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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 17.01.2017 um 16:44:13

Reporter als Stallbursche: Viehzucht einmal anders

Reporter Thomas Schmidt taucht diesmal als Stallbursche in den Alltag des Straßen- und Damwildhofes Halamunda in Kleinleipzig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ein. 	Reporter Thomas Schmidt taucht diesmal als Stallbursche in den Alltag des Straßen- und Damwildhofes Halamunda in Kleinleipzig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ein.
Foto: Stefan Julius Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder)
Diesmal auf den Straußen- und Damwildhof Halamunda - frische Luft und harte Arbeit sind kein Widerspruch zum erholsamen Landleben - ein Praxisbericht von Thomas Schmidt:

Thurland (ts).
Pferde sind Anspruch und Erholung zugleich. Das habe ich in der letzten Woche gelernt. Doch was erwartet einen in Kleinleipzig auf dem Straußen- und Damwildhof der Familie Halamunda? Auf alle Fälle als Erstes die Erkenntnis, auch hier geht es morgens sehr zeitig los

Als Erstes gibt es 6 Uhr ein gemeinsames Frühstück, das gefällt mir, und der Kaffee ist ganz frisch gebrüht, (m)ein Muntermacher schlechthin und Antreiber, den Blutdruck ordentlich in Schwung zu bringen. Diesen Schwung braucht man hier auch. Das habe ich gemerkt, doch dazu später mehr, denn mit lauten Aufforderungen warten da schon 26 Strauße, 50 Damwildtiere und acht Kühe auf ihr Frühstück. Wie wir aus persönlicher Erfahrung wissen, macht Hunger ein klein wenig unausstehlich.

Punkt 6.45 Uhr geht es los und ich bin flankiert von Marlies und Bernd Halamunda. Als Erstes sind die Strauße dran. Hier ist natürlich besondere Vorsicht geboten, weil zurzeit im Landkreis Anhalt-Bitterfeld und darüber hinaus eine Stallpflicht herrscht. Es wurde in umliegenden Regionen das Vogelgrippevirus mit dem ungewöhnlichen Namen oder der Bezeichnung "H5N8" festgestellt. Keine einfache Situation für die Strauße und nicht selten machen die ihren Unmut über diesen Zustand Luft.

So eine Art Stallkoller, was nachvollziehbar ist. Ich möchte auch nicht wochenlang in meiner Schlafbehausung eingesperrt sein. Doch Hunger haben sie trotzdem.

Da warten 19 Hennen und ein Hahn sowie 20 Jungtiere auf ihre Frühstücksration. Bevor es mit der Arbeit losgeht, frage ich Bernd und Marlies Halamunda, was zuerst da war, der Strauß oder das Ei? Ich erfahre, dass das Ei zuerst da war. Weil Hühner und somit auch Strauße zu den Vögeln gehören. Die gibt es allerdings erst seit 150 Millionen Jahren. Eier sind aber unter anderem auch schon von Libellen vor 300 Millionen Jahren gelegt worden, damit ist die Frage geklärt und das Henne-Ei-Problem relativ schnell gelöst.

Auf philosophische Hintergründe können sich die Beiden nicht einlassen. Das lautstarke Einfordern der gefiederten Freunde macht das eindeutig klar. Als Erstes schleppe ich ein paar Säcke voller Ansatzfutter für die Zuchttiere heran. Das besteht gut gemischt aus Gerste und Weizen sowie Mineralstoffen. Die Jungtiere bekommen das Futtermittel halb geschrotet. Quasi eine Hälfte mit Körnern, die andere Hälfte mit Mehl und natürlich auch die dementsprechenden Mineralstoffe, um gut im Futter zu stehen und um gesund zu wachsen. Und für die Küken gibt es letztendlich zusätzliche Mineralien und Vitamine sowie Triticale. Marlies erklärt, das ist ein Getreide, eine Kreuzung aus weiblichem Weizen und männlichem Roggen.

Diese eiweißvermehrte Kost lieben die Jungtiere.

Davon konnte ich mich selber überzeugen und ratzfatz war alles weggepickt. Als ich dem Hahn gegenübertrete, zum Glück ist er durch eine relativ hohe Schutzwand von mir getrennt, plustert dieser sich mächtig auf. Ich muss zugeben, ich bekam sofort Kükennicki oder Gänsehaut. Nicht vor Kälte, eher vor Ehrfurcht - gut man könnte auch Angst dazu sagen. Bernd erklärt mir, dass bei einem Straußenhahn Vorsicht geboten ist, denn der möchte natürlich sich und vor allem seine Hennen schützen. Und er, der Strauß, überragt mich noch um 20 cm, ist gut 2 m hoch und fast 150 kg schwer.

