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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 31.01.2017 um 14:43:34

Reporter als Stallbursche: Wenig Mühen mit den Kühen

Glückliche Kühe? Im Kuhstall und auf dem Melkkarussell in Tornau v. d. H. scheint das so zu sein. Auch Streicheleinheiten und Kraftfutter gehören dazu. Reporter Thomas Schmidt hat sich vor Ort selbst ein Bild gemacht. Glückliche Kühe? Im Kuhstall und auf dem Melkkarussell in Tornau v. d. H. scheint das so zu sein. Auch Streicheleinheiten und Kraftfutter gehören dazu. Reporter Thomas Schmidt hat sich vor Ort selbst ein Bild gemacht.
Foto: Stefan Julius Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder) Galerie (8 Bilder)
Reporter Thomas Schmidt diesmal im Kuhstall der APH Hinsdorf. In Tornau v. d. Heide dreht sich eines der modernsten Melkkarussells der Welt.

Tornau vor der Heide (ts). Eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe. Auf alle Fälle trifft das augenscheinlich nicht auf die Milchkühe der Agrar-, Produktions- und Handelsgesellschaft Hinsdorf GbR (APH) zu. Dort stehen an einem der modernsten Melkkarussells der Welt selbst die Kühe zweimal täglich Schlange, um einige Runden im computergesteuerten Hightech-Karussell zu drehen. Einzige Gegenleistung - reichlich Milch zu geben.

Ob die Kühe besonders reichlich Milch in meiner Gegenwart gegeben haben, dazu später mehr. Einen Tag lang als Praktikant im Kuhstall mit den Tierwirten soll einen Einblick in die sensible Tierwelt geben.

Doch wie sieht er aus, der Alltag in einem Kuhstall als Tierwirt*In? Mir zur Seite gestellt ist die Anlagenleiterin und Tierwirtin Andrea Scheringer. Die Frau ist nett, sehr kompetent, auskunftsfreudig. Doch ihre erste Order lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Beginn des ersten Melkprozesses und somit Arbeitsbeginn, früh 4 Uhr. Das ist eigentlich die Zeit meiner Tiefschlafphase und somit fällt diese heute aus. Irgendwie habe ich es auch geschafft, pünktlich 4 Uhr neben dem Melkkarussell zu stehen.

Als Erstes kommt der Kuhtreiber zum Einsatz. Das darf natürlich ich heute sein. Was auf den ersten Blick gefährlich klingt, ist völlig easy. Die Ställe sind miteinander verbunden und die Kühe stehen schon bereitwillig an der Schwelle zum Tor, die das Melken bedeuten.

Das erste Tor wird geöffnet und das bedeutet quasi das Einläuten der Frühschicht oder besser des Frühmelkens. Ohne größere Anstrengung öffne ich das Tor und die Kühe traben gemächlich in den Wartebereich des Melkkarussells. Alle Kühe tragen ein Halsband mit einem Chip versehen, der viele relevante Daten vom Tier speichert.

Neben mir steht Quirin Forster, der Geschäftsführer der APH-Gruppe, zu der neun Betriebe zählen. „Es ist weltweit eines der modernsten Robotermelkzentren seiner Art, es gibt davon sieben Stück dieser Art in Deutschland und das Einzige in Sachsen-Anhalt steht hier in Tornau“, erklärt Forster stolz.

Ich kann einfach nur staunen, hatte ich mich doch vor meinem Arbeitsantritt schon auf einen Melkschemel und einen Blecheimer eingestellt. Aber hier erwartet mich Melk-Hightech. Fast alles läuft computergesteuert und automatisiert ab. Gemütlich trabt Kuh für Kuh durch eine Schleuse ins Karussell. Mittels einer 3-D-Kamera werden die Zitzen von den Eutern vermessen, sodass das Melkzeug wie von Zauberhand automatisch angesetzt wird.

Einmal angesetzt laufen alle Arbeitsschritte in einer Melkzentrale unterhalb des Melkstandes ab. „Zuerst kommt die Reinigung des Euters und dann wird das sogenannte Vormelken angesteuert“, erklärt Lisette Mertjan.

Die Tierwirtin wirkt sichtlich entspannt und ihre Abläufe sind genauso routiniert wie das Prozedere zu Beginn des Melkprozesses bei Tier und Maschine. „Beim Vormelken wird zunächst eine kleine Menge Milch auf ihre Qualität und Sauberkeit überprüft und dann beginnt der eigentliche Melkprozess bis hin zum Dippen der Zitzen“, erklärt die 44-Jährige.

Erstaunt und unwissend frage ich, was das Dippen der Zitzen eigentlich ist? Lisette Mertjan lacht: „Das ist eine Art Methode, bei der das Euter vor Entzündungen und kleinen Wunden geschützt wird“, erklärt die Melkverantwortliche der Frühschicht am Karussell. Gespannt blicken wir auf einen der Monitore an der Seite. Dieser zeigt alle Werte an, die nötig sind, von der Qualität der Milch, über die Milchmenge, bis hin zum Fettgehalt sowie einige weitere Datenangaben.

