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Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 13.03.2019 um 08:06:04

Was erwarten die Landwirte in 2019

Wochenspiegel-Themenjahr „Menschenskinder“ stellt gewöhnliche und besondere Menschen vor - diesmal Dr. Michael Schenk vom Bauernverband Anhalt Wochenspiegel-Themenjahr „Menschenskinder“ stellt gewöhnliche und besondere Menschen vor - diesmal Dr. Michael Schenk vom Bauernverband Anhalt
Foto: Thomas Schmidt Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Wochenspiegel-Themenjahr „Menschenskinder“ stellt gewöhnliche und besondere Menschen vor - diesmal Dr. Michael Schenk vom Bauernverband Anhalt

Anhalt/ Anhalt-Bitterfeld (ts).
Nach einem trockenen Jahr mit katastrophalen Ernteausfällen und damit verbundenen Einbußen der Landwirte, haben wir mit dem Geschäftsführer des Bauernverbandes Anhalt, Dr. Michael Schenk (Foto), über die Aussichten für 2019 gesprochen.

Herr Dr. Schenk, wie verheerend sind die Ernteergebnisse 2018 gewesen?
Es war im Grunde genommen für die meisten Landwirte eine Katastrophe. Es gab 2018 keine einzige Kulturpflanze, die positive Werte oder Erträge vorweisen konnte. Keine Ausnahmen, egal ob Winterung wie Raps mit 20,2 dt/ha statt 38,6 dt/ha wie im fünfjährigen Mittel, oder Sommerung wie Zuckerrüben (27 statt 66 t/ha), alles befand sich im negativen Ergebnis. Für die Tierhalter war es besonders problematisch, weil kein oder zumindest nicht ausreichend Futter für die Versorgung der Tierbestände vorhanden war und auch noch nicht ist.
So wurden beim Silomais nur 196 statt 414 dt/ha geerntet, und das auch noch in schlechterer Qualität. Ein weiterer negativer Aspekt, die Preise für Grundfutter haben sich dadurch vervielfacht. Land- und Tierwirte haben vielerorts versucht, sich gegenseitig zu helfen, soweit das möglich war. Das gesamt Bundesland Sachsen-Anhalt und gerade Anhalt-Bitterfeld sind besonders von der Dürre betroffen gewesen, auch wegen der leichten Böden.

Welche Auswirkungen hat das für die Landwirte?
Große Verdienstausfälle sind die Folge und die gewährte Dürrehilfe ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Jetzt bei der Saatbestellung ist das Geld aufgebraucht und stellt nicht wenige Landwirte vor große Probleme. Es werden zwar Überbrückungskredite zum Beispiel von der Rentenbank angeboten, doch die bürokratischen Hürden sind oft hoch und sehr mühsam.
Antragsteller bei der Dürrehilfe mussten eine Offenlegung über alle Vermögensverhältnisse, auch des Privatvermögens, über sich ergehen lassen und die Prüfungen laufen immer noch. Noch einmal so eine Hilfe wird es laut Aussage von zuständigen Politikern von Bund und Land nicht geben.

Was sind die Ursachen für diese Witterung gewesen?
Es gab schon immer mal trockene Jahre, wo die Ergebnisse niedrig ausgefallen sind. Doch 2018 hatte es für die Region wirklich in sich. Allerdings nimmt der Trend zu Trockenperioden zu und die Abstände dieser aus landwirtschaftlicher Sicht katastrophalen Verhältnisse werden immer kürzer.
Der allgemeine Klimawandel ist das generelle Problem, schwankendes Wetter gab es immer. Auch Bebauung und Flächenversiegelungen sind ein Problem. Laut einer Studie verliert Deutschland pro Tag 70 Hektar an landwirtschaftlicher Nutzfläche, Tendenz steigend... das ist schon sehr bedenklich. Der Wert sollte laut Bundesregierung bei maximal 30 Hektar liegen.

Wie sind denn die landwirtschaftlichen Aussichten für 2019?
Die Bodenwasservorräte für eine ordentliche Ertragslage im Wachstumsstadium sind in Anhalt und Anhalt-Bitterfeld noch nicht aufgefüllt, maximal eine Spatentiefe reicht die Feuchtigkeit ins Erdreich. Somit muss es in der Region noch viel regnen. Im Augenblick sieht es allerdings besser aus als erwartet. Der Raps ist gut über den Winter gekommen, wenn er sich weiter so entwickelt, gibt es eine frühe und dringend benötigte Futterernte.
Allerdings ist der Raps letztes Jahr am meisten betroffen gewesen und nicht wenige Landwirte haben sich daher gegen einen „normalen“ Anbau dieser zeitigen Ölfrucht entschieden.
Daher hat sich die überwiegende Mehrzahl der Landwirte mehr auf Mais oder Weizen orientiert. Ansonsten ist eine Prognose, ob mit Bauernregel oder ohne, maximal 10 Tage verlässlich möglich. Da es zwei solche Dürreperioden hintereinander so noch nicht gegeben hat, sind wir verhalten optimistisch.
Für die zu erwartenden oder ausfallenden Niederschläge erkundigen sich die Landwirte gerade in der Anbau- und Wachstumsphase beim landwirtschaftlichen Wettersystem ISABEL mit Prognosen vom Deutschen Wetterdienst.

Was erwarten Sie in den nächsten Jahren?
Der Strukturwandel geht weiter und es ist halt die Frage, wie schnell und in welche Richtung es zur landwirtschaftlichen Nutzung geht. Da Zucker als Geschmacksträger weniger angenommen wird und die Zuckerrübe viel Wasser benötigt, werden Zuckerrüben weniger angebaut. Südzucker und Nordzucker werden Betriebe schließen, es fehlen zudem Blattfruchtarten, auch Raps wird wegen der Kritik im Bereich Biodiesel und Co zurückgehen. Zudem ist Palmöl billiger zu bekommen, doch ob die damit verbundene Abholzung des Regenwaldes die bessere Alternative ist? Das wird sich irgendwann noch gravierender auf die Witterung auswirken, ein Teufelskreis.

Wie ist die allgemeine Stimmung unter den Landwirten?
Nun ja, Landwirte sind im Grunde Optimisten, doch zurzeit herrscht eine bedrückende Leere, es gibt wenig Optimismus und als Auswirkung ist auch eine Investitionszurückhaltung deutlich zu spüren. Das merken Maschinen- und Saatguthändler massiv und dadurch, dass auch an Dünger gespart wird, hat das wirtschaftliche Folgen für andere Bereiche.

Was ist 2019 sonst von den Landwirten oder der Landwirtschaft zu erwarten?
Im Land wird nach wie vor die Natura2000 diskutiert. Im Grunde werden landwirtschaftliche Nutz- oder Forstbetriebe verpflichtet dafür zu sorgen, dass sich die natürlichen Lebensräume der Arten nicht verschlechtern. In Sachsen-Anhalt unterliegen etwa elf Prozent der Landesfläche strengeren Naturschutzregeln. Landwirte sind nicht gegen Naturschutz, aber die aus Sicht der Branche überhastete Einführung zum 1. Januar dieses Jahr, wird kritisch gesehen. Konkrete Regeln sowie in Aussicht gestellte Ausnahmen und Entschädigungen werden erst jetzt nachträglich aufgestellt.

 

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