Da ordne ich mich lieber unter und überlasse Bernd gerne die Fütterung der Alttiere. Zum Glück werden die Tiere nicht täglich ausgemistet und durch die Vogelgrippe im Moment sowieso nicht, das entspannt mich sichtlich. Marlies erklärt mir, dass so eine Henne zwischen März und August bis zu 40 Eier in eine Nestmulde legt und solch ein Ei bis zu 2 kg wiegen kann.

Beim Brutverhalten wechseln sich Hahn und Henne ab. Die Henne brütet am Tag und der Hahn brütet in der Nacht. Das nenne ich doch mal Aufgabenteilung. Als Nächstes ist das Damwild dran. Die gut 50 Tiere warten auch schon sehnsüchtig auf ihre Fütterung. Als die Herde auf uns zugestürmt kommt, muss ich ehrlich gesagt gestehen, dass ich mich erst einmal hinter Bernd und Marlies versteckt habe.

Was die Beiden natürlich lustig fanden. Irgendwie lösten die imposanten Tiere in mir erst einmal einen Fluchtreflex aus. Obwohl es ängstliche Wildtiere sind, siegt bei ihnen meistens die Neugier, und wenn es Futter gibt und vertraute Menschen im Gehege mit Brot oder Brötchen in der Hand stehen, gibt es natürlich kein Halten mehr.

Doch auch dabei ist es wichtig, ruhig stehen zu bleiben. Die kleinste hektische Bewegung und schon flüchtet die Herde wieder. Nun ja, fast alle, es gibt auch unter den Damwildtieren Exemplare, da siegt der Hunger über den Fluchtreflex. Ich halte einige Brötchen in der ausgestreckten Hand und diese Futtergabe wird herzlichst gerne angenommen.

Die hellen und gefleckten Tiere strahlen ansonsten Harmonie aus und bilden einen wunderbaren Kontrast zu den dunklen Bäumen auf der Waldseite.

Das war natürlich alles nur eine Art Vorspeise. Ich nehme eine große Schubkarre, um in den Stall zu gehen, dort gelagert sind riesige Heu- und Strohballen. Ich lade mit einer Heugabel reichlich Heu auf die Schubkarre und dazu noch einen großen Eimer mit Getreidekörnern. Etwas breitbeinig und ausbalancierend schiebe ich die Futterkarre Richtung Gehege. Bernd erklärt mir, dass jedes Damwild ca. 100 g Getreide und eine gute Handvoll Heu bekommt. Ich zücke mein Handy und versuche im Taschenrechner auszurechnen. Bernd lächelt mich an und sagt, "das passt schon."

Im Gelände und im Stall sind Futterraufen verteilt. Diese sind schräg angeordnet und ich packe reichlich Heu drauf. Die schrägen Raufen sind deshalb schräg, damit das Wild nicht gleich alles mit einmal herausziehen kann. Diese Bestückung bleibt nicht lange unbemerkt. Im gemäßigten Tempo und immer schneller werdend bewegt sich die Herde auf mich zu. Ich nutze eine der Raufen als Deckung, sicher ist sicher. Bernd und Marlies finden das lustig und biegen sich vor Lachen. Im Gegensatz zu den weiblichen Damtieren bewegen  sich mir vorsichtig die zwei Hirsche entgegen.

Einer der beiden ist der Leithirsch Hans. Marlis erklärt mir, dass besonders die Herren der Schöpfung, Streicheleinheiten benötigen. Nachdem wir uns ausgiebig beschnuppert haben, gehe ich in eine leichte Kopfmassage über. Doch Bernd erinnert mich daran, dass so ein Tag schnell rum ist und schon geht es weiter.

Als Nächstes muss ich alle Wassernäpfe einsammeln, sie von Heu- und Strohresten befreien und sie natürlich mit neuem Wasser bestücken und dann wieder im Gelände verteilen. Trotz der widrigen Witterungsbedingungen und Temperaturverhältnisse komme ich langsam ordentlich ins Schwitzen.

Jetzt brauchen die Tiere noch ihre Lecksteine, das sind Steine, die mit Salz und Mineralien angereichert und wichtig für die Tiere sind. Dann wird der Stall zugemacht und schon kommt die nächste Schubkarre zum Einsatz. Es ist die Mistkarre. Fünf Schubkarren voll belade ich nacheinander und fahre sie in den dafür vorgesehenen Bereich. Dort wartet ein riesiger Misthaufen auf Bestückung und dieser Misthaufen ist danach um einiges angewachsen.

