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Wochenspiegel > Köthen > Als „Theaterkind“ hat sie Blut geleckt: Karen Bild >
Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 17.09.2019 um 12:13:38

Als „Theaterkind“ hat sie Blut geleckt: Karen Bild

Karen Bild als Georgette in „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Die Musicalproduktion läuft seit Februar erfolgreich in  Münchens neuem Musicaltheater WERK7. Karen Bild als Georgette in „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Die Musicalproduktion läuft seit Februar erfolgreich in Münchens neuem Musicaltheater WERK7.
Foto: Stage Entertainment München Galerie (1 Bild)
Wochenspiegel-Themenjahr „Menschenskinder“ stellt gewöhnliche und besondere Menschen vor - diesmal Musicaldarstellerin und Schauspielerin Karen Bild aus Dessau

Dessau/München (ak).
Karen Bild, geboren und aufgewachsen in Dessau-Roßlau, entdeckte bereits im jungen Alter ihre Leidenschaft für Musik und Theater und hat bereits als Regieassistentin und in ihrer ersten großen Rolle in „West Side Story“ im Anhaltischen Theater Dessau gearbeitet. 

Nach „Sister Act“, Disney's „Tarzan“ und vielen anderen Theatererfahrungen ist sie zurzeit als  Swing-Darstellerin und Dance Captain bei bei der Musicalproduktionsfirma Stage Entertainment München  in  „Die fabelhafte Welt der Amélie“ zu erleben.  Für den Wochenspiegel blickt Karen Bild, geborene Helbing, zurück auf ihre ersten Bühnenerfahrungen und berichtet aus ihrem Leben   als Musicaldarstellerin.

Wie kommt man aus dem kleinen beschaulichen Dessau auf die großen Musicalbühnen? Wie sind Sie zur Schauspielerei und zum Gesang gekommen?

Ich habe durch meine Eltern, besonders durch meinen Vater – er hat als Inspizient am Anhaltischen Theater gearbeitet – den Großteil meiner Kindheit im Theater hinter der Bühne und im Publikum verbracht. Später habe ich anfangen Cello zu spielen und wurde anfangs von Frau Völker in der Dessauer Musikschule und später dann von Prof. Weber an der Musikhochschule „Felix Mendelsohn Bartholdy“ in Leipzig unterrichtet. Ich habe eigentlich neben der Schule meine komplette Freizeit in der Musikschule und dem Theater verbracht. Reines Schauspiel hatte mich als Kind noch nicht sonderlich interessiert, es musste immer Musik dabei sein.
Als „Theaterkind“ hatte ich Blut geleckt und wollte somit schon sehr früh „irgendwas mit Theater“ machen…

Gesungen habe ich immer, meist daheim, laut und oft. Schauspiel kam erst etwas später, kurz im Theaterjugendclub, in der Schule – ich ging auf das Liborius-Gymnasium wie fast alle meiner Freunde - und dann später in der Komparserie. Als 2003 „Les Misérables“ in Dessau Premiere hatte, stand ich das erste Mal als kleine Extra-Chor-Sängerin in einem Musical auf der Bühne und fand das fantastisch. Damals hatte ich allerdings von dem Beruf keine große Ahnung, aber einen großen Traum. Ich wurde allerdings schnell in die Realität zurückgeholt, getanzt hatte ich nur als Kind und war auch nicht körperlich mega fit, geschauspielert hatte ich auch nie so richtig und vom Musicalgesang verstand ich auch nichts.
Aber von da an habe ich immer mehr auf der Bühne gemacht und dann nach dem Abitur zwei Jahre als Regieassistentin unter Johannes Felsenstein am Anhaltischen Theater gearbeitet. Da war ich meist für Operetten und Musicals, aber auch für große Wagner-Opern wie Tristan und Isolde, zuständig, bin immer mehr in Proben eingesprungen, habe in Leipzig (HAIR) und Gera (Les Misérables) hospitiert und gespielt.
Nach einem Workshop in Hamburg und einem durchaus motivierenden Feedback habe ich mich an den staatlichen Musicalschulen beworben und bin an der Universität der Künste Berlin genommen worden.

