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Wochenspiegel > Köthen > Tag des Handwerks in Dessau: Kreishandwerksmeister Karl Krökel kritisiert den Akademisierungswahn und fordert ein Kompetenzzentrum für berufliche Bildung >
Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 19.09.2019 um 08:30:13

Tag des Handwerks in Dessau: Kreishandwerksmeister Karl Krökel kritisiert den Akademisierungswahn und fordert ein Kompetenzzentrum für berufliche Bildung

Zum Gruppenbild vor dem Handwerkerbrunnen versammelten sich die frisch Ausgezeichneten mit den Spitzen der Innungen und der Stadt. Zum Gruppenbild vor dem Handwerkerbrunnen versammelten sich die frisch Ausgezeichneten mit den Spitzen der Innungen und der Stadt.
Foto: Anke Katte Galerie (6 Bilder) Galerie (6 Bilder) Galerie (6 Bilder) Galerie (6 Bilder) Galerie (6 Bilder) Galerie (6 Bilder)
Dessau (red). Am 13. September beging die Kreishandwerkerschaft Anhalt Dessau-Roßlau den 9. „Tag des Handwerks“, der in diesem Jahr unter dem Motto „Willkommen in der Zukunftswerkstatt“ stand. Dazu hatte das Handwerk zu einem Brunnenfest auf dem Marktplatz in Dessau eingeladen. Der Wochenspiegel sprach mit Kreishandwerksmeister Karl Krökel.

Sie haben zum Tag des Handwerks unter dem Motto „Willkommen in der Zukunftswerkstatt“ eingeladen. Was bedeutet dieser Slogan für Sie?

Das Handwerk ist das Zuhause von Zukunftsmachern. Ein Wirtschaftsbereich, in dem Innovation gelebt und Wissen geteilt wird. Täglich nutzen wir moderne Technik, finden neue Lösungen, arbeiten digital und es entstehen viele Dinge, die unser tägliches Leben bereichern und verbessern. 
Es gibt in Dessau-Roßlau viele innovative Handwerkerinnen und Handwerker, die den weit verbreiteten Klischees widersprechen und das wollten wir zeigen.

Trotzdem haben Sie vor einer Krise des dualen Systems in der Ausbildung gewarnt, worauf bezieht sich Ihre Kritik?

In den letzten Jahren ist das System in Deutschland ins Gerede gekommen. Dabei treten viele Unzulänglichkeiten zu Tage, die aber bisher weder offen diskutiert noch einer Lösung zugeführt werden. Vielmehr wird permanent die Schuld zwischen Bildungsverwaltung- und Bildungsministerium, Landespolitik und Vertretern der Wirtschaft hin und her geschoben. 
Den Schulabgängern und den Auszubildenden hilft das herzlich wenig. Jegliche Erneuerung und Anpassung an wirtschaftlich notwendige Veränderungsprozesse, geht seit Jahren an den Berufsschulen vorbei. Das bekommen wir besonders in Dessau-Roßlau zu spüren. Es geht aber in diesem System nicht nur um die Berufsschulen, sondern auch um die Schulen. Die wichtigste Aufgabe von Schule ist die qualifizierte Vorbereitung auf einen Abschluss, der zur Aufnahme einer beruflichen Ausbildung befähigt. 
Wenn Handwerksbetriebe seit Jahren klagen, dass Bewerber kaum rechnen können, Rechtschreibung und Sprache nur dürftig beherrschen und ihre sozialen Kompetenzen kaum ausgeprägt sind, ist der Auftrag von Schule schlicht nicht erfüllt.
Die Bildungspolitik ist gefordert, endlich die Berufsschulen an die Technologieanforderungen der Gegenwart anzupassen, in Richtung Kompetenzzentren zu entwickeln und die zeitige Zusammenarbeit zwischen Schulen und Wirtschaft zu fördern. 
Mit unserer 2. Bildungskonferenz am 14. November wollen wir dazu weitere Akzente setzen. Unsere Kritik am deutschen Akademisierungswahn bleibt bestehen.

Was meinen Sie mit Akademisierungswahn?    