Mittlerweile ist es 09:30 Uhr und es ist nicht zu überhören, auch die Kühe wollen endlich ihre Futterration. Im Stall stehen da acht Tiere vor ihrer leeren Futterkrippe. Das sind Celle, Heidi, Corinne, Franka und Anneliese sowie der Bulle Leo und die beiden Jungbullen, genannt die Schwarzen. Ich versuche mich zu beeilen, um die Futterraufe vorsichtig bewegend und ohne Hektik zu verbreiten die Futterkrippe zu bestücken.

Bernd erklärt mir, dass diese Tiere eigentlich sehr ruhig und auch sehr gesellig sowie streichelbedürftig sind. Das fällt mir auf den ersten Blick schwer zu glauben, denn immerhin kann so ein Bulle bis zu 800 kg auf die Waage bringen. Vorsichtig nähern sich die Tiere und tatsächlich, wohlwollend halten sie ihre Köpfe hin und ich beginne, sie wie zwei Freundinnen zu kraulen.

Sichtlich entspannt lassen die Beiden es über sich ergehen und das animiert den Rest der Herde, sich dieser Rauschorgie anzuschließen.

Zugegeben, nicht ganz einfach dort den Überblick zu behalten. Anschließend wird auch hier der Stall zugemacht und es geht wiederum ans Ausmisten. Zehn weitere Mistkarren später fließt der Schweiß bei mir in Strömen. Marlies und Bernd genießen sichtlich den entspannten Vormittag und ich versuche mich zu regenerieren. Dabei füttere ich den Leitbullen Leo und die anderen zottligen Vierbeiner mit Äpfeln, sozusagen die Pralinen für Kühe.

Mittlerweile verspüre auch ich einen großen Hunger. Zum Glück ist die Mittagszeit ran. Im Haus tauchen dann drei Katzen auf. Charlie, Tinchen und Chila und man ahnt es schon, auch sie fordern ihren Tribut. Nachdem sie mit etwas Katzenmilch und Katzenfutter befriedigt sind, können auch wir jetzt gemeinsam Mittagbrot essen.

Es gibt eine deftige Hühnersuppe, die soll richtig Schwung und Kraft geben. Nach dem kräftigen Essen und einer großen Tasse Kaffee bestücken Bernd und ich den Verkaufswagen mit allerlei Straußen- und Damwildprodukten.

Mittlerweile ist es 14:00 Uhr und Bernd ermuntert mich, durchzuhalten. Diese Ermunterung benötige ich auch dringend. Wir beide fahren raus, um den Wildzaun zu reparieren, auch das gehört zu den täglichen Arbeiten. Gegen 16.30 Uhr sind wir wieder zurück und es gibt erstmal wieder eine kräftige Tasse Kaffee und ein Stück leckeren, von Marlis selbst gebackenen Kuchen. Ich freue mich auf den Feierabend, doch ich habe die Rechnung ohne Bernd und Marlies gemacht.

17 Uhr öffnet der Hofladen, draußen stehen schon einige Leute vor der Tür und warten auf Einlass. Nach einer gründlichen Reinigung und nachdem wir uns umgezogen haben, geht es mit dem Verkauf weiter. Im kleinen Hofladen gibt es allerlei Produkte vom Strauß, vom Damwild und vom Rind sowie vom Wildschwein. Der Renner ist an diesem Tag vor allem der Eierlikör aus Straußenei. 19 Uhr schließt der Hofladen und während Bernd noch eine Runde übers Gelände dreht, verabschiede ich mich mit müden Augen. 



Mein persönliches Fazit:

Das Leben auf einem Straußen- und Damwildhof bedeutet Natur pur und von früh morgens bis spät abends harte Arbeit. Doch die Tiere geben einem das gewisse Etwas, es ist dieser Glanz in den Augen und diese Dankbarkeit an uns, sich zu kümmern, sie zu hegen und zu pflegen. Allerdings darf man auch hier keine Berührungsängste gegenüber Tieren haben. Doch wer die Natur und Tiere liebt, harte körperliche Arbeit nicht scheut, ist in einem solchen Beruf genau richtig berufen.



Der Straußen- und Damwildhof Halamunda

Marlies und Bernd Halamunda beschäftigen noch eine Angestellte auf dem Hof mit der Zucht, Haltung, Produktion und Vermarktung von Damwild und Straußen sowie Rindern und deren Produkten - Eier, Honig, Wild, Rind, Wurst und Fleisch, Wein, Bier, Dekoartikel, Straußeneierlikör, Lederwaren -  alles wird im eigenen Hofladen verkauft. Weiterhin gibt es verschiedene Schulprojekte, Führungen durch die Farm und Events wie Kochkurse, u. a. sowie ein jährliches Hoffest und den Wildtag am letzten Septemberwochenende.
 

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