Was waren Ihre ersten Bühnenerfahrungen?

Meine erste Erfahrung war noch im Bauch meiner Mutter, die auch bei „Nabucco“ Mitglied im Extrachor am Dessauer Theater war. Als Mitglied des Kinderballetts desselben Theaters stand ich mit sechs Jahren bei einem Ballettabend kurz auf der Bühne. Neben vielen Konzerten mit dem Cello solo und in verschiedenen Orchestern landes- und bundesweit (ich habe fast sieben Jahre im Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt unter Prof Heribert Beissel gespielt, ab dem vierten Jahr als erste Cellistin), war mein erstes Rollendebüt Dezember 2006 in „Heidi 2“ am Anhaltischen Theater, als ich kurzfristig in die Rolle der „Dete“ einspringen musste. Das war aufregend aber auch fantastisch.

Was macht eine Swing-Darstellerin und ein Dance Captain?

Als Dance Captain bin ich für die Instandhaltung der Choreographie verantwortlich. Ich schaue Shows an, mache mir Notizen und gebe diese dann an meine Kollegen weiter. Ich bin auch zuständig für die Positionen auf der Bühne. Das ist hier in München etwas spezieller, denn wir haben eine feste Lichteinrichtung und müssen immer genau wissen, wo wir stehen müssen, damit wir im Licht sind.
Auch bin ich Ansprechpartner für choreografische Fragen und Positionsunklarheiten. Ebenso wird das Warm-up, das immer vor der Show stattfindet, vom Dance Captain oder der Vertretung geleitet.

Als „Swing“ ist man – laut Berufsbezeichnung – der Ersatz für Ensembledarsteller. Wenn Kollegen aus dem Ensemble im Urlaub oder krank sind, springen wir Swings auf deren Positionen. Bei Stücken mit einem großen Ensemble wie beispielsweise „Sister Act“ kann es sein, dass man zehn verschiedene Tracks, also die kompletten Positionen, Texte, Melodien und Choreografien von zehn Ensemblekollegen kennen muss und mehr oder weniger spontan dafür auf die Bühne geschmissen werden kann. Bei „Die fabelhafte Welt der Amélie“ sieht das ein bisschen anders aus. Auf der Bühne stehen immer elf Darsteller (fünf Frauen, sechs Männer) und wir Swings haben jeder zwei bis vier Tracks, die wir können müssen . Ich spiele hier „Amandine/Philomene“ (die Mutter von Amélie und viele kleine weitere Rollen), „Georgette/Sylvie“ (die Hypochondrige aus dem Café und Ninos beste Freundin) und „Suzanne“ (die Besitzerin des Cafés und außerdem spielt sie auch Akkordeon live auf der Bühne). Also drei große Rollen und jede eine andere Herausforderung.

Wie sieht ein ganz normaler Tag bei der Musicalproduktion „Die fabelhafte Welt der Amélie“ für Sie aus?

An normalen Tagen mit nur einer Show klingelt mein Wecker  um 10:27 Uhr. Ich bin aber immer eher wach. Das erinnert mich aber daran zu checken, ob die Stimme da ist und ob ich fit bin. Denn wir haben eine „Krankmeldezeit“, in der wir uns beim Künstlerischen Leiter melden. Um 11 Uhr gibt es dann die aktuelle Besetzungsliste, da kann es immer mal passieren, dass man die Info bekommt, eine andere Rolle zu spielen oder überhaupt zu spielen, wenn man sonst eigentlich nicht geplant war. Dann geht der erste Gang zur Kaffeemaschine. Ein spätes Frühstück, gern auch mal in der Stadt mit Kollegen oder allein daheim bei einer schönen Folge einer Serie. Dann irgendwann nachmittags ins Theater laufen oder den Bus erwischen und umziehen in Sportklamotten.