Mitte der 1960er Jahre absolvierten 92 % der jungen Menschen eine duale Ausbildung, nur 8 % begannen ein Studium. 2014 übersteigt erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die Zahl der Studierenden, die der Auszubildenden. 
Lehrlinge von heute sind aber morgen potenzielle Unternehmer, Arbeitgeber und Ausbilder. Während der Bund mit ’zig Milliarden die akademische Lehre im Rahmen des Hochschulpaktes fördert, lassen vergleichbare Investitionen in die berufliche Bildung auf sich warten. Mehr noch: Während in Sachsen-Anhalt bei den allgemeinbildenden Schulen zuletzt Ausgaben in Höhen von 7.500  Euro pro Schüler ausgewiesen worden, sind es bei den berufsbildenden Schulen nicht einmal halb so viel. 
Gerade was das Berufsschulzentrum „Hugo Junkers“ anbelangt, deren Entwicklung als Standortfaktor des Oberzentrums sehr wichtig ist, können wir nicht länger zusehen und werden entsprechende Initiativen ergreifen. Das Unheil begann hier 2007 mit der Kreisgebietsreform, als Dessau in Größenordnungen von kommunaler Infrastruktur abgeklemmt wurde. Das Ziel der Reform, Strukturen vor Ort zu stärken, kehrte sich bezogen auf unseren Berufsschulstandort in fataler Weise um. Die politische Ernte dieser Fehlentscheidungen hat besonders unser Nachbarkreis Anhalt-Bitterfeld eingefahren. Diese Dinge müssen wir mit einem Modellprojekt Kompetenzzentrum Berufsschulen Anhalt zurechtrücken.

Was wollen Sie mit einem solchen Modellprojekt erreichen?

Die Umsetzung des Koalitionsvertrages der Bundesregierung bezogen auf die Berufsschulen und die überfällige Umsetzung des Landtagsbeschlusses Sachsen-Anhalt vom 25.8.2017.
Weil Länder und Kommunen ihrer Eigenverantwortung bei der Bildung nicht ausreichend nachgekommen sind, hat die Koalition das Verbot, bessere Bildung direkt finanziell zu fördern, aufgehoben. Hier erwarten wir - bezogen auf die Berufsschulen - konkrete Maßnahmen in Dessau-Roßlau. 
Der Beschluss des Landtages, „Berufsschulen als Motoren des dualen Systems weiter stärken“ ist eine Bitte an die Landesregierung, der in sieben Punkten konkretisiert wurde. Hier geht es auch um den Besuch berufsbildender Schulen, unabhängig von Kreis- und Landesgrenzen. Eine Forderung, die auch die Schaffung eines Modellprojektes Kompetenzzentrum Anhalt beinhaltet. 
Wir wollen zusammengefasst: 1. Abschaffung der Gebietsgrenzen für die Beschulung. 2. Der Ausbildungsbetrieb entscheidet, wo sein Azubi zur Schule geht. 3. Abschaffung des Gastschulbeitrages. 4. Gezielte Investitionen in dieses Modellprojekt unter Einbeziehung der vom Bund und Land aufgelegten Programme. 5. Die personelle und materielle Eigenverantwortung berufsbildender Schulen vor Ort sicherzustellen und zu stärken.
Wir können Eltern, Schülern und unseren Handwerksbetrieben den „Kuhhandel“ und die praktische Entmündigung der Ausbildungsbetriebe nicht mehr vermitteln. Wir müssen anfangen, überregional zu denken und zu handeln, in der Region Anhalt, aber mit und nicht ohne Dessau-Roßlau. Das alles und mehr, wie Fachpraxistage, stehen im Mittelpunkt unserer 2. Bildungskonferenz am 14. November.

Ehrungen anlässlich des Tages des Handwerks 

Goldene Sporen - Jungmeister 2017/2018:

Benjamin Wittek - Elektrotechniker; Saskia Böckelmann- Friseur; Jörg Friebe – Installateur und Heizungsbauer; Christoph Keil- Installateur und Heizungsbauer; Martin Torge - Installateur und Heizungsbauer; Sören Seliger - Installateur und Heizungsbauer;    Etienne Matieu - Kraftfahrzeugtechniker; Heiko Barchewitz - Servicetechniker; Felix Jünemann - Elektro Schulze

65. Meisterjubiläum:                          

Tischlermeister  Friedrich Schröter

25. Meisterjubiläum:                      

Tobias Buro -  Elektroinstallateur-Handwerk

40. Meisterjubiläum:

Dieter Jäckel 

Goldener Meisterbrief:  

Klaus Liedtke - Elektro

Bester Ausbildungsbetrieb: 

Hofmann Bauelemente GmbH, Malerbetrieb Gebhardt, Malermeister Harald Starke, Malerbetrieb Schönau, Elektro Schulze GmbH, Wunsch & Siebald GmbH    

        
Meritennagel:

Volkmar Schulze, Malermeister Torsten Bergholz, Antje Pahl
        
Ehrenkreuz:  

Malermeister Peter Schönau,     Lutz Schellhammer, Hans-Joachim Zabel - KFZ, René Malende - KFZ

Betriebsjubiläen:

30 Jahre - Elektro Leps GmbH, Tobias Buro; 35 Jahre - MTJ Medizintechnik & Service GmbH; 55 Jahre - Steinmetz Thieme, 127 Jahre - Lutz Schellhammer   (Klempner)  1892 in Berlin gegründet -  2019 an Fa. Hebsacker übergeben 



 

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