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Wochenspiegel > Köthen > Ahnenforschung: Dem Ursprung auf der Spur >
Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 04.09.2019 um 14:50:54

Ahnenforschung: Dem Ursprung auf der Spur

Rosa Markl hat mittlerweile in 21 Jahren 57.000 Personen aus der ganzen Welt in ihrer Ahnendatei aus ihrer Familie und weit darüber hinaus erfasst, tausende Stunden Recherche. Rosa Markl hat mittlerweile in 21 Jahren 57.000 Personen aus der ganzen Welt in ihrer Ahnendatei aus ihrer Familie und weit darüber hinaus erfasst, tausende Stunden Recherche.
Foto: Thomas Schmidt Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Wochenspiegel-Themenjahr „Menschenskinder“ stellt gewöhnliche und besondere Menschen vor - diesmal Rosa Markl – sie ist der Ahnenforschung auf der Spur.

Bitterfeld-Wolfen (ts).
„Wer die Vergangenheit nicht ehrt, verliert die Zukunft, wer seine Wurzeln vernichtet, kann nicht wachsen“, das sagte schon der Maler und Architekt Friedrich Hundertwasser. Für die Wolfenerin Rosa Markl ist das mittlerweile zur Lebensaufgabe geworden. „Der Mensch will eben wissen, woher er kommt und das ist nicht nur fesselnd und sehr spannend, das hilft die Wurzeln zu ergründen, um die Geschichte für die Zukunft zu erhalten“, sagt Rosa Markl.

Ihre Wurzeln hat die heute 78-Jährige im ehemaligen Warthegau in Polen. Geboren wurde Markl 1941 in einem kleinen Ort im Kreis Sieradz. Dorthin sind ihre Eltern 1940 nach der Umsiedlung aus dem ehemaligen Galizien, der jetzigen Ukraine, angesiedelt. Das war für alle aus den Ostgebieten umgesiedelten Menschen eine aufregende und schwere Zeit. Sie mussten ihr Zuhause, welches für die ersten Ansiedler dort ab 1782  Heimat war, verlassen. Nach mehreren Stationen in verschiedenen Lagern erfolgte die Unterbringung  in die Häuser der zur Zwangsarbeit nach Deutschland vertriebenen Polen.

Der egerländische Fleiß, die gewohnte Ausdauer, der Mut zum Neuanfang währte nicht lange. Wieder mussten die Menschen das Gebiet verlassen. Dieses Mal war es keine Umsiedlung, sondern Flucht und Vertreibung. Im Februar 1945 wurden Rosa Markls Großeltern und Mutter und andere Galizier in Petersroda bei Bitterfeld untergebracht. Es war für einheimische Einwohner und die Flüchtlinge eine schwere Probe im Zusammenleben. Verschiedene Sprachen und Dialekte, Sitten und Gebräuche trafen aufeinander. In Petersroda blieb Markl zunächst nur eine kurze Zeit.

Dann bekamen ihre Großeltern Land durch die Bodenreform und siedelten nach Torna bei Brehna um. Die frühen Kindheitsjahre und die ersten Schuljahre verlebte Rosa Markl bei ihren Großeltern und ihrer Tante. „Ich wuchs mit viel Liebe und Fürsorge dort auf die Jahre bei ihnen haben mich sehr geprägt“, erinnert sich die Ahnenforscherin gerne an diese Zeit zurück. .  „Schon in dieser Zeit begann mein Interesse für die Geschichte und verwandtschaftlichen Verbindungen, was später zu meinem Hobby wurde.“

Nachdem ihr Vater aus der Kriegsgefangenschaft 1948 entlassen wurde, setzte das junge Mädchen ihre Schulzeit 1949 in Petersroda fort. „Ich war eine gute Schülerin, war Mitglied im Schulchor und in der Volkstanzgruppe. In der Freizeit spielte ich im Mandolinenorchester des Ortes“, lächelt die 78-Jährige im Gespräch.

