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Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 06.02.2019 um 11:05:44

Krimireif: Gestohlenes Buch taucht nach vier Jahrzehnten wieder auf und kehrt nach Dessau zurück

Martine Kreißler, Leiterin der Wissenschaftlichen Bibliothek, freut sich, dass wieder einer der in den 1980er Jahren verschwundenen bibliophilen Schätze aufgetaucht ist. Martine Kreißler, Leiterin der Wissenschaftlichen Bibliothek, freut sich, dass wieder einer der in den 1980er Jahren verschwundenen bibliophilen Schätze aufgetaucht ist.
Foto: Anke Katte Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Prachtband aus der Herzoglichen Bibliothek

Dessau (ak)
. Ein für die Geschichte des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches sehr bedeutsames Buch ist durch glückliche Umstände in den Schoß der Wissenschaftliche Bibliothek zurückgekehrt. Wahrscheinlich hatte Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff auf Vermittlung des schottischen Diplomaten und Kunstsammlers Sir William Hamilton das wertvolle Band aus Neapel an Fürst Franz nach Dessau schicken lassen. Die darin enthaltenen Aufzeichnungen und Illustrationen galten damals als sensationelle archäologischen Pu­­blikationen über die antiken Städte, die beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. zerstört worden wa­­ren. Es wird angenommnen, dass die großformatigen Kupferstiche dem Fürsten und seinem berühmten Bauherrn als Ideen-Vorlage für die Innen- und Wandgestaltung im Dessauer Residenzschloss, im Schloss Luisium, der Villa Hamilton und des Wörlitzer Schloss dienten.

In den 1980er Jahren wurde das Werk, das König Karl VII. von Neapel und Sizilien (1716-1788) in Auftrag gegeben hatte, in Dessau gestohlen. Es war Teil einer acht Bände umfassenden Serie, in der die archäologischen Funde aus Pompeji und Herculaneum unter dem Titel „Antichitá di Ercolano“ dokumentiert wurden. Ursprünglich waren 40 Bände geplant, herausgeben wurde allerdings nur acht. Die detailgetreuen Zeichnungen und Aquarelle, die in einem zweiten Schritt von Kupferstechern zu Druckvorlagen verarbeitet wurden, waren wohl zu aufwendig. Die Texte zu den Zeichnungen wurden von der Accademia Ercolanese verfasst.

Die Prachtbände waren zu ihrer Zeit echte „Bestseller“. Allerdings konnte man sie zunächst nicht kaufen, sondern war darauf angewiesen, in der Gunst des neapolitanischen Königs zu stehen. Er verschenkte sie an europäische Fürstenhäuser, aber auch an hervorragende Wissenschaftler oder bedeutende Institutionen. Später waren sie auch käuflich zu erwerben, aber zu einem Preis, den sich kaum jemand leisten konnte, nicht einmal Deutschlands berühmtester Dichter. Goethe bat die Weimarer Herzogin Anna Amalie darum, sich um das Werk zu bemühen. Heute findet sich in der Herzogin Anna Amalie Bibliothek in Weimar die vollständige Ausgabe.

In den Unterlagen der Herzoglichen Bibliothek in Dessau waren 1827 die ersten vier Bände und Band 7 verzeichnet.
Zu Zeiten der DDR wurden Teile der ehemaligen Anhaltischen Landesbücherei in Ermangelung eines geeigneten Bibliotheksgebäude ausgelagert. Die Herzogliche Bibliothek wurde in der Pauluskirche untergebracht, wo bei mehreren Einbrüchen viele der wertvollen Bücher gestohlen und beschädigt wurden. Auch die Bände 2 und 7 der „Antichitá di Ercolano“ verschwanden.

Die fast schon krimireifen Hintergründe der unerwarteten Rückkehr legte Martine Kreißler am 5. Februar vor Medienvertretern dar.
Drei Wochen vorher hatte die Leiterin der Wissenschaftlichen Bibliothek und der Sondersammlungen eine Mail erhalten, in der sich eine Privatperson nach besagtem verlustigen Band 7 erkundigte.
„Die ganze Sache kam mir seltsam vor, zumal der Herr im anschließenden Telefonat sehr detailgenaue Fragen zu dem Buch stellte“, erzählt Martine Kreißler, die sich daraufhin an den Rechner setzte und im Internet recherchierte. Und tatsächlich, sie fand eine Abbildung des Titelblattes, das deutlich den kleinen roten Stempel der Hofbibliothek trug, mit dem Hinweis, dass der Band 2018 bei einer Auktion in Stuttgart verkauft worden war. Käufer war der Mail- und Telefonkontaktmann.  

Nach Telefonaten mit dem Rechtsamt der Stadt und dem Auktionshaus kaum aus Süddeutschland sehr schnell die Zusage, dass das Auktionshaus das Buch zurückkauft und seinen rechtsmäßigen Besitzern überstellt.

Vor wenigen Tagen traf ein großes Paket im Palais Dietrich in Dessau ein. Am Dienstag wurde der heimgekehrte Prachtband im Rahmen einer Buchbesprechung erstmals der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Danach geht das bibliophile Schmuckstück in die Restaurierungswerkstatt, wo Wasser- und Schimmelschäden begutachtet werden. 

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