Die Anlagenleiterin Andrea Scheringer sieht man immer nur hin- und herflitzen. „Unser Melkkarussell bietet gleichzeitig Platz für 36 Kühe und verfügt über eine Fußbodenheizung und natürlich wird das Karussell mit Musik beschallt“, sagt sie und verschwindet auch schon wieder im Kühlzentrum. Ich bin sonst nicht so verlegen mit Worten, doch da bin selbst ich sprachlos.

Quirin Forster lächelt, er scheint meine Fragen schon zu kennen: „Wir wissen noch nicht genau, welche Musikrichtung den Kühen besser gefällt und wo sie vielleicht weniger oder mehr Milch abgeben, doch das finden wir noch heraus“, so der Geschäftsführer. Ich erfahre weiter: Jeder Melkplatz kann auch unabhängig voneinander betrieben werden. 12 Minuten steht jede Kuh im Durchschnitt auf dem Karussell, dann geht es zurück in den Stall. Zweimal am Tag dreht sich das Hightech-Melksystem für etwa zwei Stunden.

Dann sind die ca. 400 Holsteinerkühe gemolken. Bisher hat die APH Hinsdorf ca. 3,5 Millionen Euro investiert. Die Anzahl der Milchkühe soll noch in 2018 auf 700 Tiere erweitert werden. Forster sagt: „Wir wollen mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitern die doppelte Menge Kühe melken.“ Insgesamt arbeiten in der APH Hinsdorf 140 Mitarbeiter.

Nachdem die letzte Kuh gegen 6 Uhr den Melkstand verlassen hat, wird alles gründlich gesäubert und die Milch für zwei Tage im eigenen Kessel bei runtergekühlten Temperaturen von 2 - 5 °C gelagert. Dann ist erstmal eine Pause angesagt und gemütlich trinken wir eine Tasse Kaffee und alle wirken sichtlich entspannt. Denn die körperlich schwere Arbeit von früher ist der modernen Technik von heute gewichen. Der Melker von einst ist zum Überwacher der Hightech-Anlage von heute geworden.

Sichtlich entspannt geht es zum nächsten Arbeitsprozess, der Fütterung der Tiere. Dort wartet schon Randy Lehmann auf mich. Doch eine Futtergabel suche ich vergebens, stattdessen steigen wir in ein Fahrzeug, ein Hightech-Fahrzeug. Wieder kommen Kameras, Fotozelle und Display zum Einsatz.

Der fahrende Tierwirt erklärt mir, dass auch hier alles weitgehend automatisch betrieben wird. Als Erstes wird der Futtermischwagen mit einer bestimmten Zusammensetzung an Futter über eine Siloanlage befüllt.

Dann fahren wir in einen der Ställe. Hier haben es die Kühe geräumig sowie hell und trotz der frostigen Temperaturen draußen schön warm. Der Futtermischwagen hat das Futter in der richtigen Konstellation und streut es rechts und links in die Futterraufen der Kühe.

Zehn Minuten später sind wir durch und alle Kühe versorgt. „Vieles geht maschinell, nur bei der Wartung, bei Bereitstellung des Futters oder beim Einbringen des Streus ist der Landwirt noch selbst gefragt, den Rest erledigen Maschinen und Computer“, so Randy Lehmann.


Mein persönliches Fazit:
Der Beruf als Tierwirt ist in der heutigen Zeit für Menschen, die gerne mit Tieren arbeiten und sich nicht vor Hightech im Stall und auf der Weide scheuen, eine perfekte Mischung aus Informatik, Verarbeitung und Produktion und aus meiner Sicht für jeden geeignet, der keine Berührungsängste mit Tieren und moderner Technik hat, sowie im Schichtsystem arbeiten kann.


Die Produktions- und Handelsgesellschaft Hinsdorf GbR:
Die APH-Gruppe ist ein Verbund aus acht Einzelunternehmen, die Feldwirtschaft und Milchproduktion mit der dazugehörigen Technik betreiben. Ihr angeschlossen sind zwei Nahkauf­ Lebensmittelmärkte, ein Veranstaltungszentrum mit Partyservice sowie eine Tankstelle mit Reparaturwerkstatt. Ebenso gehören eine Siloanlage mit über 50.000 Tonnen Lagerkapazität sowie ein Flachlager mit 20.000 Tonnen Lagerkapazität zur Gruppe. APH beschäftigt 135 Mitarbeiter, davon fünf Auszubildende. Zertifiziert ist das Unternehmen mit dem GMP-Zertifikat und dem OS-Zertifikat. Die APH-Gruppe wird von Quirin Forster geleitet.

 

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