Unser Warm-Up beginnt immer 1:05 h vor der Show, ich trainiere aber gern schon vorher im Theater.  Wenn ich spielen muss, geht es danach in die Garderobe zum Schminken, das machen wir selbst und dann zum Perücke und Mikro aufsetzen. Wenn ich nicht spiele, hole ich mir noch ein paar szenische Notes vom Künstlerischen Leiter ab, rede mit Technik oder Darstellern oder hole mir einen Kaffee.

Zehn Minuten vor der Show versammeln sich alle Darsteller und Leiter zu einem Circle, die aktuelle Besetzung wird  besprochen. Das ist immer ein schönes Ritual. Dann zum Mikro-Check und in die Show. Als Stand-By schaue ich mir entweder die Show an, gehe raus an die frische Luft oder schreibe Pläne. Als Darsteller bin ich dann in der Show und folge dem Ablauf.
Nach der Show Perücke ab und Kostüm aus. Dann gehe ich gern mit ein paar guten Freunden auf einen Gin & Tonic nebenan in eine tolle Bar oder schnell noch einkaufen und dann nach Hause. Ein kleiner Abendsnack, ein paar Folgen einer Serie, ein Telefonat mit dem Mann und dann ins Bett.
An Doppelshow-Tagen  findet der ganze Tag im Theater statt, und da es ja zwei Shows sind, machen wir alles – Perücken, Maske, Circle, Show, Pause – zweimal.

Wo leben Sie heute?

Ich lebe mit meinem Mann und unserer Katze in Berlin in der Nähe vom Alexanderplatz.
Da ich jetzt in München spiele, wohne ich auch zusätzlich hier in einer kleinen Wohnung. Wir pendeln aber regelmäßig und ich kann sonntags- und montagabends in meinem Bett in Berlin schlafen.

Haben Sie noch häufig Kontakt in Ihre alte Heimatstadt?

Ja, ich habe sehr viel Kontakt in meine alte Heimatstadt. Zum Glück ist Dessau von Berlin nur eine 1.45h Zugfahrt entfernt. Ich habe enge Kontakte ins Theater, meine Trauzeugin und liebe Freundin wohnt und arbeitet dort. Außerdem wohnen meine Eltern in Dessau, die ich gern und möglichst regelmäßig besuche. Und zurzeit ist die Wohnung meiner Eltern auch das Zuhause unserer Katze, der ich die Zeit in München nicht zumuten wollte und die sich in Dessau pudelwohl fühlt.
Ich verbinde so viel mit Dessau und der Umgebung, auch mit speziellen Orten oder Lokalitäten, habe dort auch kirchlich geheiratet und gefeiert. Ich freue mich immer wieder, in meine Heimatstadt zu kommen.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Dessau?

Ich bin sehr gern am und im Kornhaus, ich mag den Blick über die Elbauen, genauso gern sitze ich im Café Hilde bei einem Kaffee und einem leckeren Stück Kuchen.

Können Sie sich noch erinnern, welche Vorstellung Sie als Kind zu allererst im Dessauer Theater erlebt haben?

Mit viel Begeisterung habe ich die „Zauberflöte“ gesehen, als ich vier Jahre alt war. Ungefähr zur gleichen Zeit lief mein absolutes Lieblingsstück damals: „Der Doktor und der Apotheker“ von Karl Ditters von Dittersdorf. Ich muss wohl alle Vorstellungen, die möglich waren, gesehen haben.  Ich besitze noch immer ein Foto, das am Ende ins Publikum geworfen wurde. Das hat einen Ehrenplatz. Dazu gibt es eine wunderbare kleine Anekdote: Bei der letzten Spielzeit von „Kiss me, Kate“ hingen in der Garderobe der Kate/Lilly Vanessi viele alte Schwarz-Weiß-Bilder. Einige Porträts, teilweise sogar signiert von ehemaligen Sängern  und eines davon war – man hat es wohl in der Requisite liegen gehabt – eines der Fotos von „Der Doktor und der Apotheker“. Das hat mich sehr berührt und ich war immer sehr stolz, auf der gleichen Bühne stehen und singen zu dürfen, zu der ich als kleines Kind aufgeblickt habe.













 

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