, Vorstandsmitglied der Stiftung der Loge „Zu den drei Weltkugeln“.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“ Mit diesen Worten charakterisiert der Philosoph Immanuel Kant gleichsam das Zeitalter der Aufklärung in Deutschland. Das 18. Jahrhundert kennzeichnet den Weg in eine neue Ära – alte überkommene, absolutistische Herrschaftsmodelle haben ihre Legitimität verloren. In der Entstehung einer neuen Bürgerlichkeit lässt sich der Mensch zunehmend von der Vernunft als Grundlage des Seins leiten. In den adeligen und bürgerlichen Salons und Lesegesellschaften wird eine Lanze für die Emanzipation, bürgerliche Gleichstellung und allgemeine Menschenrechte gebrochen.

Namhafte Vertreter aus Philosophie und Kultur in Europa weisen den Weg: Voltaire als Wegbereiter der französischen Revolution, unter anderem als Philosoph am Hofe Friedrich II. und im engen Briefkontakt mit Katharina II., Jean-Jacques Rousseau und sein herausragendes Werk des Gesellschaftsvertrages - beide Repräsentanten der französischen Aufklärung. Für die frühe Phase der Aufklärung in England sind Philosophen wie Isaac Newton, Thomas Hobbes, David Hume und John Locke zu nennen, dessen Philosophie direkten Einfluss auf die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika hat. Lessings „Nathan der Weise“ ist auf künstlerischem Gebiet das Plädoyer für Toleranz schlechthin. In Anhalt wird in diesem Jahrhundert die „Schule der Menschenfreundschaft“, das Philanthropinum, ins Leben gerufen. Fürst Franz von Anhalt-Dessau trägt mit der Gründung der „Chalcographischen Gesellschaft Dessau“ dazu bei, das Kunstverständnis der breiten Bevölkerung zu fördern.
Daher fällt die Entstehung der Logen im 18. Jahrhundert hier auf fruchtbaren Boden. Ihr Ursprung ist in den mittelalterlichen Bauhütten zu suchen, die rund um die gotischen Kathedral- und Dombaustellen entstehen. Die Bauhütten, im englischen Lodge genannt, sind gleichsam Versammlungsort der Baumeister und Gesellen und bewahren „geheimes“ (handwerkliches) Wissen auf. Im 17. Jahrhundert verlieren die Bauhütten ihre originäre Aufgabe und öffnen sich zeitgleich einer geistigen, das heißt symbolisch bauenden Gemeinschaft. 1717 entsteht die erste Großloge in England. 1737 folgt die Logengründung in Hamburg, die als prominentes Mitglied 1738 den preußischen Kronprinzen Friedrich aufnimmt. 1740 stiftet Friedrich II. in Berlin die Großloge „Zu den drei Weltkugeln“, die als Mutterloge viele weitere Logen begründet – so in Zerbst/Anhalt 1873 die Loge „Friedrich zur Beständigkeit“.

Namhafte Industrielle, Intellektuelle und Politiker sind auch in Anhalt Mitglieder der Logen: der Homöopath Samuel Hahnemann, der Lyriker Friedrich Matthisson, der Architekt Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff, der Dichter Wilhelm Müller, der Industrielle und Politiker Wilhelm von Oechelhäuser, der Automobilbauer Friedrich Lutzmann, der Maschinenfabrikant Gottfried Polysius und Söhne, die Gebrüder Sachsenberg der gleichnamigen Roßlauer Werft, der Fabrikbesitzer Friedrich Kölling, der Buchhändler Friedrich Gast oder der Stadtphysikus und Professor am Gymnasium illustre Johann George Friedrich Henning. Die letzteren sind Mitglieder der Loge „Friedrich zur Beständigkeit“ in Zerbst.

Die Besucher dürfen auf einen spannenden Vortrag gefasst sein und werden erfahren, ob den Freimaurerlogen wirklich so viel Geheimnisvolles anhaftet. Im Anschluss an den Vortrag können die Sonderausstellung besichtigt und dem Referenten Fragen gestellt werden.

Ein weiteres Angebot im Rahmenprogramm der Sonderausstellung, die noch bis zum 27. Januar im Museum der Stadt Zerbst/Anhalt zu sehen ist, ist eine öffentliche Führung. Sie findet am Dienstag, dem 25. Dezember, um 14 Uhr im Museum statt.

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