Sprachen oder Psychologie wollte Markl studieren, die Eltern entschieden anders. So begann sie eine Ausbildung zur „Technische Zeichnerin“ im Bitterfelder Bergbaubereich. Später arbeitete Markl in der Koordinierung und im Einkauf des Bergbaubetriebes. Die Kommunikation mit anderen Menschen war für sie die Erfüllung ihres Arbeitslebens. „1997 erfolgte durch Personalabbau der Weg in die Arbeitslosigkeit und dann mit Abzug in die Rente. Neben dieser Tätigkeit im Betrieb hatte ich natürlich noch eine Familie“, erzählt Rosa Markl die Einleitung in eine neue Lebensphase. Die Wolfnerin hat zwei Kinder und drei Enkelkinder, alle sind etwas geworden… berichtet sie strahlend.

Doch zu Hause versauern wollte die Jungrentnerin nicht. Sie probierte Sachen aus, wofür sie vorher wenig Zeit hatte. Markl fand Freude an Handarbeiten und begann Bücher über die Geschichte ihrer Vorfahren zu lesen und an einer Geschichtstagung in Lüneburg teilzunehmen. Durch die politische Wende war es möglich, viele Bücher, Jahrbücher und Zeitschriften über die Heimat der Vorfahren zu erwerben.

Markls direkte Vorfahren stammten aus dem Egerland, dem heutigen Tschechien. Sie wanderten zwischen 1820 und 1840 nach Galizien (Ukraine) in das Gebiet um Machliniec, östlich von Stryj, aus. Die Vorfahren mussten um Machliniec erst den Urwald roden, um sich dort anzusiedeln.

Sie wohnten anfangs in Erdhütten, es war eine schwere Zeit, wie Markl weiß. Viele haben das nicht überlebt, Hungersnöte waren allgegenwärtig. Im Jahre 1996 führte die erste Reise in die Ukraine in das Gebiet, in dem ihre Vorfahren bis 1939 lebten. Die Wolfnerin lernte die Städte Lemberg (heute Lviv) und Stryj kennen, fuhr mit einem Taxi in  die Herkunftsorte Machliniec, Wola Oblaznicka, Kornelowka und Nowe Siolo.

Dann begann sie alle Dokumente und Unterlagen der Familie(n) zu sichten, befragte Verwandte und Freunde. Markl konnte sich an viele Gespräche mit den Großeltern erinnern. Erfuhr dabei, dass ihr Großvater einen Bruder in Amerika hatte, sie nahm Verbindungen zu den Verwandten in Polen, Tschechien, Wien und in Argentinien auf.

Im Jahre 1998 begann Merkl auf ihren ersten Computer das Familienforschungsprogramm „Familienstammbaum 7.5“ zu downloaden. Sie begann für jede Person darin eine Stammkarte zu erstellen mit allen wissenswerten Ereignissen, wie Taufen, Sterbe- und Heiratsdaten, Krankheiten und kleinen Begebenheiten und mehr. Über E-Mail bekam sie Kontakt zu anderen Gleichgesinnten in der ganzen Welt.

Hierbei half ihr auch ein polnischer Professor, der in Australien lebt und dessen Vorfahren auch aus diesem Gebiet stammen. Er beschaffte Kopien aus dem Archiv in Krakow für die Zeit zwischen 1842 und 1887. Sie stellte fest, dass fast alle Menschen aus dieser Sprachinsel miteinander verwandt waren. Deshalb pflegte sie alle Personen aus dieser Sprachinsel in ihr Programm ein.

Inzwischen muss sie nicht unbedingt zu den Forschungsstellen der Mormonen und in verschiedene Archive nach Polen oder Tschechien fahren. Das Internet macht´s möglich, dass ich heute in den verschiedensten Kirchenbüchern in Tschechien (Pilsen, Leitmeritz) und Polen (Warschau) sowie anderen Archiven online suchen kann. Mein Bestand in meiner Galiziendatei ist inzwischen auf 57.000 Personen angewachsen. 21 Jahre Ahnenforschung sind es bereits und mittlerweile kommuniziert die 78-Jährige über E-Mail, Facebook oder Messenger, wie WhatsApp.

Kontakt zu Rosa Markl über E-Mail: markl41@gmx.de

 

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