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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 20.05.2014 um 19:17:09

Ohne Lehrer keine Schule

Im schlimmsten Fall muss der Unterricht ausfallen! Im schlimmsten Fall muss der Unterricht ausfallen!
Foto: Torsten Waschinski Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder)
Ausfall von Unterrichtsstunden auch in Sachsen-Anhalt ein Problem - Ursachen gibt es viele, Lösungsvorschläge ebenso. Das Land möchte allein in diesem Jahr 370 neue Lehrer einstellen.

Sachsen-Anhalt (red).
„Die Unterrichtsausfälle im Land nehmen bedenkliche Größenordnungen an“, mahnt der Landeselternrat Sachsen-Anhalt. Er sieht die Bildung eines ausgeglichenen und leistungsfähigen Schulangebotes massiv gefährdet. „Mit Sorge sehen wir, dass die Zusammenlegung von Schulstandorten nicht durch zurückgehende Schülerzahlen, sondern durch Lehrermangel begründet ist“, so die Elternvertretung.

Wie hoch der Ausfall an Unterrichtsstunden in Sachsen-Anhalt wirklich ist, darüber gibt es keine verlässlichen offiziellen Zahlen. Die Lage jedoch muss sehr prekär sein. Immerhin sucht das Land Lehrer für Grundschulen, Förderschulen, Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen, Gymnasien, Gesamtschulen, Schulen des Zweiten Bildungsweges sowie berufsbildende Schulen.

Die Gesamtzahl der möglichen Neueinstellungen von Lehrkräften im Jahr 2014 beträgt 370. Aktuell sind zum kommenden Schuljahr 257 Stellen für Lehrkräfte ausgeschrieben worden. In einer ersten Ausschreibungsrunde waren bereits 113 Stellen zum Schulhalbjahr ausgeschrieben und im Februar besetzt worden, wie das Kultusministerium Sachsen-Anhalt informiert.



Elternrat sieht sich bestärkt

Sachsen-Anhalt (red).
Der Landeselternrat Sachsen-Anhalt begrüßt die avisierte Neueinstellung von 370 Lehrkräften ab dem 1. August 2014. „Das zeigt, dass sich der Kampf von Elternvertretern und Bürgerbewegungen gegen eine rigide Sparpolitik in der Bildungslandschaft lohnt und Früchte trägt“, erklärt der Vorsitzende Thomas Jaeger.

Dabei dürfe laut Jaeger nicht vergessen, dass die Zusicherung der zusätzlichen 150 Lehrerstellen in diesem Jahr nur eine Beruhigungspille vor dem Hintergrund der aktuellen Landtagsdebatte um Schulschließungen und Unterrichtsausfälle ist – und eine Hypothek für die Zukunft beinhaltet. Schließlich würden diese neuen Stellen nicht aus dem Nichts geschaffen, sondern im gültigen Personalkonzept nur vorgezogen.

Beim derzeitigen Altersdurchschnitt der rund 15.000 Lehrer im Land ist davon auszugehen, dass zum Ausgleich der in Rente gehenden Kollegen noch viel mehr Lehrer eingestellt werden müssten – deutlich zeige sich das an der Altersstatistik der Pädagogen, die deutlich macht, dass nur jeder 15. Lehrer jünger als 40 Jahre ist.

Ein weiteres und hauptsächliches Problem im Land sind die Schulschließungen im allgemeinen: „Jede Gefährdung einer optimalen, individuellen und leistungsorientierten Schulpolitik ist als unverantwortlich für die mittel- und langfristige Entwicklung des Standortes Sachsen-Anhalt abzulehnen“, so der Vorsitzende des Landeselternrates, Thomas Jäger.



Fachlehrer sind rar - Die richtigen Prioritäten setzen

Eiko Adamak, Elternratsvorsitzender am Liborius-Gymnasium Dessau und Vorsitzender des Stadtelternrates Dessau-Roßlau, kennt die Sorgen der Eltern. Diskutiert werde das Thema Unterrichtsausfall vor allem an den weiterführenden Schulen und in den oberen Klassen, wo es um die entsprechenden Abschlüsse geht. In Dessau-Roßlau sei das nicht anders als im übrigen Land.

Fachlehrer sind knapp und wenn einer für längere Zeit krankheitsbedingt ausfällt, ist es schwer, den passenden Ersatz zu finden. Natürlich habe jede Schule ein Vertretungskonzept, um Ausfälle zu kompensieren. Teilweise funktioniert das in Dessau-Roßlau auch schulübergreifend, was von den Lehrkräften schon ein gehöriges Maß an Flexibilität erfordert

„Am Liborius werden die Prioritäten so gesetzt, dass in den höheren Klassen und der Abiturstufe so wenig wie möglich  Unterricht ausfällt. Das halte ich für richtig. Aber mal ehrlich, wenn ich 30 Jahre zurückdenke, da hielt sich meine Trauer über eine ausgefallene Schulstunde eher in Grenzen. Und so geht es den Schülern heute ganz sicher auch.“



Enorm belastet - Suche nach einem guten Vertretungskonzept

Eine der Hauptursachen für den Unterrichtsausfall ist der Krankenstand unter den Lehrern, oft bedingt durch eine enorm hohe psychische Belastung. Monika Reinbothe, Mitglied im Ausschuss für Bildung und Sport im Kreistag von Anhalt-Bitterfeld, sieht dieses Problem vor allem an den Sekundarschulen, wobei es in den Grundschulen bereits beginnt.

Reinbothe arbeitet selbst als Lehrerin, allerdings hauptsächlich an der Berufsbildenden Schule (BbS) II in Dessau. Dort gebe es kaum Ausfall von Stunden. „Das Vertretungskonzept ist so geregelt, dass immer jemand parat steht. Schon am frühen Morgen ist jemand eingeteilt, der für einen erkrankten Kollegen einspringen könnte.“

So etwas funktioniere aber hauptsächlich an den Berufsschulen, weil hier die Schüler bereits ihre berufliche Zukunft vor Augen haben. Eins zu eins lasse sich das Konzept nicht auf Grund- oder Sekundarschurschulen übertragen, meint Monika Reinbothe. Die Anforderungen an die Lehrer dieser Bildungsstufen sind einfach andere, weil die Schüler in diesem Alter noch reifen.



Politische Ursache - Lehrerstamm je Schule aufstocken wäre eine Lösung

Das Problem fängt schon in der Politik der Landesregierung an, meint Uwe Schönemann, Juwelier und Goldschmiedemeister in Köthen sowie Mitglied im Handelsausschuss der IHK Halle-Dessau. „Dort wird festgelegt, wie viele Lehrer in einer Schule sind. Je mehr Schüler, desto mehr Lehrer. Das klingt zwar plausibel und schön, Praxis ist heute oft, dass die Lehrer an verschiedenen Schulen tätig sein müssen“, so Schönemann weiter.

Dass dies auf Dauer zermürbe, sei klar.

„Wenn eine solche Lehrkraft ausfällt, ist die klaffende Lücke noch größer“, sagt der selbstständige Unternehmer und Vater eines schulpflichtigen Sohnes. Sein Vorschlag: „Es gilt, den festen Lehrerstamm je Schule so aufzustocken, dass es möglich ist, Vertretungsstunden innerhalb des Lehrerpools einer Schule abzufedern. Um den Schülern eine optimale Grundlage für Ausbildungen zu schaffen.“ Aus eigener Erfahrung fügt er hinzu: „Bei meinem Sohn ärgere ich mich über jede Stunde Ausfall, auch wenn dies an seiner Schule, der freien Schule Anhalt, sehr selten ist.“







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